+
Christoph Daum wird neuer Eintracht-Coach.

Paukenschlag in Frankfurt

Eintracht entlässt Skibbe und holt Daum

Trainer-Hammer in Frankfurt: Die Eintracht zieht am Dienstagmorgen die Reißleine und entbindet Trainer Michael Skibbe von seinen Aufgaben. Neuer Trainer, und das ist ein Paukenschlag, wird Christoph Daum (mit aktuellem Video).

Von Ingo Durstewitz und Thomas Kilchenstein

Trainer-Hammer in Frankfurt: Die Eintracht zieht am Dienstagmorgen die Reißleine und entbindet Trainer Michael Skibbe von seinen Aufgaben. Neuer Trainer, und das ist ein Paukenschlag, wird Christoph Daum (mit aktuellem Video).

Um kurz nach zehn am Dienstagmorgen fuhr Michael Skibbe nach zwei trainingsfreien Tagen am Stadion im Stadtwald vor. Der Eintracht-Trainer, der längste Zeit Eintracht-Trainer ist, marschierte schnurstracks in die Kabine der Mannschaft. Zum letzten Mal. Der 45-Jährige verabschiedete sich von seinen Spielern, das für 11 Uhr angesetzte Training leitete Skibbe schon nicht mehr. Zuvor war er in einem persönlichen Gespräch von seinen Aufgaben entbunden worden. Am Mittwoch wird Christoph Daum übernehmen. Der 57-Jährige erhält zunächst einen Vertrag bis Saisonende. „Ich will eine Aufbruchstimmung in Frankfurt erzeugen. Mein Wunsch ist es, dass der 1. FC Köln und die Eintracht drin bleiben. Frankfurt zu übernehmen, ist für mich kein Rückschritt“, sagte Daum dem Kölner Express: „Die Eintracht ist ein Traditionsverein mit Riesenpotenzial. Ich bin kein Feuerwehrmann, ich bin ein Konzept-Trainer. An die 2. Liga denke ich daher nicht.“

Beide Seiten wollen aber über das Rundenende hinaus zusammenarbeiten. Im Falle des Klassenerhalts soll sich der bis zum Saisonende gültige Vertrag um zwei Jahre verlängern. Daum, der zuletzt in der Türkei bei Fenerbahce Istanbul arbeitete und zuvor in Köln war, hatte stets betont, in die Bundesliga zurückkehren zu wollen. Dass ihn nun ausgerechnet die Eintracht mit Heribert Bruchhagen an der Spitze holt, ist schon eine riesengroße Überraschung, ja eine Sensation. Daum war durch seine Koks-Affäre im Jahr Oktober 2000 in Deutschland lange Zeit beschädigt, erst im Jahr 2006 holte ihn der 1. FC Köln zurück. Daum sollte damals, als ihn Uli Hoeneß zu Fall brachte, Bundestrainer werden.

Skibbes Zeit als Coach in Frankfurt war am Montag abgelaufen, am Dienstag gab Eintracht-Boss Heribert Bruchhagen die Trennung bekannt. Nach mehr als anderthalb Jahren. Und trotz des ersten Rückrundensieges am Samstag gegen den FC St. Pauli. Der Vorstandsvorsitzende sah sich zum Handeln gezwungen, weil er in großer Sorge um die sportliche Entwicklung der Mannschaft ist. Genau ein Sieg in zehn Spielen war dem Team gelungen, ein glücklicher am Samstag gegen die Hamburger. Viel schlimmer: Die Mannschaft, das spürte und sah jeder, war am Ende, verunsichert, leblos, völlig von der Rolle. Es war an der Zeit, den Rettungsanker zu werfen.


Bruchhagen hatte wohl schon vor der Partie gegen St. Pauli die Weichen für eine Trennung gestellt. Deshalb konnte auch der glückliche Sieg den glücklosen Skibbe nicht mehr retten. Der Eintracht-Chef hätte den Coach noch am Samstag abberufen, wenn es schiefgegangen wäre gegen Pauli. So nahm er sich noch zwei Tage Zeit, um alles perfekt zu machen. Im Grunde ließ sich alles auf die Frage reduzieren: Durfte Bruchhagen seinen eigenen Masterplan in Frage stellen, nur weil ein Hamburger Abwehrspieler ausgerutscht war und die Eintracht deshalb das Spiel gewann? Natürlich nicht.

Michael Skibbe hatte die Eintracht im Jahr 2009 von Friedhelm Funkel übernommen, er führte die Eintracht nach oben, die Mannschaft hatte sich fußballerisch verbessert. Doch Skibbe ist auch verantwortlich für den beispiellosen Absturz der Hessen, er konnte den freien Fall nicht mehr stoppen. Er wirkte ratlos, hatte ganz offensichtlich keinen Plan B in der Tasche. Er wusste nicht mehr, wie er den Sturz abwenden sollte. Mit Skibbe, und diese Angst beschlich auch Bruchhagen, wäre die Eintracht nur schwer in der Klasse zu halten gewesen. Nun handelte Bruchhagen. Vielleicht noch rechtzeitig. Jetzt soll Christoph Daum retten, was zu retten ist. Am Sonntag in einer Woche kommt es gleich zum brisanten Duell in Wolfsburg: Magath gegen Daum. (mit dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare