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Ein Trainer aus Pappmaché: Adi Hütter.

Gegen Union Berlin

Adi Hütter baut Eintracht Frankfurt um

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Wie der Frankfurter Bundesligist einem drohenden Spannungsabfall begegnen will und sich einen aufmüpfigen Aufsteiger Union Berlin vom Hals halten will.

  • Eintracht Frankfurt trifft auf Union Berlin
  • Bei einem Sieg wäre man Abstiegssorgen los
  • Eintracht Frankfurt mit vier Spielen in neun Tagen

Den rechten Daumen reckt er in die Höhe, eine gelbe Schirmmütze trägt er auf dem Kopf, und der etwas gerupft daherkommende Eintracht-Adler prangt auf seiner blauen Latzhose. Ein bisschen Fantasie bedarf es auf alle Fälle, um den Erfolgstrainer von Eintracht Frankfurt wirklich zu erkennen, aber okay, der Wille zählt ja, und Adi Hütter hat sich sehr wohl gefreut, dass er als Pappmaché-Figur auf einem Wagen des Frankfurter Fastnachtumzugs durch die Stadt fuhr, Motto: Adi, der Baumeister. „Ich nehme das als Auszeichnung und Anerkennung wahr“, sagte der Österreicher. Er habe mit vielen anderen im Verein seinen Beitrag dazu geleistet, „die Eintracht zu einem sympathischen Verein“ zu machen. „Ich versuche, mein Bestes zu geben.“ Ist bisher ja ganz gut gelungen.

Eintracht Frankfurt mit Heimspiel gegen Union Berlin

Am Montagabend hat der 50-Jährige mit seiner Mannschaft die Gelegenheit, einen weiteren großen Schritt zu machen, denn bei einem Sieg im Heimspiel gegen Union Berlin (20.30 Uhr/live bei Dazn) wäre die Eintracht fast aller Abstiegssorgen ledig, dann müsste es schon mit dem Teufel zugehen, sollte sie noch einmal so richtig in die Bredouille kommen. „Wir sind noch lange nicht weg von hinten“, betont Hütter, deshalb misst er dem Kräftemessen mit dem aufmüpfigen Neuling aus Köpenick hohe Bedeutung zu. „Für mich wäre ein dreckiger Sieg auch okay“, findet er. Er hätte beruhigende Wirkung,

Der Fußballlehrer weiß, wie schwierig die Aufgabe werden wird, zum einen, weil Union „ein toller Aufsteiger“ sei, eine „große Mannschaft“ beisammen habe und ligaweit die „meisten Zweikämpfe überhaupt“ bestreite. Und zum anderen, weil bei seinem Team durchaus ein Spannungsabfall zu befürchtet steht, schließlich liegt mit dem 4:1 über den FC Salzburg ja ein emotionales Highlight hinter der Eintracht, und in drei Tagen soll in Österreich der Einzug ins Achtelfinale der Europa League perfekt gemacht werden. Die Eisernern liegen irgendwie als Sandwich dazwischen.

Eintracht Frankfurt noch nicht gefestigt

Hütter weiß, dass sein Ensemble noch ein wenig wankelmütig rüberkommt. Seine Elf sei nicht konstant genug, um solch eine Leistung wie gegen Salzburg „alle drei Tage zu bringen“. Aber: Bis auf das „fürchterliche Spiel“ in Dortmund und der schwachen Darbietung in Düsseldorf habe man in der Rückrunde absolut überzeugen können: „Wir haben fünf Spiele gewonnen, sind richtig gut unterwegs, das versuchen wir zu prolongieren.“

Die kommenden Begegnungen sieht Hütter als „sehr entscheidende Spiele“, binnen neun Tagen geht es gegen Berlin, Salzburg und zweimal Werder Bremen. Aus diesem Grund wird der Trainer, wie er ankündigt, in jedem Spiel rotieren, ob maßvoll oder maximal – das ließ er offen. Aber Adi Hütter ist eher für dosierte und nicht radikale Änderungen bekannt.

Klar ist, dass Bas Dost erneut ausfallen wird, seine Adduktorenprobleme, übrigens an einer anderen Stelle als damals in der Hinrunde, sind nicht abgeklungen. Mijat Gacinovic hingegen ist zumindest eine Option, ob es nach seiner Krankheit aber für die Startformation reicht, ist eher zweifelhaft. Es gibt wenig Gründe, den Serben aufzustellen, Daichi Kamada hat zuletzt überragend gespielt und drei Tore gemacht. Er ist nach seiner Verletzungspause „wieder auf einem anderen Level“, soll aber „langsam und behutsam“ aufgebaut werden.

Adi Hütter lobt Makoto Hasebe

Das muss Makoto Hasebe nicht mehr, bei dem spielintelligenten 36-Jährigen geht es eher darum, die richtige Balance zu finden, ihm auch mal Ruhepausen zu gönnen – von denen er allerdings zuletzt genügend hatte, weil er (zu) oft auf der Bank saß. „Er hat auch auf der Sechs hervorragend gespielt“, lobt Hütter. „Gegen Salzburg hat er ein tolles Spiel gemacht.“ Allerdings müsse man sein hohes Fußballeralter berücksichtigen, selbst wenn er „ein Topprofi ist, der schnell regeneriert.“

Etwas verwunderlich ist hingegen die Antwort des Trainers auf die Frage, ob man gedenke, den Vertrag des Routiniers noch mal zu verlängern. „Das wollen wir erst mal abwarten.“ Ein Hasebe in dieser Verfassung ist aber nicht zu ersetzen, egal, wie alt er ist. Und selbst als Spieler, der dann eher in Teilzeit zum Einsatz kommen würde, wäre er ein wichtiger Bestandteil, er ist wichtig für die Kabine und kann seine Erfahrung an die jüngeren Kollegen weitergeben, und Stunk würde er sowieso nie machen. Das Ganze ist also relativ risikolos. Gegen Union wird der Stratege wieder die Fäden im Mittelfeld ziehen.

Für die Spieler wird das Duell eine merkwürdige Angelegenheit, weil sie auf die bedingungslose Unterstützung ihrer frenetischen Fans verzichten müssen. Aus Protest gegen die Montagsspiele, die allerdings zur Saison 2021/22 ohnehin abgeschafft werden, wird der Unterrang der Nordwestkurve leer bleiben und folglich keine Unterstützung der Hardcorefans erfolgen. Gerade für die Eintracht, die von ihren Anhängern getragen wird und 21 ihrer 28 Punkte zu Hause geholt hat, ist das ein Nachteil. Hütter will diese Besonderheit in der Mannschaftssitzung kurz ansprechen, aber kein großes Thema daraus machen. „Ich kann mich nicht erinnern, so etwas schon mal erlebt zu haben“, sagt er. „Aber wir wollen positiv damit umgehen. Wir als Verein akzeptieren und respektieren das.“ Auch wenn er sich etwas anderes gewünscht hätte. (dur)

Im Gespräch: Eintracht-Profi Danny da Costa spürt den zunehmenden Rassismus im Stadion und dem alltägliche Leben am eigenen Leib: „Daran habe ich schon zu knabbern“.

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