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Restlos bedient: Adi Hütter, nicht mehr lange Eintracht-Trainer. dpa
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Restlos bedient: Adi Hütter, nicht mehr lange Eintracht-Trainer. dpa

SGE

Eintracht-Vorstand Axel Hellmann kritisiert „Schönrednerei“ von Hütter und Bobic

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
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Eintracht-Vorstand Axel Hellmann ist irritiert über die Sportchefs Fredi Bobic und Adi Hütter – und kassiert mal eben deren Aussagen.

Unter „normalen“ Umständen wären über den Topstürmer André Silva nun einige schmeichelnde Elogen verfasst worden. Der Portugiese hat in Gelsenkirchen-Buer nämlich tatsächlich den Uralt-Rekord der Eintracht-Legende Bernd Hölzenbein geknackt, mit seinem siebten Doppelpack in dieser Saison schraubte er sein Torekonto auf 27, das ist ein Treffer mehr als der „Holz“ vor fast 45 Jahren erzielte. Eine außergewöhnliche Leistung des 25-Jährigen. Und doch geriet dieser Meilenstein an diesem pechschwarzen Samstag zur Nichtigkeit, zur größten Nebensache aller Nebensächlichkeiten.

Unter „normalen“ Umständen wäre auch einem Spieler wie Sebastian Rode niemals so der Kragen geplatzt, wie es ihm vor laufender Fernsehkamera passiert ist, aber „normal“ ist es eben nicht, wenn ein Champions-League-Aspirant seinen letzten Strohhalm auf die Qualifikation ergreifen will, sich dann aber beim tasmanischen Absteiger FC Schalke 04 drei Tore binnen elf Minuten einschenken lässt und eine hochnotpeinliche 3:4-Pleite schlucken muss. Bye, bye, Königsklasse.

Eintracht Frankfurt: „Es haben alle versagt“

Sebastian Rode, dem auf dem Feld herzlich wenig gelang, überzeugte in der verbalen Aufarbeitung der beschämenden Vorstellung auf Schalke, der 30-Jährige rechnete schonungslos ab: „Wenn eine Mannschaft, die schon abgestiegen ist, den Sieg mehr will, als eine, die die Champions League erreichen kann, ist das sehr, sehr ernüchternd.“ Rode, einmal in Wallung, legte nach: „Es haben alle versagt – Mannschaft samt Trainer. Dafür gibt es keine Entschuldigung.“ Scharfe Worte.

Rode war es auch, der den auf der Hand liegenden Zusammenhang zwischen dem angekündigten Abgang des Trainers vor fünf Wochen und dem Einbruch der Mannschaft bestätigte. „Das ist nicht mehr von der Hand zu weisen.“ Auch Timothy Chandler sprach von einem „Nebeneffekt“. Der hat Eintracht Frankfurt nicht weniger als die Champions League gekostet. Adi Hütter ist für das Team und den Verein keine Hilfe mehr, sondern zur Belastung geworden. Der Riss zwischen Mannschaft und Trainer ist nicht mehr zu kitten (siehe Berichte auf folgender Seite).

Diesen Bruch erkennt leichterdings jeder, der die Eintracht seitdem spielen sieht. Am 10. April noch legte das Team beim 4:3-Spektakel gegen den VfL Wolfsburg den vielleicht aufregendsten Auftritt im Waldstadion der jüngeren Vergangenheit hin. Drei Tage später, als die Nachricht von Hütters Abgang erst durchsickerte und dann öffentlich wurde, war der Stecker gezogen: 0:4 ausgerechnet beim neuen Arbeitgeber Borussia Mönchengladbach, 2:0 gegen Augsburg, 1:3 in Leverkusen, 1:1 gegen Mainz, 3:4 auf Schalke. Vier von 15 möglichen Punkten – die Bilanz eines Absteigers.

Eintracht Frankfurt: Adi Hütter ist zur Belastung geworden

Hatte die Eintracht zuvor in 28 Spielen nur drei Niederlagen kassiert, waren es nach Hütters Schwenk von „Ich bleibe“ zu „Ich gehe“ ebenso viele in fünf Begegnungen. Der Punkteschnitt sank von 1,89 auf 0,8. Zufall? Das glaubt niemand mehr – außer Fredi Bobic, der Sportvorstand, der Anfang März mit seiner dreist im Fernsehstudio dargebrachten Wechselabsicht den Stein erst ins Rollen brachte und die Lawine auslöste.

Es ist schwer erträglich und ein Schlag ins Gesicht der Sympathisanten des Vereins und auch der klar denkenden Menschen, mit welcher Arroganz und Selbstgerechtigkeit der 49-Jährige nun jeden Zusammenhang zwischen den Personalentscheidungen an exponierter Stelle und dem Absturz der Mannschaft verneint. „Wir sind im Maschinenraum drin, und es war nie so, dass wir den Bezug zur Mannschaft verloren haben. Ich habe nie einen Bruch zwischen Trainer und Mannschaft gesehen“, sagte der Manager. „Ich weiß, dass das Negative und Oberflächliche gesucht wird. Meine Person geht weiter, der Trainer geht woanders hin. Das wird in Zusammenhang gebracht. Das ist aus meiner Sicht sehr billig.“

Sehr billig ist eher, diese offensichtliche und auch intern längst hergestellte Kausalität zu negieren. Bobic und Hütter haben eine Saison auf dem Gewissen, die eine historische hätte werden können, nun aber „nur“ eine gute Spielzeit mit einem „faden Beigeschmack“ ist, wie selbst Abräumer Djibril Sow feststellte.

Eintracht Frankfurt: Sportliche Leitung um Fredi Bobic will Saison als großen Erfolg verkaufen

Genauso deplatziert ist der Schachzug der Sportlichen Leitung, die Saison jetzt noch als großen Erfolg zu verkaufen. „Wir haben tolle Stories geschrieben“, sagt Sportchef Bobic. „Am Ende steht der souveräne Einzug in die Europa League. Für Platz fünf müssen wir uns nicht schämen.“ In diese Kerbe schlägt auch der Trainer: „Wir sind fix Fünfter. Und das ist, was zählt.“

Die offenbar abgesprochenen Einlassungen kamen im Führungszirkel des Vereins, mal defensiv formuliert, nicht gut an. Am Sonntag wies Vorstandssprecher Axel Hellmann die scheidenden Führungskräfte in die Schranken und eroberte die Deutungshoheit für den verbliebenen Vorstand mit ihm und Finanzboss Oliver Frankenbach zurück. „Natürlich ist ein fünfter Platz ein sehr gutes Ergebnis für uns“, setzte er an, bevor er klar einschränkte: „Aber jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt für Zufriedenheiten und kein Moment dafür, sich darüber zu freuen – nicht nach einem solchen Ergebnis und einer solch blamablen Leistung.“

Hellmann geht noch einen Schritt weiter und stört sich ganz extrem an der Stoßrichtung des Duos Hütter/Bobic, das offenkundig nur ein Ziel hat: öffentlich selbst gut dazustehen. „Richtig wäre ein selbstkritischeres Auftreten gewesen. Diese Schönrednerei ist definitiv der falsche Weg und das falsche Signal.“ Auch der 49-Jährige ist einigermaßen irritiert über den Leistungsabfall des Teams und die Außendarstellung der Sportlichen Führung.

Platz fünf für Eintracht Frankfurt prima, aber doch eine Enttäuschung

Hellmann hat Recht: Platz fünf ist für einen Klub wie Eintracht Frankfurt eine prima Sache, die beste Platzierung seit einer halben Ewigkeit. Aber es ist halt doch eine herbe Enttäuschung, wenn man vor fünf Wochen noch mit eineinhalb Beinen in der Champions League stand, den werthaltigsten Wettbewerb dann aber selbstverschuldet aus der Hand gibt und das Abschneiden dadurch verwässert.

Merkwürdig war am Samstag zudem der Vorstoß Hütters, sich dafür zu loben, nach dem Pokal-Aus im Januar in Leverkusen die Königsklasse intern als neues Ziel ausgerufen zu haben, obwohl man da noch Neunter gewesen sei. „Das ist hohes Risiko, das ist mutig“, sagt er: „Vielleicht wären wir sonst nur Siebter geworden.“ Sehr viel wahrscheinlicher ist, dass die Eintracht mindestens Vierter geworden wäre, wenn sich bei ihm selbst die Prioritäten nicht verschoben hätten. Fakt ist auch, dass die ach so charakterstarke Mannschaft es nicht aus ihrer Mitte heraus geschafft hat, einen für sie und den Verein einmaligen Erfolg einzufahren. In dieser unheilvollen Mischung aus Einzelinteressen und Führungslosigkeit ist der Fokus völlig verrutscht. Mit unschönen Folgen.

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