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Hat nichts verlernt: Edeltechniker Uwe Bein.

Eintracht Frankfurt

Uwe Bein outet sich als absoluter Eintracht-Fan

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Uwe Bein ist begeistert von seiner Eintracht. Der ehemalige Eintracht-Spieler gibt vor dem Spiel gegen Augsburg den Promitipp ab.

Vielleicht ist dies momentan das größte Kompliment, das man Eintracht Frankfurt machen kann: Uwe Bein, einer der genialen Fußballer in der Geschichte des Klubs, vielleicht der beste Vorlagengeber der jüngeren Vereinsgeschichte, hat sich als absoluter Fan geoutet. Natürlich, sagt der mittlerweile 58-Jährige, habe sein Herz schon immer für die Eintracht geschlagen, er war stets dabei, hat Daumen gedrückt, Herzblut investiert, auch als die Zeiten schwerer waren und der Fußball schwerfällig. Aber was die Mannschaft derzeit auf den Rasen zaubere, ja „da macht das Zuschauen einfach Spaß“.

Uwe Bein lässt sich jetzt nach Möglichkeit kein Spiel entgehen, bei den Heimspielen ist er ohnehin live dabei, am vergangenen Samstag war er auf Schalke, selbstverständlich war er in Lissabon dabei, wie auch in Rom oder in Mailand. „Ich bin ein großer Fan dieser Mannschaft geworden“, sagt er jetzt. „So verrückt wie im Augenblick war ich noch nie.“

Kann es ein größeres Lob geben? Uwe Bein war der Erfinder des tödlichen Passes, wenn heute einem ein prima Abspiel gelingt, rufen sie „der Pass war Bein“. Der Linksfuß aus Lengers war es, der den Unterschied machte, der Anthony Yeboah oder Andreas Möller oder Lothar Sippel mit Bällen nur so fütterte, er war es, der eine neue Ära prägte, als eingangs der 1990er Jahre Eintracht Frankfurt den schönsten und attraktivsten Fußball spielte. Bald 30 Jahre danach gibt es wieder eine Mannschaft, die an diese Zeiten, da die Hessen den „Fußball 2000“ zelebrierten, anzuknüpfen in der Lage ist.

Eintracht Frankfurt spielte während Beins Zeit ähnlich offensiv wie heute

„Was die Mannschaft im Augenblick auf dem Platz bringt - Hut ab“, sagt Bein. Und er weiß, von was er spricht. Zu seiner Zeit, zwischen 1989 und 1994, kombinierte und spielte die Eintracht ähnlich offensiv. Die Trainer Jörg Berger oder Dragoslav Stepanovic ließen die Offensiven nur zu leicht von der Leine, neben Bein marschierten ja auch noch Andi Möller, Lothar Sippel, Edgar Schmidt, Jörn Andersen, Tony Yeboah; über die Außen kamen Heinz Gründel und Ralf Weber, auch das ähnlich wie heute. Die Eintracht erzielte seinerzeit häufig die meisten Tore, es gab auch da nur eine Richtung, nach vorne. Dass sich Uwe Bein und Kollegen 1992 nicht selbst belohnten, steht auf einem ganz anderen Blatt und muss zuvörderst ein gewisser Alfons Berg aus Konz beantworten.

Klar, man darf Zeiten nicht vergleichen. „Heute“, sagt Uwe Bein, „ist eine ganze andere Dynamik im Spiel“, auch ein ganz anders Tempo. Pausen gibt es ja so gut wie keine, und dass ein Mittelfeldspieler die Defensivarbeit „mit Auge“ erledigt, wie sich das seinerzeit ein Uwe Bein noch erlauben durfte, geht auch nicht mehr. „Aber auch wir hatten damals eine überragende Mannschaft.“

Eintracht-Trainer Adi Hütter lässt gnadenlos offensiv spielen

Bein, dessen Tochter Sarah in der Presseabteilung des Klubs beschäftigt und mit Eintracht-Rechtsverteidiger Danny da Costa liiert ist, ist auch deswegen so angetan vom neuen Stil seiner Hessen, weil Trainer Adi Hütter im Gegensatz zu Vorgänger Niko Kovac gnadenlos offensiv spielen lässt. „Wenn man Kostic und da Costa noch dazu zählt, dann spielen wir zeitweise mit fünf Stürmern.“

Uwe Bein, der filigrane Techniker, Weltmeister von 1990 und mit 300 Bundesligaspielen (90 Tore) einer der ganz erfahrenen Profis, gefällt dieser Mut. Auch was Kovac aus dieser Mannschaft geformt hat, die bekanntlich 2016 mit einem Bein schon in der zweiten Liga gestanden hat, findet er beachtlich. „Niko kam mehr über die Defensive. Er hat von drei Stürmern lieber nur einen spielen lassen.“ Aber auch das sei völlig in Ordnung gewesen. Zumal es ja auch erfolgreich war, Pokalsieger wird man nicht einfach mal so.

Die Entwicklung, die der Klub in den letzten Jahren genommen hat, ist ganz nach dem Geschmack von Bein, mittlerweile auch einer der Markenbotschafter des Vereins, zudem ist sein Konterfei an einer Säule in der U-Bahn-Station Theaterplatz zu sehen. Und der 58-Jährige, der noch ein wenig in der Fußballschule und im Fußballcamp arbeitet, traut seiner Eintracht durchaus den ganz großen Sprung in die Champions League zu. Warum auch nicht?

Ihm war das 1992 ja nicht vergönnt. Seinerzeit spielte lediglich der Meister in der Königsklasse, und 1992 wurde bekanntlich ein anderer Deutscher Meister.

Sein Tipp: 2:0

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