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EIntracht-Trainer Adi Hütter.

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Eintracht: Adi Hütter stellt sich kritischen Fragen der Fans

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Adi Hütter nimmt sich Zeit, als Zugmaschine des neuen Pilotprojekts namens Eintracht-TV-Meinungsbild mitzumachen - ein ungewöhnlicher Vorgang.

Frankfurt - Adi Hütter ist gewiss kein Freund der sogenannten Sozialen Netzwerke, die manch einer, nur mal am Rande, eher als ganz schön unsozial ansieht. Instagram, Twitter, Facebook – das ist so gar nicht die Welt des Eintracht-Trainers, dafür ist ihm die Zeit zu kostbar, und natürlich sollte sich ein Coach auf diesem Niveau auch nicht mit der Meinung der Millionen Bundesligatrainer auseinandersetzen. Er muss sich freimachen von Einflüssen und Einflüsterern, freilich ohne mit Scheuklappen durchs Leben zu waten. Das macht er nicht, er ist ein Trainer, der zuhört, der andere Meinungen gelten lässt, zumindest dann, wenn er Vertrauen in die Fachkompetenz seiner Gesprächspartner hat. Das sind in erster Linie Fußballgelehrte jeglicher Coleur.

Eintracht Frankfurt: Pilotprojekt namens Eintracht-TV-Meinungsbild

Und so ist es umso ungewöhnlicher, dass der 50-Jährige sich nun Zeit nahm, um als Zugmaschine des neuen Pilotprojekt namens Eintracht-TV-Meinungsbild mitzumachen. Kurzbeschreibung der Video-Kampagne: Der Trainer nimmt Stellung zu Fragen oder Vorhaltungen aus den Sozialen Medien. Ein erstaunlicher Vorgang. Vielleicht hat der Österreicher aber auch einfach das Bedürfnis, sich zu rechtfertigen und ein paar Dinge klarzustellen, aus seiner ganz persönlichen Sicht.

Adi Hütter, der Medienprofi, begrüßt also erst einmal die „lieben Eintracht-Fans“ und kündigt an, „gewisse Themen durchzusprechen“. Die Sache mit den Aufstellungen etwa, die kaum voneinander abweichen. „Ich verstehe“, hebt der Fußballlehrer an, „dass sich manch einer andere Aufstellungen wünscht“, aber man müsse eben berücksichtigen, dass es gar nicht so viele Gründe gebe, vermehrt zu wechseln, weil die Eintracht ja nicht mehr international dabei sei und er daher nicht so viel rotieren müsse. Das ist korrekt, hat aber nur dann absolute Berechtigung, wenn das Ensemble funktioniert und erfolgreich ist. Bei zehn Punkten gegen vermehrt eher leichtgewichtige Gegner und Tabellenplatz elf ist das zumindest diskutabel. „Ich bin damit auch nicht ganz zufrieden“, betont der Vorarlberger.

Dass ihm, nächster Punkt, eine Art der Nibelungentreue zu Spielern wie Steven Zuber, Almamy Touré oder Stefan Ilsanker vorgehalten wird, weist Hütter generell zurück, dass er sie trotz immer schwächer werdender Leistungen dennoch nicht aus dem Team genommen habe, begründet er mit dem Vertrauen, das er den Profis entgegenbringe und damit, ihnen auch mal zwei, drei schlechtere Spiele zuzugestehen. „Das ist meine Philosophie, mit der bin ich gut gefahren.“

Eintracht Frankfurt: Hütter äußert sich zu Ilsanker

Bei Stefan Ilsanker, mit dem er früher in Salzburg ja sogar noch kurzzeitig zusammengespielt hat, holt der Coach etwas weiter aus, um den 31-Jährigen aus der Schusslinie zu nehmen. Der Mittelfeldmann sei ein „positiver Typ, der die Mannschaft mit seinen Emotionen mitreißen kann“, er habe in dieser Saison sehr wohl überzeugen können, in Berlin ein „tolles Spiel“ und gegen Hoffenheim ein „sehr, sehr gutes gemacht“, bedeutet Hütter und nimmt die leichte Übertreibung gerne in Kauf. Was er eigentlich loswerden will: Ilsanker sei für ihn der einzig „klare Sechser, der diese Position am besten bekleiden kann“, weshalb er eben den Vorzug bekomme. Natürlich weiß auch Hütter um die spielerische Limitiertheit des Zerstörers, „Ilse spielt vielleicht immer wieder mal einen Fehlpass“, aber das habe ja auch der mittlerweile in den Ruhestand verabschiedete Gelson Fernandes gemacht. „Stefan ist nichts anderes als Gelson, der bei uns auch unheimlich viel abgeräumt hat vor der Abwehr.“

So kennt man Ilse, immer volle Pulle, immer Vollgas: Stefan Ilsanker räumt Mateo Klimowicz ab.

Und was ist mit Danny da Costa? Weshalb bekommt der Dauerbrenner aus der vorvergangenen Saison so wenig Bewährungschancen und wurde zuletzt in Stuttgart gar aus dem Kader gestrichen? Hütter freut sich über die „gute Gelegenheit“, auch in diesem Fall seine Sicht der Dinge darzulegen. „Viele fragen sich ja, ist dieses Verhältnis wirklich irgendwo zerrüttet?“, greift der Fußballlehrer eine tatsächlich oft geäußerte Vermutung auf. Hütters Antwort? „Ganz im Gegenteil. Das stimmt einfach nicht.“ Der Rechtsverteidiger habe es „auch aufgrund der wenigen Spiele“ schwerer, ins Team zu kommen. Grundsätzlich gebe es bei einem großen Kader und wenigen Verletzten immer „Härtefälle“, auf der Auswechselbank werde es demnach eine Rotation geben. „Die Mannschaft weiß darüber Bescheid.“

Eintracht Frankfurt: Hütter kann sich Schläfrigkeit der Mannschaft nicht erklären

Weshalb diese seine Mannschaft oft so schläfrig in die Partien startet, kann sich Hütter eher nicht erklären. Aber die vielen Rückstände, fünf in dieser Saison, „ärgern mich am meisten“. Das ist kein neues Phänomen, auch in der vergangenen Runde lag die Eintracht satte 23-mal zurück. Nur der abgeschlagene Absteiger Paderborn toppte diese Negativmarke. Hütter ist das ein Dorn im Auge: „Man muss viel Aufwand betreiben und Energie reinstecken, um die Spiele zu drehen.“

Dennoch will die Eintracht, bei der die Spieler weiterhin auf 20 Prozent ihres Gehalts verzichten, was Sportvorstand Fredi Bobic „stolz macht“, oben angreifen, selbst wenn die anstehenden Gegner andere Kaliber sind. „Wir wollen uns im vorderen Drittel der Tabelle etablieren“, sagt Bobic. „Das ist ambitioniert, aber nicht unmöglich.“ Nützlicher Nebeneffekt: Wahrscheinlich müsste Adi Hütter dann keine unangenehmen Fragen mehr beantworten.

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