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Nie mehr im Eintracht-Dress: Amin Younes.
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Nie mehr im Eintracht-Dress: Amin Younes.

Vom Training freigestellt

Eintracht Frankfurt stellt Amin Younes frei – Kapitel ist endgültig beendet

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Die Eintracht stellt den Kreativspieler vom Training frei: Der 28-Jährige wird nie mehr das Frankfurter Dress tragen - Filip Kostic mit Liebeserklärung.

Frankfurt - Zum ersten Arbeitstag der neuen Woche am Dienstag (07.09.2021) erschien Amin Younes dann plötzlich am Stadion im Stadtwald, leibhaftig, ganz er selbst. Fast so, als sei nichts gewesen. „Servus, Grüß Gott, ich bin dann mal wieder da.“

Die Trainingsklamotten ließ Amin Younes freilich im Spind, den er bald ganz räumen wird, pünktlich zur Mittagszeit fand sich der 28-Jährige in der Vorstandsebene des neuen Proficamps der Frankfurter Eintracht ein. Es gab etwas zu besprechen, dringlich, keinen Aufschub duldend. Schließlich hat der Kreativspieler für eine ganze Menge Wirbel und viele Sorgenfalten gesorgt. Wen auch immer man in den vergangenen Wochen bei Eintracht Frankfurt auf Amin Younes angesprochen hat, er druckste herum: „Hmm, tja, hör auf, schwieriges Thema.“ Seit Mittwoch ist zumindest klar: Der Deutsch-Libanese wird nie mehr ein Spiel für Eintracht Frankfurt bestreiten und auch nicht mehr am Trainingsbetrieb teilnehmen. Das teilten die Verantwortlichen dem Fußballer in einem mehrstündigen Krisengipfel am Dienstag mit.

Eintracht Frankfurt: Amin Younes hat nun Zeit, sich einen neuen Verein zu suchen

Offiziell heißt es von Seiten des Vereins: „Eintracht Frankfurt und Amin Younes haben sich im Rahmen eines gemeinsamen Termins mit Sportvorstand Markus Krösche und Cheftrainer Oliver Glasner darauf verständigt, die kommenden Tage zu nutzen, um eine einvernehmliche Lösung für die aktuelle Situation zu erzielen.“ Und: „Der Spieler wird während dieser Phase nicht am Trainings- und Spielbetrieb teilnehmen.“

Die einvernehmliche Lösung sieht so aus, dass der Spieler nun Zeit hat, sich einen neuen Verein zu suchen. Steine wird ihm die Eintracht nicht in den Weg legen. Die Younes-Seite muss ohnehin einen Deal mit dem SSC Neapel anstreben, die Italiener halten ab dem kommenden Sommer wieder die Transferrechte an Younes. Sein Marktwert ist allerdings in den Keller gerauscht, er gilt als schwer vermittelbar.

Klima zwischen Amin Younes und Eintracht Frankfurt ist vergiftet

In Frankfurt gibt es kein Zurück mehr, nicht den Hauch einer Chance der Wiedereingliederung. Das Kapitel Amin Younes bei der Eintracht ist beendet. Die Sportliche Leitung der Eintracht sah keinen anderen Weg mehr, zu viel war geschehen und zu viel verbrannte Erde hinterlassen worden.

Younes soll gar nicht mehr in die Nähe der Mannschaft kommen, das Klima ist vergiftet. Es gehe darum, das Wohl der Gruppe zu schützen. Im Grunde kommt die Verweigerung der Trainingsteilnahme einer Suspendierung des Akteurs gleich.

Es ist der Höhepunkt der Turbulenzen, die im April beim Auswärtsspiel in Dortmund ihren Anfang nahmen, als sich der Kreativkopf, der kurz zuvor sogar in die deutsche Nationalelf zurückgekehrt war, nach einem Wortgefecht mit Trainer Adi Hütter weigerte, weiterzuspielen. Seitdem ist nichts mehr, wie es war.

Amin Younes verschanzt sich in Istanbul und lässt Eintracht-Training sausen

Viele im Eintracht-Zirkel zeichnen das Bild eines Mannes, der auf Abwegen ist, der merkwürdig wankelmütig daherkommt, nicht mehr zu greifen. Younes, fast überall im Unfrieden geschieden, fühlte sich auf einmal nicht mehr wertgeschätzt, forderte die Verdoppelung seines Gehalts von zwei auf vier Millionen Euro, obwohl er stets betonte, nicht des Geldes wegen in Frankfurt zu spielen. In der Gruppe war er zunehmend isoliert, auch der neue Trainer Oliver Glasner, ein ruhiger, um Ausgleich bemühter Fußballlehrer, spürte, dass da etwas nicht stimmte und passte

Schon vor einigen Wochen entschied sich der Klub daher, den gebürtigen Düsseldorfer ziehen zu lassen, mit Al Shabab aus Riad war alles ausgehandelt – doch die Saudis ließen den Deal in letzter Minute platzen. Ohne Angabe von Gründen.

Younes hätte sich daher wieder in Frankfurt einfinden müssen, sein Leihvertrag bei den Hessen läuft noch bis Sommer 2022. Doch er kam nicht, verschanzte sich stattdessen in Istanbul und ließ das Training sausen. Eigenmächtig. Sein Fernbleiben, heißt es, sei nicht genehmigt gewesen und diente auch nicht dazu, mit anderen Vereinen über einen Wechsel zu verhandeln. Trotz mehrfacher Aufforderung sei Younes nicht bereit gewesen, zurückzukommen. Das war der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Im Eintracht-Lager war man entsprechend erbost, fühlte sich von dem Spieler an der Nase herumgeführt. Intern ist daher beschlossen worden, die Tür für eine Rückkehr zu schließen. Unwiederbringlich.

Eintracht Frankfurt setzt Zeichen

Der Eintracht geht es auch darum, ein Zeichen zu setzen, intern wie extern, und einer zunehmenden Verrohung der Sitten entgegenzuwirken. Es ist auch ein Signal an die eigene Mannschaft und soll eine Warnung an mögliche Nachahmer sein. Frei nach dem Motto: Keiner ist größer als der Verein.

Das Verhalten des Klubs ist nachvollziehbar. Die Eintracht ist zum strikten Handeln gezwungen, muss zeigen, dass sie sich nicht alles bieten lässt und der Verein zum Spielball der Spieler und ihrer Berateragenturen wird. Eine klare Haltung ist angeraten und richtig, selbst wenn der Klub dadurch Geld verliert.

Aus diesem Grund wird auch Filip Kostic zur Kasse gebeten. Der serbische Nationalspieler soll nach seinem Streik, mit dem er einen Wechsel zu Lazio Rom erzwingen wollte, zwar wieder in Gnaden aufgenommen werden, weil er eigentlich für einen guten Kerl und untadeligen Sportsmann gehalten wird, aber er wird eine empfindliche Geldstrafe zahlen müssen. Unwahrscheinlich ist zudem nicht, dass der 28-Jährige für ein, zwei Spiele auf die Tribüne verbannt wird. Auch das ist als Denkzettel, aber auch als Zeichen zu verstehen.

Kostic hat sich via Instagram übrigens erstmals zu Wort gemeldet und eine etwas eigenwillige Interpretation des Vorgangs rund um das geschwänzte Spiel gegen Bielefeld abgegeben. Er sei, schrieb er, „psychisch nicht leistungsbereit“ gewesen. Aber: „Das war kein Streik!“ Die Fans seien falsch informiert worden, „einige Personen schulden mir eine Entschuldigung“. Nun ja.

Immerhin scheint er sich wieder auf seinen aktuellen Arbeitgeber konzentrieren zu wollen, wie er pathetisch ankündigt. „Ich liebe Eintracht Frankfurt und bin dankbar für alles, was ich hier habe.“ Und weiter: „Ich werde weiterhin für den Verein kämpfen, denn das Team braucht mich. Eintracht Frankfurt über alles.“ Da ist einer aber ganz gewaltig auf Wiedergutmachungstour. (Ingo Durstewitz)

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