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Eintracht-Gegner FC Bayern und sein Schattentrio

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Von: Daniel Schmitt

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Ryan Gravenberch, 20, Mittelfeldspieler, kostete die Bayern etwa 18,5 Millionen Euro Ablöse.
Ryan Gravenberch, 20, Mittelfeldspieler, kostete die Bayern etwa 18,5 Millionen Euro Ablöse. © IMAGO/Sven Simon

Mit den jungen Neuzugängen Gravenberch, Mazraoui und Tel verstärken sich die Münchner Bayern auch in der Breite.

Oberflächlich betrachtet kostet Mathys Tel den FC Bayern knappe 600 000 Euro pro Minute - zumindest dann, wenn die bisherige Einsatzzeit des Münchner Neuzugangs in der französischen Ligue 1 in Relation gesetzt wird zu der vom deutschen Rekordmeister an Stade Rennes überwiesenen Ablösesumme für den Angreifer.

Ganz so leicht dürfen und haben sich die Münchner Vereinsbosse die Kosten-Nutzen-Rechnung selbstverständlich nicht gemacht, die sieben Kurzeinsätze (49 Minuten) des jungen Franzosen, 17, in Frankreichs Eliteliga waren nicht ausschlaggebend für den 28,5-Millionen-Deal (inklusive Bonuszahlungen), sondern das, was Mathys Tel künftig mal bringen könnten. Für die Bayern ist die Verpflichtung des französischen U-17-Kapitäns, der einen Vertrag bis 2027 unterschrieb, eine Wette auf die Zukunft - zwar mit einem erhöhtem Einsatz, der entsprechend aber auch mehr Ertrag bringen könnte als bei anderen Spielerkäufen. Sportlich wie finanziell. Die bajuwarische Scoutingabteilung war sich jedenfalls sehr sicher mit ihrer Empfehlung für die Vereinsoberen. Körperlich wirkt Tel in der Tat robuster als andere 17-Jährige, in seinem Spiel verbindet er Schnelligkeit mit Abschlussstärke. So kann der Stürmer sowohl im Zentrum als auch auf den Außen agieren.

Mathys Tel, der kurz vor den Toren von Paris geboren wurde und in unmittelbarer Nähe zum Nationalstadion Stade de France aufgewachsen ist (wie so viele französische Topspieler), soll den Verlust von Robert Lewandowski zwar nicht sofort, wohl auch nicht kurzfristig, aber doch auf absehbare Zeit zumindest in Ansätzen auffangen.

Messlatte für Mathys Tel liegt hoch

Trainer Julian Nagelsmann hielt dem Neuen, der einst als Siebenjähriger als Verteidiger begann und von Jahr zu Jahr auf dem Feld weiter nach vorne wanderte, erstaunlicherweise schon mal eine hohe Messlatte hin. Er, Nagelsmann, traue ihm, Tel, „eines Tages 40 Tore pro Saison“ für den FC Bayern zu. „Aber wenn er diese Saison zehn Tore schießt, sind wir alle glücklich.“ Zur Einordnung: Bisher ist Tel noch ganz ohne Profitreffer.

Allenthalben aber wird ihm trotz der geringen Lebenserfahrung bereits ein beachtliche Charakterstärke nachgesagt. Auch in München trat der zweitteuerste Bayern-Teenager der Geschichte, nur Renato Sanches kostete mehr (35 Millionen Euro), bisher sehr höflich auf, was nicht mit einer Zurückhaltung verwechselt werden sollte. Scheu vor den großen Stars, den Weltmeistern und Champions-League-Siegern, soll jedenfalls kaum zu erkennen sein. Gute Voraussetzungen für einen guten Start.

Mathys Tel, 17, Stürmer, kostete die Bayern etwa 28,5 Millionen Euro Ablöse.
Mathys Tel, 17, Stürmer, kostete die Bayern etwa 28,5 Millionen Euro Ablöse. © IMAGO/Sven Simon

Etwas weiter in ihrer Entwicklung sind da freilich schon die anderen beiden Münchner Neuen, die in der öffentlichen Wahrnehmung im Schatten der Mega-Transfer von Sadio Mané (FC Liverpool) und Matthijs de Ligt (Juventus Turin) stehen: Ryan Gravenberch, 20, und Noussair Mazraoui, 24.

Die beiden Zugänge von Ajax Amsterdam sollen die Münchner Mannschaft vor allem in der Breite verstärken, sollen Trainer Nagelsmann mehr Möglichkeiten bieten, um auf etwaige Formschwächen oder Verletzungen zu reagieren. Während sich der ablösefrei verpflichtete Mazraoui auf der rechten Abwehrseite im internen Konkurrenzkampf gegen Benjamin Pavard zu beweisen hat, ließen sich die Bayern den zentralen Mittelfeldmann Gravenberch immerhin 18,5 Millionen Euro plus rund 5,5 Millionen Bonuszahlungen kosten.

Die ersten Wochen im Münchner Fußballkosmos zeigten schnell, warum. Gravenberch, bis 2027 vertraglich an die Bayern gebunden, wusste sofort in für ihn unbekannter Umgebung zu überzeugen. Der Niederländer, der einst mit 16 Jahren und 130 Tagen zum jüngsten Debütanten in der Eredivisie avancierte, tritt selbstbewusst auf und macht Eindruck mit seinen 1,90 Metern Körperlänge.

Noussair Mazraoui, 24, Rechtsverteidiger, kostete die Bayern keine Ablöse.
Noussair Mazraoui (rechts), 24, Rechtsverteidiger, kostete die Bayern keine Ablöse. © IMAGO/Sven Simon

„Er ist sehr präsent, will immer den Ball“, sagt Bayern-Kapitän Manuel Neuer, dessen Chef Nagelsmann in dieser frühen Phase wohl etwas zu überschwänglich urteilt: „Ryan ist ein sehr, sehr feiner Fußballer mit kreativen Ideen, einem guten Raumgefühl und einer guten Spieleröffnung. Er verfügt über eine unglaubliche Koordination, seine Gräten und den Ball immer unter Kontrolle zu kriegen.“

Spätestens seit 2018, als Ajax den damals 16-Jährigen als besten Spieler des eigenen Nachwuchses auszeichnete, was zuvor unter anderem Weltstars wie Rafael van der Vaart, Wesley Sneijder oder Christian Eriksen gegönnt war, lastete ein gewisser Druck auf Gravenberch. Er, dessen Bruder ebenfalls Profi in der niederländischen zweiten Liga ist, war nicht nur größer als seine Mitspieler, sondern nun auch offiziell besser. Er hielt den Erwartungen stand, avancierte bei Ajax unter Trainer Erik ten Hag zum unumstrittenen Stammspieler.

Vergleiche mit Weltstar Paul Pogba

Vergleiche mit Paul Pogba begleiten Gravenberch nicht umsonst seit einigen Jahren - weil beide sich körperlich wie fußballerisch ähneln. Die Größe, die raumgreifenden Schritte dienen Pogba wie Gravenberch zu langen Läufen durchs Mittelfeld. Beiden jedoch auch gemein: nicht immer das volle Potenzial auszuschöpfen. Ex-Coach ten Hag, der Gravenberch in diesem Sommer auch gerne mit zu Manchester United genommen hätte, jedenfalls sieht das so: „Ryan besitzt viel Talent, deshalb muss er die Latte höher legen. Er hat Potenzial, aber man muss dieses Potenzial zum Vorschein bringen.“

In München ist ihm das bisher gelungen. Nach der Verletzung von Nationalspieler Leon Goretzka gilt der Neuzugang als echte Alternative für die Startelf - womöglich bereits an diesem Freitagabend (20.30 Uhr/Sat 1 und Dazn) beim Bundesliga-Eröffnungsspiel in Frankfurt. Zuletzt im Supercup gegen RB Leipzig musste er zwar noch dem bayerischen Vorbereitungsgewinner Marcel Sabitzer den Vortritt an er Seite des gesetzten Joshua Kimmich lassen, viele Einsatzminuten aber kündigen sich längst an.

Noussair Mazraoui hat da noch mit mehr Anpassungsproblemen zu kämpfen. Der in den Niederlanden geborene und aufgewachsene marokkanische Nationalverteidiger bringt zwar eine gewisse Schnelligkeit und Verbissenheit in den Zweikämpfen mit, wirkt bisher aber etwas gehemmt. Auch die Präzision bei Flanken lässt (noch) zu wünschen übrig.

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