1. Startseite
  2. Eintracht

Goldige Zeiten für Ansgar Knauff bei Eintracht Frankfurt

Erstellt:

Von: Thomas Kilchenstein

Kommentare

Der Flügelstürmer Ansgar Knauff steigt bei Eintracht Frankfurt mit Verzögerung richtig ein und will sein Fußball-Märchen fortschreiben.

Frankfurt – Auch für einen „Golden Boy“ wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Ansgar Knauff, der Frankfurter Überflieger der letzten Saison, hat das jetzt am eigenen Leib erfahren müssen. Eine schmerzhafte Beckenprellung hatte den jungen Flügelstürmer von Eintracht Frankfurt ausgebremst, eine Verletzung, die er sich in seinem ersten Testspiel gegen den Linzer ASK (0:0) zugezogen hatte und die ihn praktisch das komplette Trainingslager in Windischgarsten gekostet hat. Dort konnte er allenfalls laufend unterwegs sein und ein bisschen Krafttraining machen, die Arbeit am Ball musste ruhen. Ohnehin war der U21-Nationalspieler wegen Sonderurlaubs erst später zur Mannschaft gestoßen,

Seit dieser Woche freilich steht der 20-Jährige wieder voll im Saft, er hat alle Einheiten absolvieren können, schmerzfrei, und sein Eindruck von der offensichtlich verstärkten Mannschaft ist ein positiver. „Das könnte was richtig Gutes werden“, sagte Knauff, der von der italienischen Sportzeitung „Tuttosport“ eine Nominierung zum „Golden Boy“ erhielt, mit dem alljährlich der beste U21-Spieler Europas ausgezeichnet wird. 100 Kandidaten, davon 22 aus der Bundesliga und eben Knauff, dürfen sich Hoffnungen machen. Mit Auszeichnungen kennt sich Ansgar Knauff ja aus, die Uefa hat ihn jüngst zum besten Nachwuchsspieler der Europa League gekürt.

Wechsel zu Eintracht Frankfurt gibt Knauff entscheidenden Schub

Ach ja, die Europa League! Im Urlaub, hat Knauff erzählt, hat er endlich Zeit und Muße gefunden, alles mal sacken zu lassen. Da erst hat er so richtig realisieren können, „was im letzten halben Jahr alles passiert ist“. Und natürlich kann der gebürtige Göttinger, dessen Vater aus Ghana stammt, einen schönen Bogen schlagen von Waldhof Mannheim, dritte Liga mit Borussia Dortmund II, Mitte Januar, bis Glasgow Rangers, Europapokal-Finale mit Eintracht Frankfurt I, Mitte Mai - vier Monate (und 19 Spiele) , in denen der aufgeweckte Kerl ein echtes Fußball-Märchen erleben durfte.

Zwei mit Dortmunder Vergangenheit: Mario Götze (links), neben Shooting-Star Ansgar Knauff.
Zwei mit Dortmunder Vergangenheit: Mario Götze (links), neben Shooting-Star Ansgar Knauff. © IMAGO/Kessler-Sportfotografie

Der Wechsel auf Leihbasis nach Frankfurt für eineinhalb Jahre hat seiner noch jungen Karriere einen entscheidenden Schub gegeben. Der Schritt aus Dortmund hinaus hat ihn in andere Sphären katapultiert - Knauff hat raketenschnell eine Entwicklung genommen, die nur die kühnsten Optimisten erwarten konnten und die auch beim BVB, wo er noch einen Vertrag bis Juni 2024 besitzt, wohlwollend verfolgt wird. Der neue Coach Edin Terzic, einer, der ein Auge auf junge Talente hat, jedenfalls hat mit warmen Worten zum Europapokalgewinn gratuliert. Knauff hat gezeigt, dass er sich international vor niemandem zu verstecken braucht, zwei Tore in entscheidenden Spielen gegen FC Barcelona und West Ham United sprechen für sich. Diese Bewährungsprobe hat er bestanden.

Knauff hat bei Eintracht Frankfurt kaum Konkurrenz

Aber natürlich sieht Knauff seine jüngere Zukunft zunächst in Frankfurt, zumindest die neue Runde wird er im Eintracht-Trikot bestreiten. Was danach kommt, ist offen. Er jedenfalls hat noch einiges vor. Und dürfte, wenn er verletzungsfrei bleibt, als gesetzter Stammspieler in diese aufregende Saison gehen. Als sogenannter Schienenspieler auf dem rechten Flügel hat er momentan wenig interne Konkurrenz, zumindest dann nicht, wenn es bei der in der letzten Saison bevorzugten taktischen Ausrichtung mit einer Flügelzange - links Filip Kostic, rechts Ansgar Knauff - bleibt. Denn Jens Petter Hauge, das Frankfurter Sorgenkind, ist aktuell nicht in der Verfassung, dem jungen Platzhirsch den Platz streitig zu machen. Trainer Oliver Glasner hat den Norweger, der so sehnsüchtig nach seiner Form sucht, zuletzt vermehrt auf dem rechten Flügel eingesetzt, in der Hoffnung, dass er endlich die in ihn bei der Verpflichtung gesetzten Erwartungen erfüllt. Bislang allerdings vermochte Hauge nicht zu überzeugen.

Und selbst andere Offensivkräfte, wie Faride Alidou, Randal Kolo Muani, Jesper Lindström, Rafael Borré, die zuweilen gern mal über die Flügel kommen, haben nicht in erster Linie ihre Stärken als Außenbahnspieler. Ansgar Knauff, dieser Glücksgriff, hat sich flink fest gespielt auf der rechten Seite, er steht vor stürmischen Zeiten, selbst wenn er, wegen des anspruchsvollen Programms mit der Dreifachbelastung, Liga, Pokal, Champions League rotationshalber seine Pausen erhalten wird. Knauff jedenfalls ist bereit. „Jeder hat Bock zu spielen“, sagt er. Ob Golden Boy oder alter Hase. (Thomas Kilchenstein)

Auch interessant

Kommentare