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Österreicher unter sich: Für den Wolfsburger Trainer Oliver Glasner (rechts) läuft es aber deutlich besser als für Adi Hütter.
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Österreicher unter sich: Für den Wolfsburger Trainer Oliver Glasner (rechts) läuft es aber deutlich besser als für Adi Hütter.

Eintracht Frankfurt

Adi Hütter ohne Mut: Eintracht Frankfurt nicht nur im Stimmungstief

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Die abwartende Haltung von Eintracht Frankfurt in Wolfsburg und das Versinken im Mittelfeld werfen Fragen auf: Wo ist Adi Hütters Mut geblieben, wieso spielt Stefan Ilsanker (fast) immer?

Frankfurt - In diesen Tagen voller Grautöne ist auch Eintracht Frankfurt stimmungstechnisch in der Ödnis angekommen. Die Mannschaft wartet seit dem 3. Oktober auf einen dreifachen Punktgewinn und parkt mitten im Nirgendwo; der Vorstand musste sich wegen eines Corona-Falls in Quarantäne begeben, und die der Eintracht zugeneigten Menschen hadern mit ihrem Verein des Herzens: In den Sozialen Netzwerken, Blogs und Foren wächst der Unmut, viele arbeiten sich auch recht unverblümt an dem plötzlich so zaudernd erscheinenden Trainer Adi Hütter ab. „Die Volksseele kocht“, schrieb einer der FR. So weit ist es zum Glück noch nicht.

Die Unzufriedenheit jedoch wächst, auch intern, nach der gleichsam unnötigen wie berechtigten 1:2-Niederlage am Freitagabend beim VfL Wolfsburg stand dem ansonsten eher besonnenen Mittelfeldantreiber Djibril Sow die Entgeisterung ins Gesicht geschrieben: „Das ist sehr, sehr enttäuschend. Das ist sehr, sehr bitter“, sagte er sehr, sehr konsterniert. „Das Gefühl ist scheiße.“ Sein Chef flankierte: „Ich bin verärgert, sauer und angefressen“, grollte Hütter.

Eintracht Frankfurt: Weit weg von Europa

Klar ist, dass die derzeit gezeigten Leistungen und Ergebnisse in keinem Verhältnis zu dem stehen, was sich die Verantwortlichen, das Trainerteam und die Mannschaft vor der Saison vorgenommen hatten. Die Hessen peilten die internationalen Startplätze an. Davon fabulierten die Spieler unentwegt, auch dann noch, als es schon nicht mehr so rund lief, aber auch der Cheftrainer blies in dieses Horn. Noch vor der Partie gegen RB Leipzig stellte er klar: „Wir müssen an unserem Ziel arbeiten, vorne dranzubleiben. Wir wollen den Anschluss an die Europa-League-Plätze herstellen.“

Das ist nicht so gut gelungen, weshalb er nun, gut drei Wochen später, gefragt wurde, ob er sich Sorgen mache, dass die Eintracht nach hinten durchgereicht werde. „Sorgen habe ich in dem Sinne nicht, weil ich sehe, was die Mannschaft unter der Woche macht“, entgegnete er. „Ich kann mich nicht erinnern, in welchem Spiel wir komplett unterlegen waren.“ Um ins erste Drittel des Klassements zu kommen, genügt es aber nicht, mithalten zu können und ebenbürtig zu sein.

So entsteht eine Sieglos-Serie von acht Spielen – das ist die längste Periode ohne Dreier, seit Adi Hütter das Zepter in Frankfurt übernommen hat. Selbst vor einem Jahr, als die Eintracht in eine tiefe Krise geschlittert war, waren es nur sieben sieglose Partien (davon allerdings sechs Niederlagen, jetzt nur zwei).

Auftritt von Eintracht Frankfurt gegen VfL Wolfsburg wirft Fragen auf

Der Auftritt in Wolfsburg wirft neben der Mittelmaß-Erkenntnis noch andere, drängende Fragen auf: Weshalb etwa der Fußballlehrer in der Autostadt eine derart vorsichtige Aufstellung wählte und acht eher defensiv orientierte Akteure aufs Feld schickte, drei davon im zentralen Mittelfeld. Das ist zum einen kein gutes Zeichen an die eigene und die gegnerische Mannschaft, ein weithin sichtbares Sieg-Signal ist es nicht.

Es ist zum anderen in der jüngeren Historie nur allzu selten gut gegangen, wenn das Frankfurter Team eher auf Absicherung und Vorsicht eingestellt war. Der Effekt war fast immer ein gegenteiliger: Statt den Gegner mit einer Verhinderungstaktik aggressiv zu begegnen, mündete diese Herangehensweise oft in zu viel Passivität und Zurückweichen. Exemplarisch stehen die Gastspiele in Leverkusen, als es erst eine 1:6- und dann eine 0:4-Klatsche setzte.

Die Eintracht bringt nur dann ihre Stärken aufs Feld, wenn sie aktiv ist, den Gegner stört und unter Druck setzt, bissig auf die zweiten Bälle geht. So wie in der ersten Halbzeit gegen Borussia Dortmund, als sie den BVB hartnäckig und leidenschaftlich bearbeitete. Da hatte sich Hütter freilich für eine offensivere Variante entschieden, mit Aymen Barkok eine zusätzliche Offensivkraft aufgeboten. In Wolfsburg baute er stattdessen wieder Stefan Ilsanker als Zerstörer vor der Abwehr ein.

Adi Hütter baut bei Eintracht Frankfurt weiter auf Ilsanker

Am Österreicher scheiden sich ohnehin die Geister, die breite Öffentlichkeit steht dem 31-Jährigen kritisch gegenüber, erkennt nicht den Wert des Spielers – ganz im Gegensatz zu Coach Hütter, der den früheren Leipziger auffällig oft lobend erwähnt oder ihn vehement verteidigt. Da korrespondiert die Binnensicht nicht mit der Draufsicht von außen.

Fakt ist, dass Ilsanker spielerische Defizite aufweist, seine Passquote in Wolfsburg lag bei lauen 58 Prozent, zudem ist er nicht der Schnellste, kommt in den direkten Duellen oft zu spät. In Wolfsburg hatte er eine Zweikampfbilanz von 38 Prozent gewonnener Duelle – das ist für diese Position zu wenig.

llsanker kann auch anders, bei Hertha BSC machte er ein ordentliches Spiel, gegen Ex-Klub RB Leipzig sein bestes im Eintracht-Dress, da ging er aber auch anders, aggressiver zu Werke, war viel präsenter. Auffällig auch: In der guten Eintracht-Phase gegen Ende der vergangenen Saison, als es 14 Punkte aus sieben Begegnungen regnete, stand Ilsanker viermal in der Anfangself – davon aber dreimal als Innenverteidiger. Vielleicht die bessere Position für ihn.

Der Abräumer ist so ein bisschen zum Zankapfel und Streitfall geworden, auch intern können einige die Nibelungentreue nicht nachvollziehen. Und da drängt sich die Frage auf, weshalb andere gar nicht mehr zum Zug kommen, Danny da Costa etwa oder mittlerweile auch Makoto Hasebe, der zwar 36 Jahre alt ist, mit seiner Spielintelligenz aber eine Bereicherung wäre – auch im defensiven Mittelfeld.

In Wolfsburg fiel auch auf, dass personelle Impulse von außen erst ganz spät kamen, da wechselte der Trainer in der 85. Minuten doppelt und dann in der 90. Minute noch mal. Wer soll da noch was bewirken?

Eintracht-Manager Hübner: „Müssen gewinnen“

Ein Trugschluss war bisher die Annahme, dass sich das Team aufgrund des regelmäßigeren Trainings verbessert und sich Automatismen einschleifen. Nach vorne hängt das Spiel nach wie vor an individuellen Könnern, hinten bekommt die Eintracht den Laden nicht dicht. In den letzten 24 Bundesligaspielen behielt Kevin Trapp nur einmal eine weiße Weste. Die generelle Entwicklung, die phasenweise in die richtige Richtung zu gehen schien (nach dem Re-Start), stagniert momentan, sie ist leicht rückläufig. Zeit, dass sich was dreht.

Das Gute für Eintracht Frankfurt ist: Bereits am Dienstag (18.30 Uhr) geht es weiter gegen Mönchengladbach. „Das Spiel“, sagt Manager Bruno Hübner entschlossen, „müssen wir gewinnen.“ Ein bisschen Wagemut auf dem Feld könnte dabei helfen.

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