1. Startseite
  2. Eintracht

Eintracht Frankfurt: Alles auf Anfang

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Thomas Kilchenstein

Kommentare

Geht gerne in Details:Trainer Oliver Glasner erläutert die Trainingseinheit.
Geht gerne in Details: Trainer Oliver Glasner erläutert die Trainingseinheit. © Jan Huebner

Viel Training nützt viel? Eintracht Frankfurt tritt trotz deutlich mehr Übungseinheiten auf der Stelle.

Frankfurt – Es ist nicht ganz sicher, ob Oliver Glasner den Super Bowl in der Nacht zum Montag am heimischen Fernsehen so richtig genießen konnte. Er wollte ihn sich trotz der sehr späten Stunde anschauen, mit einer Tüte Chips, anderntags habe die Mannschaft ja trainingsfrei, er könne also ausschlafen, hatte er vorher angekündigt. Aber womöglich hat ihm das 0:2 vom Samstagnachmittag gegen den VfL Wolfsburg die Laune verhagelt, vielleicht nicht, auch Bundesligatrainer müssen ja mal abschalten.

Ohnehin kommt auf den Coach der Frankfurter Eintracht in der nächsten Zeit eine Menge Arbeit zu. Arbeit, die auf dem Trainingsplatz zu verrichten ist, von Haus aus Kernkompetenz der Fußballlehrer, aber in Frankfurt hat man sehr auf die beflügelnde Wirkung intensiven Trainings gehofft, da würden die Weichen gestellt für eine rosige Zukunft. Man hat ja noch die Worte von Oliver Glasner im Ohr, im November des vergangenen Jahres, als Eintracht Frankfurt rastlos von Spiel zu Spiel eilte, oft alle drei Tage.

Eintracht Frankfurt: Ernüchterung kehrt ein

Er freue sich auf die Zeit im neuen Jahr - ohne die vielen Englischen Wochen, die einen geregelten Trainingsbetrieb nur schwer ermöglichen. Bis Mitte März habe man dann beste Gelegenheit, an den Schwachstellen zu arbeiten, Dinge zu verbessern, Laufwege und Automatismen einzustudieren, das Team insgesamt auf ein höheres Level zu heben, wenn es denn alle taktischen Inputs und Schachzüge des Trainers erst verinnerlicht habe.

Dann hatten sich die Hessen trotz weniger Trainingseinheiten spielerisch deutlich weiter entwickelt und zum Ende der Rückrunde erstaunlich viele Spiele gewonnen, wenn auch ziemlich viele erst in den letzten Sekunden (was jetzt auch nicht mehr vorkommt): Von zehn Pflichtspielen hatten sie sieben gewonnen und nur eines verloren, sie hatten die Qualifikation für das Achtelfinale in der Europa League als Gruppenerster geschafft, rangierten in Schlagweite zur Champions League - und das alles trotz erheblicher Belastungen durch den eng getakteten Spielplan und ohne intensives Trainingsprogramm. Wie würde Eintracht Frankfurt nur spielen, wenn Dinge in der täglichen Arbeit auf dem Übungsplatz in Ruhe und Akribie verfeinert würden?

Nun, fünf Spieltage und sechs Wochen Training ohne Englische Wochen später ist allenthalben Ernüchterung eingekehrt bei den Hessen. Vier dünne Punkte haben sie bei drei Heimspielen und Gegnern wie Augsburg, Bielefeld und Wolfsburg, aktuell nicht gerade die creme de la creme der Branche, eingefahren, dazu zehn Gegentore kassiert. Das ist keine gute Bilanz, Eintracht Frankfurt rangiert zudem auf Platz 15 der Rückrundentabelle, lediglich Augsburg, Hertha und der VfB Stuttgart sind schlechter. Dazu erlitten die Hessen ihre dritte Heimniederlage in Folge, ohnehin ist die Heimbilanz schlecht, ebenfalls Platz 15 (bei drei Siegen und vier Remis), nur die Abstiegskandidaten Greuther Fürth, Stuttgart und Bielefeld sind noch schwächer. Das sind Zahlen, die die Aufmerksamkeit schärfen sollten. Die Frankfurter sind drauf und dran, ihre gute Ausgangslage im Hinblick auf eine Teilnahme an der Europa League zu verspielen.

Eintracht Frankfurt: Vieles hängt von Filip Kostic ab

Aber warum nur? Wo ist das erarbeitete spielerische Element geblieben? Warum hatte die Mannschaft jenen Schwung und Elan vom Ende der Hinrunde, als sie drei Siege binnen einer Woche einfuhr, nicht herüber retten können in die Rückrunde? Warum zeigen „superintensive Trainingseinheiten mit Punch und Zug“, wie Glasner die letzte Woche umschrieb, im Spiel so wenig Wirkung?

Vieles bei Eintracht Frankfurt hängt davon ab, dass das offensive Quartett Daichi Kamada, Filip Kostic, Jesper Lindström, Rafael Borré funktioniert. Diese Vier sind für die kreativen Momente im Frankfurter Spiel zuständig, zuweilen von Djibril Sow und Makoto Hasebe unterstützt, sie entwickeln die Ideen, kreieren Torchancen. Sind sie aus dem Spiel oder, wie am Samstag, teilweise gar nicht auf dem Platz, wird es schwergängig.

Denn, wie vielen Teams in der Liga, gelingt es Eintracht Frankfurt nur mühsam, dicht- und tiefgestaffelte Mannschaften auszuspielen und überhaupt zum Abschluss zu kommen. Ein frühes Tor täte da meist gut, es gäbe Sicherheit, zudem müsste dann der Gegner kommen. Fällt es nicht, wird es für die Hessen von Minute zu Minute komplizierter. Und weil sie viel zu häufig auch defensiv nicht stabil stehen, kassieren sie Gegentore - was die Problematik eines strukturierten Spielaufbaus weiter vergrößert. Noch immer stimmt die Balance zwischen Offensive und Defensive nicht. Noch immer ist die Abhängigkeit von Filip Kostic enorm, noch immer lahmt der rechte Flügel - sollte nicht Ansgar Knauff, der gegen Wolfsburg zumindest Ansätze zeigte, eine Chance erhalten?

Eintracht Frankfurt: Europapokal nicht aus den Augen verloren

Immerhin tun sich die Frankfurter in der Fremde leichter, da müssen sie das Spiel nicht gestalten: In der Auswärtstabelle steht man auf Platz vier (18 Zähler), hinter Dortmund, Leverkusen und Bayern. Am kommenden Samstag (18.30 Uhr) geht es zum 1. FC Köln.

Trotz des Fehlstarts in 2022, der an jenen aus der Hinrunde erinnert, will Sportvorstand Markus Krösche das internationale Geschäft nicht aus den Augen verlieren. „Unsere Ambitionen verändern wir nicht.“ Und Gelegenheit für einen Endspurt, wie in der Hinrunde, bleibt ja noch. Vier Punkte wies Eintracht Frankfurt auch zu Beginn der Runde nach fünf Spieltagen auf - und 27 am Ende.

Auch interessant

Kommentare