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Gerangel mit Bayern und Hinti.

SGE

Eintracht Frankfurt gegen Bayern München: SGE greift nach den Sternen

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt muss schon einen Sahnetag erwischen, um gegen die Bayern halbwegs bestehen zu können. Oder man parkt den Mannschaftsbus vor das eigene Tor.

Der eigenwillige Fußballtrainer Armin Veh hat vor den Partien gegen die Bayern nicht selten in die Trickkiste oder, besser gesagt, zu ungewöhnlichen Mitteln gegriffen. Einmal, im Februar 2014, reiste der damalige Eintracht-Coach mit einer besseren B-Elf nach Fröttmaning, schonte einige Stammspieler, Sebastian Rode, Carlos Zambrano oder Stefan Aigner. Zwei von ihnen hatten schon vier Gelbe Karten gesammelt, und auf keinen Fall wollte Armin Veh riskieren, dass sie im wichtigen Spiel eine Woche später gegen Eintracht Braunschweig (ja, ja, die waren da in der Bundesliga) fehlen würden. Und er, Veh, wollte auch nicht so tun, als habe seine im Abstiegskampf steckende Mannschaft eine Chance bei den Über-Bayern. „Im Normalfall ist das nicht der Fall.“

Auf Veh prasselte einiges an Kritik ein, Wettbewerbsverzerrung, knurrten viele, andere werteten die Selbstschwächung als ultimativen Akt der Unterwerfung. Die Eintracht, klar, verlor standesgemäß, 0:5. Veh, dem Autokraten auf der Bank, war es egal, also die Kritik und vermutlich auch das Ergebnis.

Eintracht Frankfurt gegen Bayern München: Rückblick auf die Abwehrschlacht

Eineinhalb Jahre später, Veh und die Eintracht waren wieder auf dem Weg in den Tabellenkeller, wählte der Offensivliebhaber die Ultra-Betontaktik, elf Mann hinten rein, Bälle wegbolzen, und dann beten. Reichte zu einem hässlichen 0:0, und nicht nur Bayern-Kante Jerome Boateng wunderte sich nach der Abwehrschlacht der Eintracht: „Das habe ich so noch nie erlebt.“ Kapitän Philipp Lahm war genervt. „Heute haben wir den Unterschied zwischen defensiv und defensiv gesehen.“ Fußballphilosophie.

Fast auf den Tag genau fünf Jahre später muss Adi Hütter schmunzeln, als er davon hört und ihn jemand fragt, ob es gegen die Bayern vielleicht eine gute Idee sei, den Mannschaftsbus vor dem eigenen Tor zu parken. „Da kann man auch zwei hinstellen, sie würden trotzdem noch eine Lücke finden“, entgegnet der aktuelle Frankfurter Coach grinsend. So geht’s also auch nicht.

Eintracht Frankfurt trifft in München auf „die beste Mannschaft der Welt“

Wie geht es denn überhaupt? Wie will man denn überhaupt den Hauch einer Chance haben, wenn die „beste Mannschaft der Welt“ (Hütter) wirklich ernst machen sollte, was sie ja meistens ganz von selbst macht? Hütters erste Antwort lässt für das hessische Aushängeschild in Sachen Fußball nichts Gutes erahnen. „Wenn man versucht, ganz tief zu stehen, dann haben sie trotzdem die Qualität, sich durchzukombinieren. Sie sind gefährlich bei hohen Bällen, bei Ecken sehr gut.“ Hmm, und sonst noch so? „Wenn man die Seiten zumacht, spielen sie durchs Zentrum. Wenn man höher steht, spielen sie hinter die Kette.“ Kurzum: „Wir müssen auf alles gefasst sein.“

Klingt nicht unbedingt nach einem Masterplan zum Sturz der Riesen, eher nach einer Mission impossible. Vielleicht ist es aber einfach nur eine realistische Einschätzung des Ist-Zustands, der Kräfteverhältnisse in der Bundesliga, ja womöglich gar in Europa. Selbst dort hat die Übermacht aus dem Süden der Republik kaum mehr natürliche Gegner, erst am Mittwoch ist Atletico Madrid, „die Mannschaft, die am besten verteidigen kann“ (Hütter), mit 4:0 nach Hause geschickt worden. Deshalb folgert der Fußballlehrer richtigerweise: „Wir brauchen einen absoluten Sternetag, eine Sternstunde und Bayern einen nicht so guten Tag, um etwas holen zu können.“

Eintracht Frankfurt: Vor einem Jahr wurde Bayern München aus dem Stadion geschossen

Wie vor einem Jahr, als die Eintracht, allerdings daheim im Stadtwald, die Münchner mit 5:1 aus dem Stadion schoss. Ein Glückstag – für die Bayern. Anderntags nämlich wurde das Missverständnis mit Niko Kovac beendet und Hans-Dieter Flick, eher aus Verlegenheit, auf den Chefsessel gehievt. Es folgte ein Siegeszug sondersgleichen, der in fünf Titeln binnen zwölf Monaten mündete – inklusive des Triumphs in der Königsklasse. Höher kann also für Eintracht Frankfurt die Latte nicht liegen als am Samstag um 15.30 Uhr in Fröttmaning. „Wir wollen unangenehm sein, unsere Identität einbringen und Nadelstiche setzen. Wir können nicht nur verteidigen“, sagt Hütter tapfer.

Ob Kapitän David Abraham in diesem ungleichen Duell seinen Mann wird stehen können, ist noch ungewiss. Der schnelle Verteidiger klagt über Schmerzen in der Kniekehle. „Das behindert ihn beim Sprinten“, berichtet Hütter. „Mal schauen, ob es noch ausgehen wird.“

Eintracht Frankfurt: Martin Hinteregger bekommt es mit Robert Lewandowski zu tun

Ganz sicher wird Martin Hinteregger auflaufen, der erstaunlicherweise drei Tore in den letzten beiden Bundesligaspielen gegen die Münchner erzielt hat. Er wird es mit dem zurzeit weltbesten Stürmer, Robert Lewandowski, zu tun bekommen. „Er misst sich sehr gerne mit solchen Spielern“, glaubt sein Trainer zu wissen. Auch Almamy Touré wird erneut in der Startelf stehen, Hütter ist mit der Entwicklung des rechten Läufers zufrieden. „Er zeigt, welches Potenzial er hat.“ Der 24-Jährige sei generell schon sehr viel seriöser unterwegs, habe nicht mehr so viele Aussetzer im Spiel. Laut Coach Hütter eine Folge der intensiven Arbeit auf dem Trainingsplatz: „Man kann sich erarbeiten, keine Blödheiten zu machen.“

Auf die Abwehr wird Schwerstarbeit zukommen, Hütter verlangt daher, logisch, höchste Konzentration und hofft auf möglichst wenige Fehler. Das sei allemal wichtiger als die Anzahl der Glieder im Abwehrverbund. In Köln etwa beim letzten Auswärtsspiel (1:1) habe die Deckung zuweilen wie eine „kaputte Schneekette“ ausgesehen, arg löchrig also. „Wenn wir passiv sind, wird es nicht angenehm für uns“, betont der Coach und orakelt: „Wir werden leiden müssen.“

An einen Spannungsabfall bei den Bayern zwischen zwei Champions-League-Spielen glaubt der Österreicher eher nicht, vor einigen Wochen vielleicht, ja, okay, aber derzeit wirkten die Münchner auf ihn „physisch und geistig frisch“, und selbst wenn sie ein wenig rotieren sollten, womit Hütter rechnet, werde das nicht sonderlich ins Gewicht fallen. „Die Qualität wird nicht schlechter.“

Armin Veh übrigens hat damals, wenn man so will, alles richtig gemacht: Eine Woche nach der 0:5-Klatsche in München gab es ein 3:0 gegen Braunschweig – mit Rode, Zambrano und Aigner, der sogar einen Treffer erzielte. (Von Ingo Durstewitz)

Eintracht Frankfurt gegen Bayern München: So können Sie das Spiel live und im Stream sehen.

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