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Protest mit Tennisbällen: Auch in der Partie Eintracht Frankfurt - RB Leipzig setzen die Fans ein Zeichen gegen Montagsspiele in der Bundesliga.

Montagsspiele

„Die Terminierung ist idiotisch“

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Ina Kobuschinski, Vorsitzende des Eintracht-Fanclubverbands, geht von einer breiten Beteiligung am Boykott in Düsseldorf aus.

Der Fanblock der Eintracht soll beim Auswärtsspiel in Düsseldorf in der ersten Halbzeit leer bleiben. Die Anhänger wollen mit dem Boykott gegen die Ansetzung der Partie am Montagabend demonstrieren. Die FR sprach mit der Vorsitzenden des Eintracht-Fanclubverbands, Ina Kobuschinski, über die Aktion.

Frau Kobuschinski, gehen Sie wirklich davon aus, dass sich alle Eintracht-Fans, die nach Düsseldorf fahren, am Boykott beteiligen werden?
Die allermeisten werden sicherlich mitmachen. Bei uns gibt es bei solchen Aktionen ein hohes Maß an Solidarität. Und jeder, der sich über die Ansetzung Gedanken macht, wird erkennen, dass wir recht haben. Die Eintracht hat jetzt einen klaren Wettbewerbsnachteil. Nur drei Tage nach Düsseldorf muss sie zum extrem wichtigen Spiel in Mailand antreten. Das zeigt, wie idiotisch die Terminierung ist. Und für uns Fans ist die Ansetzung eine Zumutung. Genauer gesagt: eine Frechheit. Wegen der vielen Europacupspiele müssen wir doch ohnehin ständig Urlaub nehmen, und jetzt spielt unsere Mannschaft auch noch völlig ohne Not am Montag.

Trotzdem ist es doch unbefriedigend: Man fährt montags 250 Kilometer nach Düsseldorf und sieht nur das halbe Fußballspiel. Befürchten Sie nicht, dass sich die Fans sagen: Dann können wir doch gleich daheim bleiben?
Nein, das glaube ich nicht. Wenn man einen Boykott machen will, muss man vor Ort sein. Protest von der Couch aus – das geht nicht. Und unser Protest ist wichtig und richtig.

Werden Sie Fans daran hindern, schon zur ersten Halbzeit in den Block zu gehen?
Wir werden mit ihnen intensiv sprechen. Ich bin mir sicher, dass zumindest der Stehblock frei bleiben wird.

Der Protest war aber auch schon mal kreativer, lauter und umstrittener – man denke zurück an die Trillerpfeifen und die aufs Feld geworfenen Tennisbälle beim ersten Montagsspiel gegen Leipzig.
Damals wurde in Frankfurt gespielt. In Düsseldorf sind wir die Auswärtsmannschaft. Da muss der kreative Protest schon von den Fortuna-Fans ausgehen.

Viele Fans leben nach dem Motto: „Der Verein steht über allem.“ Wie verträgt sich das mit einer Aktion, die der Mannschaft schadet?
Wir schaden der Mannschaft nicht.

Ina Kobuschinski ist seit der Gründung Vorsitzende des Eintracht-Fanclubverbands.

Die Mannschaft hat nach dem 3:2 gegen Hoffenheim klar gesagt, dass sie die Stimmung im Stadion beflügelt hat. Wenn es nun keine Unterstützung gibt, schaden die Fans damit doch der Mannschaft.
Die Mannschaft ist über unsere Aktion informiert, so wie sie über alle unsere Aktionen informiert ist. Die Spieler stehen da absolut hinter uns. Die werden auch für uns kämpfen. Und in der zweiten Halbzeit werden wir umso mehr Gas geben. Gegen Düsseldorf müssen auch mal 45 Minuten Unterstützung reichen.

Ist der Protest denn immer noch nötig? Die DFL hat doch bereits beschlossen, die Montagsspiele ab der Saison 2021/2022 abzuschaffen.
Das glauben wir erst, wenn es so weit ist.

Sie sind misstrauisch?
Wir haben mit den Verbänden unsere Erfahrungen gemacht. Ich erinnere nur an die Debatte über die Legalisierung von Pyrotechnik, die dann von DFB und DFL abrupt abgebrochen wurden.

Interview: Georg Leppert

Zur Person

Ina Kobuschinski ist seit der Gründung des Fanclubverbands der Eintracht vor fünf Jahren dessen Vorsitzende. In dem Verband sind 974 Fanclubs organisiert.

In der Initiative Stadionausbau ist Kobuschinski ebenfalls aktiv. Die Gruppe, die dieser Tage beim Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) für ihre Position warb, fordert einen zügigen Ausbau der Arena auf 60 000 Plätze, davon mindestens 20 000 Stehplätze.

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