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Hoffnungsträger: Eintracht-Angreifer André Silva (Zweiter von links) erzielte Gladbach seinen sechsten Treffer in diesem Kalenderjahr.

Offensive

Eintracht Frankfurt: Adi Hütter sucht das Rezept gegen Einfallslosigkeit

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Seit Saisonbeginn werkelt Adi Hütter an der Offensive für die Eintracht, doch noch immer hat sie der Frankfurter Fußballlehrer nicht gefunden.

  • Eintracht Frankfurt hat den Abgang von Jovic, Haller und Rebic noch immer nicht kompensiert
  • Trainer Adi Hütter wirkt ratlos
  • Am Samstag spielt Eintracht Frankfurt gegen Bayern München 

Als am 1. September des vergangenen Jahres die beiden letzten Transfers bei Eintracht Frankfurt eingetütet waren, der Tauschhandel der Stürmer Ante Rebic und André Silva, stellte sich die Frage, ob das denn wirklich reichen würde in der Abteilung Attacke beim hessischen Bundesligisten. Na klar, das gefürchtete Angriffstrio Sebastien Haller, Luka Jovic und Ante Rebic würde man sowieso nicht vollwertig ersetzen können, das war den allermeisten Menschen im Umfeld und inneren Zirkel des Klubs längst bewusst. Aber zumindest einigermaßen gewappnet für die Aufgaben fühlte man sich schon. Der bewegliche und technisch starke Silva an der Seite des erfahrenen Brechers Bas Dost, dazu Ersatzmann Goncalo Paciencia. Es brauchte nur wenig wohlwollende Fantasie, um sich folgende Kombination auszumalen: Ein auf Dost einfliegender Ball, der vom Zielspieler rasch an Knipserkollege Silva weitergeleitet wird. In der Theorie jedenfalls.

In der Praxis kickten die beiden Neuerwerbungen bisher lediglich 372 Pflichtspielminuten zusammen, nur zweimal bot sie Trainer Adi Hütter gemeinsam von Beginn an auf – daheim in der Europa League gegen den FC Arsenal (0:3) und auswärts in der Liga bei Union Berlin, wo ihnen prompt jeweils ein Treffer zum 2:1-Sieg gelang. Ansonsten aber meldeten sich die Torjäger entweder im Wechsel verletzt ab, oder Hütter vertraute der Kombination nicht.

Eintracht Frankfurt: Silva gehört auf den Rasen

Zurzeit, da die Offensive von Eintracht Frankfurt zum wiederholten Male in dieser Saison erlahmt ist, ihr in den vergangenen vier Ligapartien lediglich zwei Trefferchen gelangen, spricht einiges dafür, es mit Dost und Silva gemeinsam zu versuchen. Doch warum zögert Hütter? Zum einen wohl deshalb, weil Ersatzstürmer Paciencia wegen einer Muskelverletzung in den kommenden Wochen fehlen wird und Ersatz-Ersatz-Stürmer Dejan Joveljic im Winter ausgeliehen wurde, Hütter damit also nur zwei echte Angreifer zur Verfügung hat. Diese möchte er ungern beide vom Start weg in ein Spiel schicken. Zum anderen, weil er offenbar die ganze Saison mit sich hadert, ob die Doppelvariante überhaupt gewinnbringend ist.

Ein Blick in die Statistik: In der Liga bot der Coach von Beginn an bisher 13 Mal eine zentrale Spitze auf sowie 15 Mal deren zwei. Erweitert um den DFB-Pokal und die Europa-League-Hauptrunde ergeben sich weiterhin recht ausgeglichene Werte von 20 Spielen (eine Spitze) zu 18 (zwei Spitzen). Diese Zahlen lassen sich – positiv bewertet – sicher als taktische Variabilität interpretieren, im Gegenzug – negativ bewertet – aber auch als dauerhaft suchend. Trainer Adi Hütter hat es in einem knappen Dreivierteljahr jedenfalls nicht geschafft, seiner Mannschaft eine Offensivlösung einzuverleiben. Der (Miss-)Erfolg beider Varianten unterscheidet sich dabei nur marginal. 1,45 Punkte pro Partie holte die Eintracht mit nur einem Mittelstürmer, 1,33 mit zweien.

SGE: Adi Hütter mit der eigenen Sicht auf die Dinge

Seit Januar, seit dem im USA-Trainingslager eingeübten Taktikwechsel – Stichwort Viererabwehrkette – verzichtet Hütter vollends auf seine Zweifachattacke. Das muss einerseits nicht falsch sein, wie die angeführten Statistiken und die Anfang des Jahres geholten Siege belegen. Andererseits aber auch nicht richtig, wie die zurückliegenden Spiele deutlich aufzeigten. Die Eintracht verlor nicht nur ihre defensive Stabilität, die sie anfangs der Rückserie noch hatte, sie präsentierte zuletzt offensiv eine auffallende Einfallslosigkeit. „Ich habe in der Offensive bis auf den letzten Pass gute Aktionen gesehen“, widersprach Hütter nach der Post-Corona-Auftaktniederlage gegen Mönchengladbach dieser Kritik zwar. Welche diese gewesen sein sollen, erschloss sich aber nicht allen Beobachtern.

In der ersten Hälfte flogen fast ausschließlich weite Bälle aus der eigenen Hälfte oder Flanken aus dem Halbfeld in Richtung von Dost, die der angreifende Alleinunterhalter gegen die Überzahl an Gladbacher Verteidigern kaum verteidigen konnte. Erst als Hütter seine Fehlbesetzung des Angriffs korrigierte und sich André Silva in Hälfte zwei an die Seite des Niederländers gesellen durfte, wurden die Frankfurter vorne präsenter.

Eintracht-Stürmer André Silva mit gutem Jahr 2020

Überhaupt: André Silva, immerhin portugiesischer Nationalspieler, gehört derzeit zwingend auf den Rasen, ob nun als Soloangreifer oder Part einer Doppelspitze. Der 24-Jährige erlebte zwar zweifelsohne eine mäßige, von Verletzungen und Formlosigkeit geprägte Hinrunde, nachdem er im Februar aber wieder seine Chancen erhielt, wusste er sie zu nutzen. Sechs Tore und drei Vorlagen bei elf Einsätzen in diesem Jahr sprechen für sich. Silva war gegen Gladbach nicht nur wegen seines Tores einer der wenigen Profis, die an ihre Optimalform herankamen. Hütter wird also nicht ernsthaft umhin kommen, den Techniker am Samstag (18.30 Uhr) beim FC Bayern im Sturmzentrum aufzubieten. Bleibt die Frage: An der Seite von Bas Dost oder alleine?

Im Hinspiel jedenfalls wagte Adi Hütter eine Doppelspitze gegen die Münchner. Bekanntlich gewann die Eintracht mit 5:1. Aber das nur nebenbei.

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