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Wenn der Chef spricht, ist Ruhe im Karton: Adi Hütter erklärt, wie es zu laufen hat, und seine Jungs sollen es, bitte schön, umsetzen.

Bundesliga-Start

Eintracht Frankfurt gegen Arminia Bielefeld: Voll druffgehen

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt will zu den Hütter-Wurzeln zurückkehren und baut zum Bundesliga-Auftakt gegen Arminia Bielefeld auf Altbewährtes.

Das letzte Mal, dass Eintracht Frankfurt mit dem DSC Arminia Bielefeld die Klingen gekreuzt hat, kickte noch ein gewisser Danny Blum im Stadtwald. Blum, ein argloser, blauäugiger Typ, war es, der das damalige DFB-Pokalviertelfinale schon früh entschied, nach sechs Minuten netzte der spritzige Linksfuß zum 1:0 ein, es war das einzige Tor an diesem Abend in einem fürwahr gruseligen Fußballspiel.

Das war im Februar 2017, Danny Blum, heute 29 Jahre alt, sollte später im Finale gegen Borussia Dortmund noch einen erinnerungswürdigen Moment für sich verbuchen, als er in der Nachspielzeit beim Stand von 1:2 einen Freistoß aus vielversprechender Position ziemlich verkorkst auf Kniehöhe an ein BVB-Abwehrbein drosch. Die letzte Chance verpufft, das Endspiel verloren, Blum ging in die Knie.

Eintracht Frankfurt gegen Arminia Bielefeld: Erinnerungen an den DFB-Pokal

Seitdem hat sich einiges getan, Blum steht mittlerweile beim VfL Bochum in Lohn und Brot, die Eintracht sollte ein Jahr später den Pokal gewinnen und noch ein Jahr später ins Halbfinale der Europa-League marschieren – und Arminia Bielefeld? Damals, 2017, retteten sich die Ostwestfalen gerade so und am letzten Spieltag vor dem Abstieg aus Liga zwo. Es folgten Rang vier und sieben, und vor wenigen Monaten gelang der große Wurf, die Meisterschaft mit zehn Punkten Vorsprung vor dem VfB Stuttgart, der Aufstieg, lang ersehnt, nach elf Jahren in der Bedeutungslosigkeit, irgendwo versunken zwischen zweiter und dritter Liga.

Der Österreicher Adi Hütter hat den Werdegang der Arminia sicher nicht en detail verfolgt, doch über die sportliche Leistungsfähigkeit des Neulings weiß der Eintracht-Trainer Bescheid, flugs zählt er ein paar Spieler auf, zuvorderst natürlich den langen Kapitän, Fabian Klos, die Bielefelder Kultfigur. Der 50-Jährige hebt mahnend den Finger, nur ja diesen Aufsteiger nicht unterschätzen. „Das ist eine Mannschaft, die gut Fußball spielt.“ Nein, nein und nochmals nein, im Vorbeigehen werde man die Ostwestfalen nicht herspielen können, „das wird kein Spaziergang“.

Eintracht Frankfurt gegen Arminia Bielefeld: Adi Hütter will das Spiel bestimmen

Dennoch solle sein Team „spielbestimmend“ an die Sache herangehen, zeigen, wer Herr im Haus ist, in dem erstmals seit dem Pokalspiel am 4. März gegen Werder Bremen wieder Fans zugegen sein werden, 6500 sind für diesen Samstag (15.30 Uhr, live im TV und Stream) zugelassen. Besser als gar keine.

Hütter hat seinem Ensemble die Vorgabe gemacht, hinten besser zu stehen, also weniger Gegentore zu schlucken als in der Vorsaison. „Wir wollen da ein anderes Bild abgeben.“ Gleichwohl möchte er wieder eine aktivere, agilere Mannschaft aufs Feld schicken, die in etwa den Fußball aus seinem ersten Jahr zelebrieren soll, also mit Vollgas und Druck und Pressing. Dass sich das in der Praxis nicht ohne weiteres so abbilden lassen wird, weiß er nur zu gut. Die Stürmer André Silva und Bas Dost hätten eben nicht die Dynamik eines Ante Rebic oder eines Sebastien Haller, aber durch das vermehrte Training und die automatisierten Abläufe glaube er schon, dass „wir in diese Richtung gehen können“. Die beiden aktuellen Angreifer seien sehr lernwillig. „Sie versuchen es, sie wollen es“, beschreibt es der Trainer, der gleich mal sein Lieblingswort auf Hessisch einbaut: „Wir wollen druffgehen.“ Sehr schön.

Mit der Anzahl seiner Offensivkräfte (drei) ist Hütter grundsätzlich einverstanden, weshalb er zustimmte, Goncalo Paciencia zum FC Schalke 04 auszuleihen, der den Portugiesen übrigens verbindlich kaufen muss, wenn er die Klasse hält. „Alle drei sind schon ähnliche Spielertypen.“ Nur der junge Ragnar Ache, den Hütter auffallend oft lobt, steche da heraus: „Er bringt ein anderes Element rein, hat Geschwindigkeit.“ Und über Silva und Dost müsse er ja nicht mehr viele Worte verlieren: „Sie können Tore machen.“ Für den Trainer bedeutet das: „Ich glaube, dass wir mit drei Spitzen durchkommen.“

Voraussichtliche Aufstellungen

Eintracht Frankfurt: Trapp – Abraham, Hasebe, Hinteregger – Kohr, Rode – da Costa, Kamada, Kostic – Dost, Silva

Arminia Bielefeld: Ortega – Brunner, Pieper, Nilsson, Laursen – Prietl – Consbruch, Hartel – Doan, Cordova – Klos

Der Eintracht fehlen: Ndicka (Syndesmosebandverletzung), Willems (Reha)

Hütter wäre einverstanden, mit der aktuellen Mannschaft durch die Saison zu gehen. Ob das tatsächlich so sein oder nicht doch noch ein Topspieler verkauft wird, ist seriös und bis zum 5. Oktober nicht zu beantworten. Der Coach möchte sich damit nicht beschäftigen, „das kostet zu viel Energie“. Er werde sich erst damit beschäftigen, falls es tatsächlich ein belastbares Angebot für einen Spieler gebe. „Aber es muss Sinn machen. Man muss nicht zu allem Ja und Amen sagen, wir können nicht jeden guten Spieler abgeben.“

Einer, der begehrt ist, ist Filip Kostic. Es wäre von entscheidender Bedeutung, wenn der Modellathlet an Bord bleiben würde. „Filip ist ein Schlüsselspieler, sehr ehrgeizig“, betont Hütter. „Er gibt sich mit Durchschnitt nicht zufrieden.“ Ebenso wenig wie der Trainer, der schon vor Saisonbeginn eine Überschrift für das Saisonende im Kopf hat: „Eintracht ist wieder international dabei. Das wäre eine schöne Headline.“

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