Eingenetzt: Robert Lewandowski erzielt das 1:0, die Frankfurter um Kevin Trapp können dem Ball nur hinterherschauen.
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Eingenetzt: Robert Lewandowski erzielt das 1:0, die Frankfurter um Kevin Trapp können dem Ball nur hinterherschauen.

Eintracht Frankfurt

Diener vor der Übermacht

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
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Eintracht Frankfurt ist mit dem eigenen Auftritt in München eigentlich ganz zufrieden, muss letztlich aber eine verdiente 0:5-Klatsche hinnehmen – die Bayern sind schlicht zu stark.

In der Nachlese der fälligen Bundesligapartie in München hätte man fast meinen können, der Eintracht wäre tatsächlich die riesengroße Sensation, ach was, das kleine Fußballwunder geglückt. Der Frankfurter Sportdirektor Bruno Hübner jedenfalls stellte heraus, dass seine Mannschaft gegen den FC Nimmersatt ein gutes Spiel gemacht habe, optisch habe das prima ausgesehen, „unser Anspruch ist mittlerweile, auch in München mitzuspielen, weil wir einen Schritt weiter sind.“ Ergo: „Ich denke, Adi Hütter wird der Mannschaft für den mutigen Auftritt gratulieren.“ Das Endergebnis an diesem Samstag im Oktober 2020 in Fröttmaning: Bayern München fünf, Eintracht Frankfurt null. Menschenskinder.

So weit ist man in Fußball-Deutschland schon gekommen, dass die Funktionäre nach einer 0:5-Klatsche voll des Lobes sind, dass Spieler sagen, man könne sich „fast nichts vorwerfen“ (Mittelfeldarbeiter Sebastian Rode), zumal „wir uns in den ersten Minuten nicht versteckt haben“ (Torwart Kevin Trapp). Auch Trainer Adi Hütter fand das Gesamtpaket „sehr ordentlich“, gerade im ersten Abschnitt, nur die Umschaltmomente habe sein Team nicht gut genutzt, „das hat mich gestört.“

Das eigentlich Erschreckende und Alarmierende, nicht nur für Eintracht Frankfurt, sondern für die nationale und europäische Konkurrenz, sogar für den Rest der Welt (wenn es den Rest der Welt interessieren würde): Die Aussagen sind weder falsch, beschönigend noch total daneben, sie sind im Ansatz nachvollziehbar. Schlimm genug.

Die Bayern spielen in der derzeitigen Verfassung in ihrer eigenen Welt, ihrer eigenen Liga, das ist keine brandheiße Erkenntnis, aber sie wird Woche für Woche zementiert. Erst kommen die Bayern, danach die Bayern und anschließend die Bayern – und irgendwann unter ferner liefen alle anderen, angeführt von Leipzig und Dortmund.

Es ist mittlerweile ein fürwahr aussichtsloses Unterfangen, gegen die Großmacht aus dem Süden etwas zu holen. Die Unterschiede sind zu groß, die Diskrepanz riesig. Lebte das schöne Spiel einst davon, jeden Gegner schlagen zu können, so ist diese Regel außer Kraft gesetzt – außer es kommt, wie vor einigen Wochen in Hoffenheim, alles zusammen, um das fast Unmögliche möglich zu machen. Es ist ein Spiel mit ungleichen Waffen, fast schon ungerecht.

Dabei, und damit geht es zurück zum Eintracht-Auftritt an der Isar, haben die Frankfurter wirklich nicht schlecht begonnen, ganz passabel den Ball laufen lassen und auch ein, zwei (halbherzige) Abschlüsse verbuchen können. Nichts, was die Münchner schrecken würde, aber immerhin. Doch wenn der Triple-Sieger ernst macht, ist eben Schluss mit lustig. Da greift auch der latent geäußerte Vorwurf zu kurz, wonach die Frankfurter einen mutigen, furchtlosen Auftritt angekündigt haben, dann aber doch das Fell über die Ohren gezogen bekamen: Gegen die Bayern ist kein Kraut gewachsen, egal, was man sich vornimmt und wie gut man es im Rahmen seiner eigenen Möglichkeiten umsetzt.

Eintracht-Trainer Adi Hütter hat das sofort erkannt. Rein qualitativ, findet der 50-Jährige völlig zu Recht, habe es sein Ensemble „nicht auf die Reihe bekommen“. Das letzte Zuspiel, „der tödliche Pass“, die rechte Präzision habe stets gefehlt. Als Paradebeispiel nannte er den Münchner Treffer zum 5:0, „als sie auf engstem Raum den Ball durchstecken“, das sei letztlich „eine Frage der Qualität“, weshalb er nüchtern schlussfolgert: „In den entscheidenden Momenten waren wir nicht gut genug.“

In den entscheidenden Momenten fehlte in der Tat das Zutrauen und der Mut, da war der Respekt vor den übermächtigen Kontrahenten zu groß und das Tempo sowie die Spritzigkeit, die individuelle Klasse, hinten wie vorne war schlicht nicht da. Gegen Ende des ersten Durchgangs etwa verdaddelten die Gäste in Person von Steven Zuber eine gute Kontermöglichkeit dilettantisch. „Im Vier-gegen-drei musst du einfach im richtigen Moment den richtigen Pass spielen, dann kannst du gefährlich werden“, monierte Mittelstürmer Bas Dost allgemein. Der Niederländer wollte sich aber nicht weiter grämen: „Wir sind gut drauf, haben aber gesehen, wie gut eine Fußballmannschaft sein kann.“ Fürchterlich gut. „Das ist einfach Weltklasse“, stöhnte Bas Dost.

Der überragende Robert Lewandowski (10., 26., 61.) sowie Leroy Sané (73.) und Jamal Musiala (90.) stellten den auch in dieser Höhe verdienten Erfolg sicher. „Du brauchst hier einen Sahnetag, um zu bestehen – den hatten wir nicht“, rekapitulierte der beste Frankfurter Sebastian Rode, und Keeper Kevin Trapp flankierte: „Wir haben gegen die weltbeste Mannschaft 0:5 verloren.“ Der Schlussmann forderte seine Kollegen umgehend auf, den Blick nach vorne und aufs Wesentliche zu richten. „Wir müssen das jetzt schnell abhaken.“

Nach fünf Begegnungen stehen die Frankfurter noch immer solide da, acht Punkte haben sie zusammengeklaubt, das ist in Ordnung und entspricht in etwa den Erwartungen, auch wenn es zwei Zähler hätten mehr sein können. Die Packung von München hat jedoch das Torverhältnis verhagelt.

Am Samstag kommt Werder Bremen nach Frankfurt, „wir müssen jetzt da weitermachen, wo wir vor dem Bayern-Spiel aufgehört haben“, fordert Torsteher Trapp. Man hört beinahe das Aufatmen: Puh, Werder Bremen, in etwa dieselbe Kragenweite, ein stinknormaler Gegner aus der gleichen Fußballwelt.

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