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David Abraham und Eintracht Frankfurt wollen den öffentlichen Auftritt.

Eintracht Frankfurt

Abraham-Sperre: Eintracht-Vorstand Axel Hellmann kritisiert DFB-Vize – „Skandalös“

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Axel Hellmann hat nach der Sperre von Eintracht-Kapitän David Abraham den DFB-Vize Ronny Zimmermann kritisiert. Er bezeichnete eine Aussage als „skandalös“. 

Update vom Mittwoch, 27.11.2019, 13.20 Uhr: Eintracht Frankfurts Vorstand Axel Hellmann hat heftige Kritik an DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann geäußert, nachdem dieser mit Unverständnis auf den Einspruch gegen die Sieben-Wochen-Sperre für Eintracht-Kapitän David Abraham reagiert hatte. „Wenn sich ein Präsidiumsmitglied als Vertreter der Verbandsführung in die Arbeit der Gerichtsbarkeit einmischt und einen Einspruch, der satzungsgemäß ist, als komisch bezeichnet, ist das skandalös“, sagte Hellmann der „Sport Bild“.

Auch Frankfurts Anwalt Christoph Schickhardt übte Kritik an Zimmermann, der im DFB-Präsidium für Jugendfußball und Schiedsrichterwesen zuständig ist. „Das ist schlechter Stil. Das ist der Versuch der Einflussnahme, auch wenn das Gericht sich nicht hat beeinflussen lassen“, sagte er dem Blatt.

Zimmermann hatte den Einspruch gegen die wegen einer Rambo-Attacke gegen Freiburgs Trainer Christian Streich verhängte Abraham-Sperre als „komisch“ bezeichnet. „Ich hätte als Verantwortlicher, glaube ich, eher gesagt: Und ich setze dir noch eine Woche von mir aus drauf, als dass ich gegen das Urteil angegangen wäre„, hatte Zimmermann gesagt. In der mündlichen Verhandlung des DFB-Sportgerichts wurde das Urteil bestätigt.

Abraham-Sperre: Kein weiterer Einspruch - Strafe damit rechtskräftig

Update, 22.11.2019, 14.23 Uhr: David Abraham hat entschieden, dass er keine Berufung gegen das Urteil des DFB-Sportgerichts vom vergangenen Dienstag einlegen werde, wie Eintracht Frankfurt mitteilt. Das habe der Spieler nach Rücksprache mit Eintracht Frankfurt entschieden, um die Angelegenheit nunmehr zu einem Ende zu bringen. Das Urteil, das eine Sperre von sieben Wochen sowie eine Geldstrafe in Höhe von 25.000 Euro vorsieht, wird damit nach Ablauf der Berufungsfrist am 26.11.2019 rechtskräftig sein.

Update, 19.11.2019,15.20 Uhr: Richter Lorenz in der Urteilsbegründung: "Natürlich liegt hier kein Fall der Fahrlässigkeit vor. Es ist ein klarer Fall des direkten Vorsatzes. Er hat ihn, wie das vielleicht im Eishockey üblich ist, mit einem Bodycheck abgeräumt - nicht mehr und nicht weniger. Bewährung kann man in einem solchen Fall nicht geben."

"Ich wollte den Trainer nicht bewusst umhauen. Ich war komplett auf den Ball konzentriert und habe versucht, dem Trainer noch auszuweichen", gab Abraham bei der Verhandlung zu Protokoll: "Mir war gar nicht bewusst, dass ich ihn umgerempelt habe. Es war nicht meine Absicht, ihm wehzutun. Ich bin mir sicher, dass so etwas nicht mehr vorfallen wird."

Christian Streich hatte David Abraham entlastet

Diese Einlassung kam bei Lorenz nicht gut an. Der ungehaltene Kontrollausschuss-Vorsitzende Anton Nachreiner bezeichnete die Ausführungen sogar als "Märchenstunde" und beantragte als Reaktion eine härtere Strafe (acht Pflichtspiele). Schiedsrichter Felix Brych bewertete den Vorfall bei seiner Aussage als "vorsätzliche Aktion". Brych gab an, dass er "so etwas im Profifußball noch nicht erlebt" habe.

Zu Gute kam Abraham, dass Streich ihn entlastete. "Er hat die Kontrolle verloren, aber ich habe auch schon Fehler gemacht", sagte der per Telefon zugeschaltete Trainer. Lorenz machte daraufhin klar, dass Abraham bei einer Verletzung Streichs eine wesentliche längere Sperre gedroht hätte. Auch die Tatsache, dass Abraham in der Europa League spielen darf, wertete Lorenz als Entgegenkommen in Richtung der Eintracht.

Update, 19.11.2019, 15.00 Uhr: Das DFB Sportgericht weist den Einspruch von Eintracht Frankfurt zurück. Die ursprüngliche Strafe bleibt bestehen - sieben Wochen Sperre. 

Update, 19.11.2019, 14.40 Uhr: Das Urteil soll gegen 15.00 Uhr verkündet werden. David Abraham beteuert in seinem Schlusswort erneut seine Reue: "Mir gefällt das nicht, ich bin reumütig."

Update, 19.11.2019, 14.25 Uhr: Eintracht-Anwalt Schickhardt bietet einen Deal an. Die Bewährungszeit von David Abraham soll auf fünf Jahre ausgedehnt werden. Er möchte, dass von der ursprünglichen Strafe gegen den Argentinier zwei Spiele auf Bewährung zur Strafe ausgesprochen werden.

Update, 19.11.2019, 14.05 Uhr: Das war abzusehen: DFB-Chefankläger Nachreiner zieht nach. Er verurteilt den Standpunkt der Eintracht und fordert jetzt eine eine Sperre von acht Pflichtspielen für David Abraham. Das wären zwei Spiele mehr als bisher. Der Eintracht-Kapitän könnte dann erst im Februar wieder für die SGE auf dem Platz stehen.

Update, 19.11.2019, 14.00 Uhr: Der SC Freiburg zieht den Antrag zurück. Der Freiburger Anwalt erklärte: "Wir halten die Würdigung von Grifos Aktion als Tätlichkeit nicht für richtig. Damit auch in Freiburg wieder Ruhe einkehrt, haben wir uns aber entschlossen, entgegen unserer juristischen Einordnung den Einspruch zurückzuziehen." Die Drei-Spiele-Sperre gegen Grifo ist damit rechtskräftig. Eintracht Frankfurt zieht den Einspruch nicht zurück. Anwalt Christoph Schickhardt wollte sich zum Vorschlag von Lorenz zunächst nicht äußern. Anton Nachreiner, der Vorsitzende des DFB-Kontrollausschusses, kündigte daraufhin an, eine Sperre von acht Spielen zu beantragen. Die Verhandlung geht also weiter.

Update, 19.11.2019, 13.40 Uhr: Der Vorsitzende Richter Hans E. Lorenz vorgeschlagen, die Einsprüche zurückzunehmen. Dies sagte Lorenz am Dienstag in der DFB-Zentrale in Frankfurt/Main. Der 68-Jährige deutet an, dass die Urteile ansonsten härter ausfallen könnten. Abraham hatte in der Bundesliga-Partie seines Clubs Eintracht Frankfurt beim SC Freiburg am 10. November Trainer Christian Streich an der Seitenlinie umgestoßen und war für sieben Wochen gesperrt worden.

Eintracht Frankfurt will Bewährung für David Abraham

David Abrahams Anwalt Christoph Schickhardt schlug vor, dessen Sperre teilweise zur Bewährung auszusetzen. Eintracht-Kapitän Abraham war in der Einzelrichter-Entscheidung zu einer Sperre von sieben Wochen und einer Geldstrafe von 25 000 Euro verurteilt worden. Dagegen erhob die Eintracht Einspruch.

Freiburg wehrt sich gegen eine Zwangspause von drei Spielen für Vincenzo Grifo. Der ausgewechselte Spieler hatte in der Begegnung am 10. November bei den Tumulten nach Abrahams Attacke dem Frankfurter ins Gesicht gefasst und dafür von Schiedsrichter Felix Brych (München) ebenfalls die Rote Karte gesehen.

Chefankläger lässt sich auf keinen Handel in der Sache David Abraham ein

Anton Nachreiner, der Vorsitzende des DFB-Kontrollausschusses, machte jedoch klar, dass er sich auf keinen Handel einlasse und gegebenenfalls sogar höhere Strafen beantragen werde. Er sprach bei den Ausführungen Abrahams und Grifos, die ausgiebig ihre Unschuld und ihr gutes Verhältnis beteuerten, von einer "Märchenstunde". Schiedsrichter Felix Brych sagte als Zeuge aus, dass er davon ausgehe, dass Abraham Streich absichtlich umgecheckt habe.

Update, 19.11.2019, 12.45 Uhr: Zumindest für bemerkenswerte Zitate sorgt die Verhandlung bisher. Hier eine kleine Auswahl:

  • "Gerne. Er weiß mit Sicherheit mehr über sich als wir alle." (Der Sportgerichts-Vorsitzende Hans E. Lorenz zur Bitte von Anwalt Christoph Schickhardt, wonach sich David Abraham selbst vorstellen will) 
  • "Sind Sie in derselben WhatsApp-Gruppe?" (Lorenz-Frage an Abraham zur Verbindung mit Vincenzo Grifo) 
  • "Irgendwo habe ich gelesen, Sie seien der 'freundlichste Wadenbeißer der Liga'..." (Lorenz zu Abraham)
  • "Mein Vater hat mir fünf Minuten einen Vortrag gehalten. Meine Mutter hat versucht, mich zu verteidigen." (Abraham zu den familiären Auswirkungen seiner Aktion gegen Christian Streich) 
  • "Wobei der auch kein Kind von Traurigkeit ist..." (Lorenz über Sandro Wagner, der ebenfalls schon mit Abraham aneinandergeraten ist)
  • "Sie sind Fan von Inter Mailand? Warum haben Sie da noch nicht gespielt?" (Lorenz zu Grifo) 
  • "Hat man ja gesehen." (Lorenz zur Ausführung von Grifo, wonach er sich gut mit seinem früheren Teamkollegen Abraham verstehe)
  • "Wollen Sie uns sagen, dass Sie ihn aus Versehen umgerempelt haben?" (Lorenz zu den Ausführungen Abrahams, wonach er Streich unbewusst umgestoßen habe) 
  • "Sie sind so defensiv, Herr Nachreiner." (Lorenz zum Kontrollausschuss-Vorsitzenden)
  • "Ich höre mir das seelenruhig an und bezweifle langsam, dass die Urteile so bleiben können." (DFB-Chefankläger Anton Nachreiner, der seinen Unmut deutlich macht) 
  • "Lieber nicht." (Der per Telefon zugeschaltete Streich auf die Aussage von Lorenz, wonach es doch Zeit für seine Premiere vor dem Sportgericht wäre) 
  • "Ich mache seit vielen Jahren Yoga." (Streich bei seiner Angabe, dass er nicht verletzt wurde)
  •  "Mir reicht es schon lange." (Nachreiner zur Frage von Lorenz, ob die gezeigten Videobilder reichen) 

Update, 19.11.2019, 12.00 Uhr: "Märchenstunde" nennt DFB-Chefankläger Anton Nachreiner die Aussagen bei der Berufungsverhandlung zur Sperre für die Bundesliga-Profis David Abraham von Eintracht Frankfurt und Vincenzo Grifo von SC Freiburg. Beide durften sich am Dienstag in Frankfurt/Main wortreich verteidigen und beteuerten ihr sehr gutes Verhältnis.

Update, 19.11.2019, 10.40 Uhr:

David Abraham hat zum Auftakt der DFB-Sportgerichts-Verhandlung wegen seiner siebenwöchigen Sperre ausführlich über sein Fußballer-Leben berichten dürfen. Dazu forderte der Vorsitzende Richter Hans E. Lorenz den Kapitän des Bundesligisten Eintracht Frankfurt auf - "um warm zu werden", wie er in der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes erklärte. Der 68-jährige erkundigte sich am Dienstag auch nach Abrahams Einschätzung zu dessen früheren Mitspieler Lionel Messi.

"War der damals schon so gut?", fragte Lorenz. Abraham und Superstar Messi gehörten zum U20-Team Argentiniens, das 2005 Weltmeister wurde. Lorenz sagte auch zu Abraham: "Irgendwo habe ich gelesen, Sie seien der freundlichste Wadenbeißer der Bundesliga." Der 33-Jährige antwortete brav mit einem "Si".

Update, 19.11.2019, 11.30 Uhr: Wie Carsten Schellhorn vom "hr" meldet, hat die Verhandlung gegen David Abraham vor dem Sportgericht begonnen. Auf Twitter medet Schellhorn, dass sich die Sache ziehen könnte. Und dass Christian Streich vom SC Freiburg nicht vor Ort ist, weil er das Training seiner Mannschaft leiten muss.

Ursprüngliche Meldung

Den prominentesten Rechtsbeistand hat sich David Abraham schon einmal gesichert. Wenn der Kapitän des Bundesligisten Eintracht Frankfurt am Dienstag um 11.00 Uhr auf der Anklagebank in der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) Platz nimmt, wird Christoph Schickhardt neben ihm sitzen. Der von zahlreichen Verhandlungen vor dem Sportgericht gestählte Anwalt will alles dafür tun, um die lange Sperre seines Mandanten zu verkürzen.

Ob Schickhardt das gelingt, ist allerdings fraglich. Zu schwer scheint das Vergehen Abrahams, das seit über einer Woche ununterbrochen Schlagzeilen produziert. Der 33-Jährige hatte in der Nachspielzeit der Partie beim SC Freiburg am 10. November (0:1) den Freiburger Trainer Christian Streich zu Boden gecheckt und dafür von Schiedsrichter Felix Brych (München) die Rote Karte gesehen. Für diesen Ausraster wurde Abraham am Mittwoch bis zum Jahresende gesperrt, dazu kam eine Geldstrafe in Höhe von 25.000 Euro.

Eintracht Frankfurt legt Einspruch gegen Sperre für David Abraham ein

Die Eintracht legte umgehend Einspruch gegen das Urteil ein, "um David Abraham die Möglichkeit zu geben, sich im Rahmen eines mündlichen Verhandlungstermins vor dem DFB-Sportgericht persönlich zu dem Geschehen in Freiburg zu äußern". Abraham hat sich bereits "in aller Form" entschuldigt und wurde vereinsintern mit einer Geldstrafe in Höhe von 35.000 Euro belegt.

Im Vorfeld der Verhandlungen hatte DFB-Vize Ronny Zimmermann für Irritationen gesorgt, als er sein Unverständnis  für den Einspruch formulierte. Koch findet das Verhalten des Vereins „komisch“, die Strafe allerdings „ein dickes Brett“ und zeigt sich trotzdem irritiert. „Wenn was passiert, was den Rahmen sprengt und das hat es ganz sicher gemacht, dann wäre es schon schön, wenn auch die Akzeptanz bei dem Club da wäre. Wir reden immer über Werte, und das wäre eine gute Möglichkeit gewesen, zu sagen, wir stehen zu unseren Werten“, sagte Zimmermann.

Es geht um die Vorbildfunktion von Fußballern

Die neuen Einlassungen Abrahams wird sich der Sportgerichts-Vorsitzende Hans E. Lorenz anhören. Der 68-Jährige weiß um die Brisanz des Falls, in dem es auch um die Vorbildfunktion der Profis geht. Vor dem Hintergrund der anhaltenden Gewaltexzesse in den Amateurligen wird von dem früheren Richter der Großen Strafkammer am Landgericht in Mainz ein Urteil mit Signalwirkung erwartet.

Der frühere FIFA-Referee Thorsten Kinhöfer hatte in diesem Zusammenhang zuletzt Alarm geschlagen. "Wir haben eine unfassbare Aggression auf dem Platz", hatte der 51-Jährige der Bild gesagt: "Das sind mittlerweile kriegsähnliche Zustände." Nach Ansicht Kinhöfers müsse man sich bei diesen "Vorbildern" nicht wundern, "dass im Amateurfußball Woche für Woche Schiedsrichter beleidigt, bedroht und verprügelt werden".

David Abraham: Rückendeckung von Sebastian Rode

Abrahams Teamkollege Sebastian Rode sieht das anders. Der Mittelfeldspieler sprang seinem Kapitän zur Seite. "Wir wissen, dass wir eine Vorbildfunktion haben und der Trainer tabu ist", sagte Rode in einem Interview: "David fehlt uns in der Liga bis ins neue Jahr, hat eine Geldstrafe bekommen und sich entschuldigt - damit sollte es auch mal gut sein. Dass er einen Fehler gemacht hat, ist ja klar, das weiß er auch."

Zu Gute könnte Abraham kommen, dass Streich ihm verziehen hat. "Es ging heiß her, und dann dreht er halt ab, der David. Aber er ist kein böser Mensch, er ist ein netter Kerl", sagte Streich über den Argentinier, der laut Eintracht-Trainer Adi Hütter Kapitän der Hessen bleiben wird.

Dass Streich das ganze Thema "runterfahren" möchte, hat auch einen eigennützigen Hintergrund. Sein Schützling Vincenzo Grifo wurde für das Handgemenge mit Abraham drei Spiele gesperrt. Auch der SC hat dagegen Einspruch eingelegt und erhofft sich eine Reduzierung der Strafe. (mit sid/dpa)

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