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Lieferten sich erbitterte Duelle: Carlos Zambrano (links) und Robert Lewandowski.
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Lieferten sich erbitterte Duelle: Carlos Zambrano (links) und Robert Lewandowski.

Eintracht Frankfurt - Bayern München

Eintracht erkämpft ein 0:0

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
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Eintracht Frankfurt gelingt eine dicke Überraschung: Die Frankfurter machen gegen Bayern München die blamable Leistung aus dem Pokalspiel in Aue wieder wett und trotzen dem Dauermeister ein respektables 0:0 ab.

Als dann auch die fünfte Minute der Nachspielzeit vorüber und die faustdicke Überraschung tatsächlich Realität geworden war, nahm die Lautstärke im Oval orkanartige Ausmaße an. Ein Aufschrei der Erlösung hallte durch die Arena im Stadtwald, die Mannen in den schwarzroten Hemden reckten die Arme in die Höhe, ballten die Fäuste.

Eintracht Frankfurt war das gelungen, was zuvor alle als unmöglich eingestuft hatten. Gerade die bis ins Mark verunsicherten Hessen nahmen dem alten und sicherlich auch neuen deutschen Meister in der elften Bundesligabegegnung die ersten Punkte in dieser Saison ab: Nach 95 Minuten freute sich die Eintracht-Entourage über ein 0:0 gegen den Rekordmeister. Der Punktgewinn der aufopferungsvoll kämpfenden Eintracht war nicht mal unverdient.

Nicht auszudenken, wenn die Mannschaft diesen Willen, diese Einstellung und diese Leidenschaft in den bisherigen Bundesligaspielen gezeigt hätte. Diese Leistung war mehr als ein Achtungserfolg, es war ein Ausrufezeichen inmitten der sich breitmachenden Tristesse im Stadtwald. Vielleicht war dieses heißblütig erkämpfte Remis gegen eine der besten Mannschaften der Welt sogar ein neuer Anfang. „Das war eine Riesenleistung von unserer Mannschaft“, lobte Sportdirektor Bruno Hübner . Da könne man nur den Hut ziehen.

Die Eintracht beschränkte sich darauf, ein engmaschiges Netz zu knüpfen. Selten hat man in der Bundesliga eine Mannschaft ähnlich defensiv Fußball spielen sehen, noch dazu vor heimischem Publikum in einer Partie, die früher einmal das Spiel des Jahres war. Das war freilich zu einer Zeit, als die Bundesliga noch einen 18 Klubs umfassenden Wettbewerb darstellte und nicht eine Mannschaft in ihrer eigenen Liga spielt und ihre Kreise zieht.

Wenn die Bayern kommen, war früher Aufregung und Kitzel zu spüren, oft genug gab es ein Spektakel zu bestaunen. Diesmal wollten sich viele dieses einstige Highlight-Spiel gar nicht mehr ansehen, was nicht nur an der desaströsen Leistung der Eintracht zuletzt lag, sondern auch an der gar nicht mehr so neuen Langweile in Deutschlands Premiumklasse. Wenn vorher nur über die Höhe des Bayern-Sieges spekuliert wird, ist das der Spannung abträglich. Die Freude danach, wenn etwas Außergewöhnliches passiert, aber umso größer.

Genau aus diesem Grund wählte Armin Veh, der Trainer der so heillos verunsicherten Frankfurter Mannschaft, eine Verhinderungstaktik, die man in dieser Form von einem Eintracht-Team daheim noch nicht gesehen hat. Und er hat, man muss das so sagen, sehr wahrscheinlich genau die richtige Taktik gewählt. Der Zweck heiligt bekanntlich alle Mittel, und dieses nicht besonders schöne, aber völlig legitime Mittel schmeckte den Bajuwaren ganz und gar nicht.

Seferovic als Verteidiger

Die Platzherren zogen sich ganz weit zurück, 35, 40 Meter vor dem eigenen Tor bauten sie ihre beiden Abwehrriegel auf. Haris Seferovic, für gewöhnlich die Sturmspitze, verrichtete seinen Dienst am linken Flügel, aber nur allzu selten in der Offensive. Die meiste Zeit half der Schweizer hinten aus, spielte einen verkappten Linksverteidiger neben Bastian Oczipka. Mit gemeinsamen Kräften stemmten sie sich gegen Arjen Robben oder auch Kingsley Coman, auf der anderen Seite sah es nicht anders aus, dort versuchte Flügelspieler Stefan Aigner den Rechtsverteidiger Makoto Hasebe zu unterstützen – gegen den pfeilschnellen Douglas Costa gelang das nicht ganz so gut.

Die Frankfurter, zuletzt mit einer peinlichen Leistung beim Drittligisten in Aue aus dem Pokal ausgeschieden, holten sich mit ihrer Mauertaktik peu à peu ein bisschen mehr Sicherheit und Stabilität. „Wir waren heute ein Team“, erklärte Stürmer Haris Seferovic den großen Unterschied. Die Bayern, die keineswegs die große Rotationsmaschine anwarfen und mit einer erstklassig besetzten Mannschaft antraten, taten sich verdammt schwer, den Eintracht-Kokon aufzuweichen, knacken konnten sie ihn sowieso nicht.

Vielleicht hätte das anders ausgesehen, wenn Arturo Vidal seinen Kopfball nach elf Minuten so platziert hätte, dass er den Weg in die Maschen gefunden hätte, doch er köpfte zu unplatziert, sodass der bärenstarke Frankfurter Torwart Lukas Hradecky die Kugel über die Querlatte lenken konnte. Was sich beinahe unglaublich anhört: Es war fast die einzige Bayern-Chance im gesamten ersten Durchgang.

Die Eintracht ihrerseits fand in der Offensive so gut wie gar nicht statt, ein Schuss von Haris Seferovic ging weiter übers Tor, sonst war da nichts zu sehen. Doch als die Hessen kurz vor der Halbzeit ihren ersten Eckball herausholte, da brandete im weiten Rund ein ohrenbetäubender Jubel auf, als hätten die zuletzt so verschmähten Lieblinge gerade den Führungstreffer erzielt. Da hatten sich die Zuschauer schon längst wieder mit dem Eintracht-Team versöhnt. Die Mannschaft wurde mit viel Applaus in die Kabine geschickt.

Und im zweiten Durchgang, befeuert durch die couragierte Hälfte und die Einfallslosigkeit der Über-Bayern, wurden die Frankfurter merklich mutiger. Längst hatten sie wieder Zutrauen gefunden, und sie wagten sich nach vorne. Nachdem sie die Schrecksekunde elf Sekunden nach dem Seitenwechsel überstanden hatten, als Carlos Zambrano ausrutschte und Costa freistehend verzog, wählten sie ihrerseits den Vorwärtsgang. Nach einer Ecke von Marc Stendera stand plötzlich Alexander Meier frei, bugsierte den Ball aber irgendwie am Pfosten vorbei und nicht ins Tor (53.). Und nur eine Minute später prüfte Stendera Nationaltorwart Manuel Neuer, der selbst den Mittelfeldspieler erst in Position gebracht hatte.

Nicht mal fünf Minuten später brannte es noch einmal im Münchner Strafraum, als der nimmermüde kämpfende Aleksandar Ignjovski eine Flanke flach nach innen zog. Es war die beste Phase der Platzherren, und es war die Zeit, da die Eintracht nicht nur an einer Überraschung schnupperte, sondern ganz weit im Hinterkopf vielleicht sogar die riesengroße Sensation hatte.

Dazu sollte es nicht reichen, aber es reichte zu der faustdicken Überraschung, auch weil Lewandowski aus aussichtsreicher Position verzog (76.). Die Eintracht stemmte sich mannhaft gegen die Niederlage, sie kämpfte und rackerte, jeder Zentimeter des Feldes wurde beackert, kein Zweikampf ausgelassen. Und am Ende holten sich die zuletzt so arg gescholtenen Frankfurter ihren verdienten Lohn ab.

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