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Ante Rebic jubelt verhalten.

Ante Rebic

Der nicht mehr richtig jubeln mag

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Ante Rebic und seine besonderen Momente.

Die serbisch-kroatische Fraktion war fast unter sich, als sie gemeinsam in den Katakomben des Weserstadions verschwand. Filip Kostic redete mit Luka Jovic, Ante Rebic gab einige Brocken in seiner Heimatsprache dazu. Wirklich glücklich wirkten sie nicht, aber auch nicht sonderlich unzufrieden. Die Interviews für Pressevertreter übernahmen wie üblich andere, etwa der eingewechselte und prima Deutsch sprechende Serbe Mijat Gacinovic.

Kurios, dass jeder Eintracht-Akteur auch eine Frage zum besten Frankfurter Feldspieler beantworten musste: Warum bloß bejubelt Ante Rebic seine Tore, nachdem er sich bekreuzigt hat, so zurückhaltend? Mit einer fast demütig anmutenden Geste, die selbst bei seinen Prachttoren keinen Überschwang duldet – oder was sollte die abwiegelnde Handbewegung bedeuten? Liegt dem Vizeweltmeister womöglich etwas auf dem Magen? „Ich kann mir nicht vorstellen, dass er sauer ist, wenn er ein Tor schießt“, erklärte Marco Russ, der sich nicht die Mühe machen wollte, den Gemütszustand des formstärksten Angreifers zu ergründen.

Und war der Eintracht-Stürmer nicht auch bei seinem tollen Volleyschuss im WM-Gruppenspiel gegen Argentinien – Rebic traf nach einem verunglückten Schlag des Gaucho-Keepers Willy Caballero zum 1:0 – lediglich mit ausgebreiteten Armen zur Eckfahne gelaufen, ohne eine Miene zu verziehen? Also sagt sich jetzt sein Verein: So lange dieser Mann fürs Team arbeitet, ist es egal, wie er seine Tore feiert. Es gab mal eine Zeit, da hat Rebic seine Tore mit dem „Hummer-Jubel“ garniert, in dem er die Scherenbewegung des Krustentieres imitierte.

Trainer Adi Hütter sparte nicht mit Lob: „Er wirkt dynamischer, entschlossener. Zwei Spiele, zwei wunderschöne Tore – er ist sicher in einer besseren Verfassung.“ Wie schon gegen Freiburg hatte der 25-Jährige auch dieses Mal seinen Gegenspieler ausgetanzt, indem er einen angetäuschten Schuss mit rechts abbrach, die Kugel mit der Sohle auf links zog, um den Ball zielgenau ins Netz zu zirkeln. Ein Volltreffer von besonderer Güte, die die Wuchtbrumme so wertvoll macht. Sieben Bundesligatore hat er bis jetzt erzielt, sechs waren es in der Vorsaison, ehe Rebic zum Pokal- und WM-Helden wurde.

Nach der WM war der kroatische Nationalspieler schwer in die Gänge gekommen; kein Wunder nach allem, was auf das Kraftpaket in Russland und der Folgezeit eingeprasselt war. Schon im Florida-Trainingslager hatte sein Sturmpartner Sebastien Haller eine Bereitschaft bei Rebic ausgelotet, in der Rückrunde noch mehr zu leisten. Hütter bestätigte diese Einschätzung: „Er hat mehr Power und Punch – und die Tore geben ihm natürlich auch Selbstvertrauen. Ob er jubelt oder nicht – das fragen Sie ihn bitte selbst.“

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