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Eintracht erwartet Leipzig: Laden dicht oder wilde Sau?

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Von: Thomas Kilchenstein

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Reaktion gezeigt, das will Oliver Glasner sehen: Von Rückschlägen nicht entmutigen lassen.
Reaktion gezeigt, das will Oliver Glasner sehen: Von Rückschlägen nicht entmutigen lassen. © dpa

Eintracht Frankfurt muss gegen offensivstarke Leipziger die Abwehr sattelfest bekommen.

Aus gegebenem Anlass hat der Frankfurter Trainer Oliver Glasner am Donnerstag den großen österreichischen Philosophen Paul Gludovatz zitiert, der sinngemäß gesagt hat, ein Problem vergrößere sich, umso mehr man es in den Fokus rückt, so ähnlich zumindest. Ein weiser Spruch, findet Landsmann Glasner, selbst wenn der im vergangenen November im Alter von 75 Jahren verstorbene Gludovatz kein richtiger Philosoph war, sondern ein Fußballtrainer, unter anderem bei der SV Ried, wo einst auch der junge Oliver kickte.

Hrustic nach Verona

Der Frankfurter Fußballlehrer hat seinen ehemaligen Coach deshalb zitiert, weil die Rede vor dem Bundesligaspiel gegen RB Leipzig an diesem Samstag (18.30 Uhr/Sky) im Stadtwald auf die angebliche Abwehrschwäche der Frankfurter Eintracht kam, die in den vergangenen vier Partien elf Gegentore kassiert hat, zuletzt gegen Aufsteiger Werder Bremen drei. Abwehrschwäche – dieses Wort möchte Glasner „so nicht stehen lassen“, und er sieht auch keinerlei Veranlassung, dieses vermeintliche Defizit – siehe Gludovatz – groß zu thematisieren. Im Gegenteil: „Wir haben kein Defensivproblem“, sagt der 48 Jahre alte Coach, in Bremen beim 4:3-Sieg habe er seine Hintermannschaft „60 Minuten defensiv hervorragend“ agieren gesehen, die wie schon gegen Köln kaum gegnerische Abschlüsse zugelassen habe. Es mögen „individuelle Fehler“ passiert sein, das sicher, aber was ihm unglaublich imponiert habe, sei die Reaktion darauf gewesen: Aus dem Nichts habe der Gegner zwei Tore erzielt und 2:1 geführt, „und was tun wir, wir schießen sofort ein Tor“, was allerdings wegen Abseits zurückgenommen worden war. Entscheidend sei aber die Reaktion gewesen. „Wir zeigen nicht mit fünf Fingern auf den, der den Fehler gemacht hat. Wir stehen zusammen.“ Glasner geht sogar noch einen Schritt weiter: „Wenn wir im Hinblick auf die nächsten Wochen solch gute Reaktionen zeigen, dann weiß ich, dass wir vorwärts kommen.“

Und die nächsten Wochen haben es in sich: Gerade die Nationalspieler müssten ein unglaubliches Programm abspulen, „Wahnsinn“, ruft Glasner, in den nächsten zehn Wochen habe man nur noch Englische Wochen, „das zehrt“. Ungeachtet dessen fühlt sich der Coach gewappnet für die Herkulesaufgaben, er und die Mannschaft freuten sich auf „diese historische Saison“, der erstmaligen Teilnahme an der Champions League. Den Kader habe er endlich komplett und zusammen, damit sei er zufrieden, aktuell tummelten sich, bis auf die länger angeschlagene Aurelio Buta und Almamy Touré, 21 Feldspieler im Trainingsbetrieb, das sei okay so. Am gestrigen Nachmittag wurde auch offiziell bekannt, dass Ajdin Hrustic den Klub verlassen wird, er schließt sich dem italienischen Erstligisten Hellas Verona an. Seit 2020 war der australische Nationalspieler in Frankfurt, er absolvierte 40 Pflichtspiele, schoss drei Tore, darunter ein sehr hübsches gegen Mainz 05, er konnte sich aber dauerhaft nie durchsetzen. Bemerkenswert allemal: Er trat beim Europapokal-Finale in Sevilla als eingewechselter Spieler tapfer zum Elfmeterschießen an und verwandelte eiskalt.

Bembel bestellt

Eintracht-Trainer Oliver Glasner ist froh und dankbar, dass dieses Transfer-Gezacker nun endlich ein Ende gefunden hat: Er habe sich nach Schließung des Transferfensters daher flugs „einen Bembel bestellt“.

RB Leipzig, ein Team, das noch nie gegen die Eintracht im Stadtwald hat gewinnen können, eröffnet am Samstagabend die nächsten drei Heimspiel der Hessen am Stück. Danach folgt am Mittwoch das Champions-League-Spiel gegen Sporting Lissabon, am übernächsten Samstag empfängt die Eintracht Glasners alten Klub, den VfL Wolfsburg, im Stadion. Es sind also wegweisende Spiele für die Frankfurter, die sie, wie der Trainer unisono sagt, alle gewinnen wollen.

Gegen die ebenfalls schwergängig gestarteten Leipziger wird das schon mal ein ambitioniertes Unterfangen, nimmt man die Schwärmerei des Eintracht-Trainers für bare Münze: „RB habe eine tolle Mannschaft, eine tolle Spielanlage, einen tollen Trainer“, lobhudelte Glasner, er hob die Offensivkraft der Sachsen hervor, die sich mit Timo Werner noch einmal „sehr gut verstärkt“ hätten. Man werde eine Topleistung abrufen müssen, um erfolgreich zu sein, RB „wird uns alles abverlangen“.

Allerdings habe der erste Bundesligasieg seit März auch im Lager der Frankfurter einiges verändert, die Stimmung sei locker, aber nicht überschwänglich. Siege seien durch nichts zu ersetzen. Auch in diesem Spiel wolle man versuchen, den eigenen Matchplan durchzusetzen, selbst wenn „wir uns ein bisschen am Gegner orientieren“, wie Glasner verrät. Womöglich wird es personelle Änderungen geben, womöglich wird der Coach einen Tick defensiver aufstellen, um den Sachsen nicht ins offene Messer zu rennen.

Grundsätzlich gelte es vor solchen Partien stets abzuwägen, wie hoch man ins Risiko gehe. Oliver Glasner umschreibt das so: „Machen wir den Laden dicht oder spielen wir wilde Sau wie in Bremen?“ Noch so ein Philosoph aus Österreich. (Thomas Kilchenstein)

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