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Lame duck: Adi Hütter
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Lame duck: Adi Hütter

SGE

Eintracht-Trainer Hütter wehrt sich gegen Kritiker: „Ich bin kein Lügner“

  • Daniel Schmitt
    VonDaniel Schmitt
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Eintracht-Trainer Adi Hütter rechtfertigt seinen Wechsel nach Gladbach halbgar: „Entscheidung muss nur ich verstehen“.

Die Essenz der halbstündigen Pressekonferenz mit Adi Hütter lässt sich – ironisch angehaucht – auch wie folgt zusammenfassen: Ich bleibe... dabei, dass ich im Sommer nach Mönchengladbach wechsele.

Frei von Schalk, der wäre am Donnerstagmittag angesichts der turbulenten Entwicklung um den Trainer auch wirklich nicht angebracht gewesen, versuchte der Noch-Fußballlehrer des Bundesligisten Eintracht Frankfurt den 20 virtuell zugeschalteten Medienvertretern:innen natürlich ernsthaft die Beweggründe für seinen Sommerwechsel an den Niederrhein zu erklären - es gelang ihm, nun ja, eher durchwachsen.

Für viele Außenstehende sei der Wechsel nicht verständlich, gestand der 51-Jährige selbst, vom Ligavierten zum -achten zu wechseln, ist rein tabellarisch nun mal ein Rückschritt. Da gibt es keine zwei Auffassungen. Jeder dürfe sich also seine eigene Meinung bilden, so Hütter, er könne auch jegliche Enttäuschung der Fans verstehen. Aber letztlich habe er das Recht, sich über seine eigene Zukunft Gedanken zu machen. „Die Entscheidung muss nur ich verstehen.“ Selbstverständlich.

Eintracht Frankfurt: Hütter kassiert viel Geld in Gladbach

Adi Hütter, der in Gladbach einen Dreijahresvertrag - bemerkenswerterweise ohne Ausstiegsklausel - unterschrieb mit einem Gesamtgehaltsvolumen von etwa 15 Millionen Euro, hätte freilich noch anführen können, dass er mit der Eintracht so ziemlich das Maximum von dem erreicht hat, was möglich ist, wenn es denn tatsächlich am Saisonende für die erstmalige Qualifikation zur Champions League reichen sollte. Er hätte auch sagen können, dass es – Königsklasse hin, Königsklasse her – in der kommenden Runde eigentlich nur schlechter laufen könne für die Eintracht und er den Klub vom Main deshalb lieber auf dem Höhepunkt verlassen wollte. Und dass ihm im Gegenzug die etwas schwächelnde Gladbacher Borussia, der kommende Eintracht-Gegner am Samstag (15.30 Uhr) noch Raum für Steigerungen lässt. All das hätte er durchaus berechtigt sagen können. Tat er aber nicht.

Stattdessen führte der Coach an, dass seit seinem Ich-bleibe-Bekenntnis am 28. Februar viel passiert sei bei der Eintracht. „Eines möchte ich klarstellen, weil ich ein ehrlicher Mensch bin“, begann Hütter: „Zu diesem Zeitpunkt hat es nie einen Ansatz dafür gegeben, eine neue Herausforderung zu suchen. Dazwischen ist viel passiert, es hat sich einiges verändert.“

Eintracht Frankfurt: Bobic-Abschied als Wechselgrund

In der Tat: Es sind natürlich ereignisreiche Wochen rund um den Klub aus dem Hessischen. Sportdirektor weg, Sportvorstand weg, nun Trainer weg. „Die handelnden Personen, die mich geholt haben und mit denen ich ein Vertrauensverhältnis aufgebaut habe, sind nicht mehr da“, schilderte der Österreicher und meinte vor allem den früheren Aufsichtsratschef Wolfgang Steubing und Sportvorstand Fredi Bobic. Deren Ausscheiden soll Hütter auch intern als einen Grund für seinen Wechsel angeführt haben. Dass Steubing bereits vor der Hütter’schen Vertragsverlängerung im vergangenen Sommer seinen Posten an Philip Holzer weitergegeben hatte, nun ja, sei es drum. Ohnehin habe er stets innerhalb des Vereins alles kommuniziert, „alle haben immer Bescheid gewusst“. Kurzum: „Ich bin kein Lügner.“

Dass der Trainer, wie von ihm angeführt, bei seinem Statement am 28. Februar jedoch noch nichts von Bobics Abwanderungsgedanken gewusst haben will und sich auch dadurch die Situation geändert habe, passt nicht so ganz in die Kausalkette. Schließlich hatte der Vorstand bereits zweieinhalb Wochen vorher den Aufsichtsrat über sein Ansinnen informiert, den Klub bald verlassen zu wollen. Dass dies nicht bis zum leitenden Angestellten für Fußballbelange durchgedrungen sein soll: eher unwahrscheinlich. Erste ernsthafte Gespräche über eine mögliche, gemeinsame Zusammenarbeit führten der Gladbacher Sportchef Max Eberl und Hütter derweil während der Bundesligapause im März, in Hütters Heimat Salzburg.

Eintracht Frankfurt gegen Gladbach am Samstag

Ausgerechnet in der Woche vor dem direkten Duell der beiden in diesen Deal involvierten Teams kam die Nachricht nun also raus. Für Hütter „vielleicht nicht der ideale Zeitpunkt“, aber man könne trotzdem froh sein, „dass jetzt Klarheit geschaffen wurde.“ Ob das alle bei Eintracht Frankfurt so sehen?

Während Hütter dem Vorstand seinen endgültigen Entschluss am Montag mitteilte, waren die Spieler am Dienstagvormittag dran. Zu diesem Zeitpunkt hatten sie den nahenden Abschied ihres Coaches längst in den Medien nachlesen können. Die Stimmung sei an diesem Tag „vielleicht nicht so wie sonst gewesen“, meinte Hütter, also schlechter, seit Mittwoch aber habe die Truppe dann eine „gute Trainingswoche“ hingelegt, „voll konzentriert, voll fokussiert“. Die Champions League, das große Ziel, wollen sie sich natürlich nicht nehmen lassen.

Eintracht Frankfurt: Hütter schließt Spielerwechsel nach Gladbach nicht aus

Ob er ausschließen könne, einzelne Profis vom Main an den Niederrhein mitzunehmen, wurde Hütter noch gefragt. Selbiges hatte der Gladbacher Noch-Trainer Marco Rose, bald in Dortmund, versprochen. Hütters wachsweiche Replik: „Ich beschäftigte mich jetzt nur mit Eintracht Frankfurt, erst ab Sommer mit Borussia Mönchengladbach. Ich habe mir keine Sekunde Gedanken über die Spieler gemacht. Ich kann es nicht versprechen, ich weiß ja nicht, was passiert und wie der eine oder andere Spieler denkt.“ Kurzum: Ausschließen kann er einen Spielerwechsel von Frankfurt nach Gladbach also nicht.

Max Eberl stimmte fast zeitgleich übrigens ein Loblied auf den Frankfurter Abwehrchef Martin Hinteregger an, der einst für eine halbe Saison von Salzburg an Gladbach ausgeliehen war: „Wir haben immer noch ein offenes, gutes Verhältnis zueinander. Martin zählt zu den besten Innenverteidigern Deutschlands, er ist ein unfassbares Mentalitätsmonster.“

Eintracht Frankfurt: Younes und Rode angeschlagen

Hinteregger war auf der Gladbacher Pressekonferenz auch deshalb ein Thema, weil er seine Oberschenkelblessur auskuriert hat, die Trainingswoche schmerzfrei absolvierte und am Samstag vor der Rückkehr steht. Ob er auch spielen kann? Darüber will Hütter noch mit Hinti sprechen. Ist der Abwehrchef körperlich tatsächlich auf der Höhe, wird er natürlich spielen, dann müsste wohl der gerade in Topform verteidigende Stefan Ilsanker weichen, oder aber der gerade in Topform verteidigende Tuta. Man sieht: ein Luxusproblem. Im Frankfurter Mittelfeld dagegen kündigt sich eine Veränderung an. Sebastian Rode ist leicht angeschlagen, ihn könnte Makoto Hasebe ersetzen. Zudem ist der Einsatz von Dribbler Amin Younes (Adduktorenprobleme) fraglich. Lieber kein Risiko, so Hütters Credo, der es sehr wahrscheinlich erneut mit der Doppelspitze André Silva und Luka Jovic probieren wird.

Ganz allgemein sagte Adi Hütter noch: „Ich will mit der Eintracht in dieser Saison unbedingt Historisches schaffen. Dann könnte ich Frankfurt beruhigt verlassen. Wir wollen alle Geschichte schreiben - und hätten es uns auch verdient.“ Eine Aussage, die man dem Trainer zweifelsohne glauben kann.

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