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Wirft Visionen an die Wand: Eintracht-Vorstand Axel Hellmann werkelt am stetigen Aufstieg des Frankfurter Bundesligisten.

Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurt als Lebensgefühl

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Der Frankfurter Bundesligist gibt sich bescheiden, hat aber alle Weichen gestellt, um organisch zu wachsen.

  • Eintracht Frankfurt weiter auf Erfolgskurs
  • Vorstand Hellmann gibt Zahlen bekannt
  • Präsident Fischer: „haben nichts mit dem Abstieg zu tun“

Mitunter hilft ein Blick in Vergangenheit, um die Gegenwart richtig einschätzen zu können. Genau aus diesem Grund hat sich der Eintracht Frankfurt Vorstand Axel Hellmann mal die Umsatz- und Etatzahlen des Bundesligisten vom Main der zurückliegenden Jahre besorgt. Vor fast zwei Dekaden, führte er aus, habe die Eintracht läppische 15 Millionen Euro in ihre Mannschaft gepumpt – und ist abgestiegen. „Der HSV hat damals 146 Millionen umgesetzt, mehr als Borussia Dortmund, er war die dritte Kraft“, berichtet Hellmann.

In der ersten Liga tummelten sich Klubs wie der 1. FC Kaiserslautern, der TSV 1860 München, Hansa Rostock, Energie Cottbus, die Spielvereinigung Unterhaching und der VfL Bochum, der heute immerhin noch in der zweiten Liga daheim ist. Alle anderen sind noch tiefer in der Versenkung verschwunden. Der HSV, die damalige dritte Kraft, ist bekanntlich auch schon im zweiten Jahr im Unterhaus aktiv. Und auch Hannover 96, „vor zehn Jahren noch deutlich vor uns“, ist um Längen zurückgefallen. Der Umsatz der zweitklassigen Niedersachsen beläuft sich auf rund 42 Millionen Euro, die Mannschaft kostet 21 Millionen. Zum Vergleich: Die Eintracht erwartet einen Umsatz von 280 bis 300 Millionen Euro, wird zukünftig an die 80 Millionen Euro in ihr Team stecken. Das sind Welten. Und doch warnt Axel Hellmann. „Hannover ist ein mahnendes Beispiel“, sagt er. „Wenn du viele Fehler machst, geht es in die falsche Richtung.“ Gerade im Erfolg sei man anfällig. „Wenn du dich zu sicher und zu gut fühlst, ist das gefährlich.“

Die Eintracht habe gerade in den letzten Jahren „Lücken geschlossen“, wie der 48-Jährige betont. Aber man habe zuvor halt auch einige Entwicklungen geschlafen, so seien die Rekordtransfers vom vergangenen Sommer ja eine wunderbare Sache. „Aber“, wirft der Marketingvorstand ein, „Gladbach hat das schon viele Jahre vor uns geschafft.“

Eintracht Frankfurt mit einer besonderen Saison

Dennoch: Für Eintracht Frankfurt war die vergangene Saison natürlich eine ganz besondere, die Rekorde purzelten, die Büffel waren in aller Munde, in Europa marschierte die Eintracht um ein Haar bis ins Finale, sie wurde beachtet, geschätzt und gefeiert, nicht nur von Frankfurter Fans, sondern bundesweit. „Wir haben Quotenrekorde erzielt, wir sind eine Werttreiber geworden“, betont Hellmann. „So ein Jahr wie 2019 ist einmalig. Es hat unser Selbstverständnis geändert.“ Die Eintracht habe auch bei den Menschen ein anderes „Lebensgefühl“ geweckt. „Sie fühlen sich dem Verein anders verbunden als vor zehn Jahren.“

Der Klub hat sich auch auf nationalem Parkett besser in Szene gesetzt, „bei der DFL hat unsere Stimme Gewicht“, glaubt Hellmann. Der Mittelstand mit Eintracht Frankfurt in vorderster Linie habe auch bei der Besetzung des DFL-Präsidiums Ende August 2019 eigene Interessen durchsetzen können. „Das hat manchen Großen nicht gefallen, das mussten aber auch die Lokomotiven zur Kenntnis nehmen.“

Der Jurist ist klug genug zu wissen, dass sich Erfolge wie im vergangenen Jahr nicht beliebig wiederholen lassen. „Wir werden nicht immer durch Europa stürmen können“, sagt er. Und der Klub sei auch insgesamt noch nicht so weit, um dauerhaft ins internationale Geschäft einzuziehen. „Aber wir entwickeln uns.“

Allerlei Großprojekte sind aufs Gleis gesetzt, die Internationalisierung vorangetrieben und wichtige strategische Entscheidungen getroffen worden. Im Hintergrund ist alles dafür getan, um organisch zu wachsen. Der Abstand zu den absoluten Spitzenvereinen ist zwar kleiner geworden, aber immer noch groß genug. „Wir sind kein Topklub“, mahnt Hellmann.

Deshalb tritt auch Daueroptimist Peter Fischer auf die Bremse. „Wir sollten das alles genießen, aber nicht denken, das geht jetzt immer so weiter und als nächstes kommt die Champions League.“ Man müsse sich den „Realitäten der Bundesliga“ stellen, findet der Vereinspräsident. „Wir wissen, wo wir herkommen und was wir erreicht haben, deshalb bleiben wir mit beiden Beinen auf dem Boden, wir werden niemals die Demut verlieren.“

Eintracht Frankfurt: „Keine Phantasten“

Auch der Vorstand und die Sportliche Leitung seien so gestrickt: „Ich kenne die Ambitionen, aber da sitzen keine Phantasten oder Idioten. Da sind die richtigen Menschen am richtigen Fleck.“

Durch die zwei Siege zum Wiederbeginn ist auch die Angst vor einem Absturz so ziemlich verflogen, „mit dem Abstieg werden wir nichts zu tun haben“, bemerkt Präses Fischer. Mit einem Platz im Mittelfeld wären die Verantwortlichen zufrieden. „Es ist wichtig, in der Spur und in ruhigem Fahrwasser zu bleiben“, sagt Axel Hellmann. „Wenn wir eine sichere Saison spielen mit dem einen oder anderen Glanzlicht, dann haben wir eine Menge erreicht.“ Denn der „Bruch im Kader“ mit dem Abgang der drei Topstürmer sei gewaltig gewesen. „Aber wenn es uns gelingt, das Kampf- und Einstellungslevel zu halten, bin ich guter Dinge.“

Diese Tugenden seien jetzt, im neuen Jahr, wieder sehr viel ausgeprägter gewesen als in den letzten Monaten vor der Winterpause. Für das Vorstandsmitglied ist dieser Abfall zum Jahresende aber völlig normal gewesen. 2019 sei eine Zeit der Extreme, die Beanspruchung für Körper und Geist enorm hoch gewesen. Selbst die Mitarbeiter auf der Geschäftstelle und auch die Fans seien auf dem Zahnfleisch gegangen. „Wir waren ja alle nur mit dem Reisekoffer unterwegs.“ Rund um Weihnachten sei jeder froh gewesen, mal zwei Wochen nichts von Eintracht Frankfurt zu hören. Deshalb habe er, Hellmann, „ein gesundes Verständnis“ dafür, dass die Hochleistungssportler, bei denen es auf diesem Niveau auf jeden Prozentpunkt ankomme, „nach einem Jahr und fast 60 Spielen“ am Ende nicht mehr an ihr Limit gekommen sind. „Was insgesamt alle geleistet haben, kann man gar nicht hoch genug anrechnen.“

Jetzt spüre man wieder den alten Geist in der Truppe. „Die Jungs sind wieder mit den Messern zwischen den Zähnen unterwegs“, bekundet Peter Fischer. Auch Hellmann ist der Ansicht, dass die Pause gut war, um die leeren Tanks wieder aufzufüllen. Er sei der Überzeugung, dass die Talfahrt vor Weihnachten „eher die Ausnahme und nicht die Regel“ gewesen sei. Das habe er beim 2:0-Erfolg über Spitzenreiter RB Leipzig gesehen. „Da war wieder der Wille, die Mentalität und die Härte da, um solch ein Team in die Schranken zu weisen.“

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