Eintracht Frankfurt spielt Remis gegen Arminia Bielefeld.
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Eintracht Frankfurt spielt Remis gegen Arminia Bielefeld.

Ballhorn-Kolumne

Fast wie 1973

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Beim Hygienekonzept macht der Eintracht gegen Bielefeld niemand was vor. Beim Torabschluss durchaus. Unser Kolumnist Ballhorn hat aus sicherer Entfernung zugeschaut.

Eine Kulisse wie vor 47 Jahren, nur mit mehr Luft dazwischen: Das Spiel der Frankfurter Eintracht gegen die Arminia weckt eine Menge Erinnerungen. Und macht Lust auf mehr: etwa mehr gute Spieler und mehr Ernsthaftigkeit, wenn das Runde ins Eckige soll. Ballhorn, der einzige Liveticker der ganzen Welt, der schon vor 47 Jahren ins Stadion ging, aber heute erst nach dem Spiel online geht, schwelgt ein wenig im Damals. Aber schwelgen Sie selbst.  

-39. Minute: War was?

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-36. Minute: Wir spielen gegen Bielefeld. Vor 6500 Zuschauerinnen und Zuschauern.

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-34. Minute: Ei ja. Mal ganz unter uns:

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-32. Minute: Normal, oder?

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-30. Minute: 1973 war das jedenfalls normal.

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-29. Minute: 6500 gegen Bielefeld. 8700 gegen Wuppertal. 7500 gegen Fortuna Köln.

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-28. Minute: Also machen wir heute mal 70er-Revival.

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-26. Minute: Mein Getränk passt auch. Lecker Bananenmilch. Wie 1973.

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-23. Minute: Heute allerdings daheim aus dem Smoothie-Mixer.

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-22. Minute: Schon bissi besser als 1973. Der Drink.

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-20. Minute: Ob die Eintracht auch besser ist – mal sehen.

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-19. Minute: Da – die Stadionwerbung.

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-17. Minute: „Eisenbach – Leut vom Fach – alles unter einem Dach!“

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-14. Minute: „Mister Portas, Mistress Portas! Verschönert alle Türen!“

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-12. Minute: Der Opa holt am Getränkestand ein Bier für sich und einen Limokasten, auf den ich mich draufstellen kann.

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-10. Minute: Schön, oder? So war das 1973. Also ohne „Mistress“ natürlich.

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-9. Minute: Und Eintracht-Verteidiger Peter Reichel, was wird der damals verdient haben?

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-7. Minute: 50.000 im Jahr? Keine Ahnung.

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-5. Minute: Das ist heute ein wenig anders.

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-3. Minute: Und der Polizeichor singt! *heuel*

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-2. Minute: Und die Leute rufen bei der Mannschaftsaufstellung die Namen der Spieler!

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Anpfiff: Willy Brandt (Bundeskanzler). Korrigiere: Benjamin, und hinten ohne t (Unterspiesheim).

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1.Minute: Das sieht sehr gesittet aus, wie die Leute im Stadion sitzen.

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2. Minute: Weniger Risiko als im Latscha, hat eine Stadionbesucherin durchgegeben. Respekt, Eintracht. Konzept greift offenbar. 

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4. Minute: Die Stimmung klingt auch echt ok.

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5. Minute: Jedenfalls lauter als 6500 Leute 1973 in der alten Hütte gegen Bielefeld.

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6. Minute: Falls es Bielefeld damals überhaupt schon gab.

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9. Minute: Die Eintracht bisher klar Herr/Dame im Haus.

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10. Minute: Gleich: das zeitlos moderne Ballhorn-Viertelhalbzeit-Fazit:

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12. Minute: Wer hätte vor 47 Jahren geahnt …

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13. Minute: … dass wir mal gendern würden auf Teufelin komm raus?   

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16. Minute: Das Bezahlfernsehen lobt die Stimmung im Stadion.

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17. Minute: Und bietet im nächsten Satz an, auf Tonoption 2 der Fake-Atmo zu lauschen.

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19. Minute: Was ist denn los mit euch, Sky? Geht’s noch?

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20. Minute: Das hätte es 1973 nicht gegeben.

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23. Minute: Eckenverhältnis ca. 85:1 für uns.

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25. Minute: Und falls jemand den Eindruck hat, wir nutzen unsere Chancen schon wieder nicht …

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26. Minute: … ja, da ist was dran.

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28. Minute: Jetzt erste Rufe von der guten alten Haupttribüne.

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29. Minute: „De Nickel hat sein Kopp doch nur, demit’s em net in de Hals nei reschent!“

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30. Minute: „Un de Rohrbach, desser’s Stroh net in de Hand trache muss!“

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32. Minute: Jetzt bitte „Kamada“ und „Dost“ für „Nickel“ und „Rohrbach“ einsetzen.

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35. Minute: Wir schlampen hier rum.

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36. Minute: Holger Obermann als Kommentator hätte 1973 schon zwölfmal den „modernen Fußball“ vermisst.

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39. Minute: Ernst Huberty hätte stur die Spielernamen heruntergebetet.

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42. Minute: „Rode. Kohr. Kamada. Kostic. Silva. Da Costa. Schade.“

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44. Minute: Und Wolfhard Kuhlins hätte jedem Fehlpass ein „Tschüsschen“ hinterhergewunken. Mit rechts.

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HZP: Mein Opa Alfred hingegen würde ein Bier holen gehen und „Derf net wahr sein!“ seufzen.

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INHZP: Heute: Kaffee.

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INHZP: Aber die Krönung ist, was Sky-Halbzeitquassler Ulli Potofski gerade mit Axel Hellmann abzieht.

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INHZP: Der tut so, als hätte der Eintracht-Marketingvorstand überhaupt keine Ahnung vom Fußball.

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INHZP: Ist das peinlich heute, Sky. Eine Unverschämtheit.

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46. Minute: Adi bringt Barkok und Zuber.

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47. Minute: Danny DC und Hardkohr sind raus.

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48. Minute: Hintiiiii – Latte! Linie!

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50. Minute: Jetzt macht was draus, Jeschäftsfreunde!

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51. Minute: Und nulleins. Logische Folge.

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55. Minute: Wie sagte man 1973 in solchen Situationen so treffend:

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58. Minute: Drei Tore würden unserem Spiel jetzt guttun.

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60. Minute: Na schön.

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62. Minute: Damals genügte eins für den Anfannnnnnng – ja! TOOOR! Einseins!

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63. Minute: Silver macht’s. Und wird direkt danach von einem Bielefelder übelst gecheckt.

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64. Minute: Das gibt einen Brummschädel. Aber er macht weiter. Respekt. 

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67. Minute: Gäste jetzt im Maurermodus.

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70. Minute: Und im Wechselmodus.

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72. Minute: Immer mehr einwechselwillige Ostwestfalen versammeln sich an der Seitenlinie. Wie beim Fleischgroßhändler, wenn Zahltag ist. 

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74. Minute: Ok, waren jetzt nur drei auf einmal.

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77. Minute: Das hätt’s 1973 auch nicht gegeben.  

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79. Minute: Da durften nur zwei. Im ganzen Spiel. Und Arbeiter wurden halbwegs fair behandelt.

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82. Minute: Bei der Eintracht würden mir heute übrigens noch fünf, sechs einfallen, die nicht so ganz performen wie erwünscht. Hase gehört nicht dazu. Der spielt souverän wie immer. 

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83. Minute: Den Deitschi hingegen hat man beispielsweise vor seiner Vertragsverlängerung schon effektiver gesehen, und … - wie? 

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84. Minute: Einen Moment bitte, die 70er Jahre haben gefragt, was „performen“ bedeutet.

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85. Minute: Also performen, das ist … hmm …

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87. Minute: Erinnert ihr euch, was Jürgen Grabowski und Bernd Hölzenbein mit den Gegnern gemacht haben?

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89. Minute: Wenn sie richtig Bock hatten?

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90. Minute: Manchmal sogar vor 6500 Zuschauern?

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91. Minute: Genau. Das war dieses Performen.

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92. Minute: Das, was heute nur Hase hinkriegt. Und der hat 1973 schon mitgespielt.

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93. Minute: Na ja, fast.

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94. Minute: Wie lang denn noch? In einer Minute ist Schluss. Opa Alfred hätte schon längst gesagt:

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95. Minute: „Komm, Bub, sonst ist wieder Gedränge.“ Auf dem Parkplatz Gleisdreieck.

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Abpfiff: Die langen Schläge in den letzten fünf Minuten müssen wir jedenfalls besser üben.

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97. Minuten: Und so manches mehr.

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99. Minute: Ballhorn hört jetzt ein bisschen 70er-Musik.

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100. Minute: „I believe in miracles.“

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102. Minute: „SGE. You sexy thing.“

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