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Rettete immer wieder in höchster Not: Frankfurts Martin Hinteregger (rechts) klärt gegen Timo Werner.

Eintracht-Defensive

Starke Schattenmänner

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In der Eintracht-Defensive wissen drei erfahrene Recken und ein blutjunger Profi mit Schmutzarbeit zu überzeugen.

Hinterher ist Makoto Hasebe schnurstracks ans Flatterband gekommen und hat ausführlich mit den Reportern gesprochen. Zuerst mit seinen japanischen Landsleuten, die nach jedem Spiel des mittlerweile 35-Jährigen förmlich an seinen Lippen hängen. Auch in Japan wollen die Seiten der Sportzeitungen gefüllt werden, dort wie hier wird es niemals langweilig, über die herausragenden Leistungen des ehemaligen Nationalmannschaftskapitäns zu berichten. Und seine Leistungen waren auch in der Abwehrschlacht gegen RB Leipzig wieder phänomenal.

So sehr, dass der Frankfurter Trainer Adi Hütter hinterher angesichts des fortgeschrittenen Alters des Makoto Hasebe gefragt wurde, ob es nicht fast schon an „ein Wunder“ grenze, wie der Mann Fußball spiele. Nun ja, ein Wunder sei das nicht, „Makoto hat einfach Spaß am Fußball“, entgegnete der Trainer, zudem lebe er vorbildlich, arbeite hochprofessionell; dazu ist ihm die Rolle als freier Mann in der Dreierkette förmlich auf den drahtigen Leib geschrieben. Derzeit, und das ist nicht zu hoch gegriffen, befindet sich Hasebe in der Form seines Lebens.

Ohnehin funktionierte das Frankfurter Abwehrbollwerk in Leipzig nahezu perfekt. Es waren in diesem Spiel die zentralen Verteidiger plus Gelson Fernandes als Abräumer im defensiven Mittelfeld, die das 0:0 gewannen. Sie allein sorgten dafür, dass die Hessen unbeschadet aus dieser Partie gingen. Für Hasebe, Fernandes, sowie Martin Hinteregger und Evan Ndicka gab es hinterher von Trainer Hütter ein dickes Lob. Denn diesmal waren es nicht die drei außergewöhnlichen Stürmer, die der Begegnung den Stempel aufdrückten, sondern die, die oft im Schatten stehen und Schmutzarbeit verrichten.

Gerade Martin Hinteregger in seinem erst zweiten Spiel für die Frankfurter war in der ersten Halbzeit schier unüberwindlich, zweimal blockte er in höchster Not Schüsse der Leipziger ab, ein anders Mal holte er den enteilten Youssef Poulsen gerade noch ein. „Er hat keinen Fehler gemacht“, hob Hütter den Daumen. Sein Landsmann habe „ein Extra-Kompliment“ verdient. Dabei war es für den 26-Jährigen in Leipzig nicht leicht.

Pfiffe gegen Hinteregger

Es ist bekannt, dass Hinteregger, die enge Verbindung von RB Leipzig und RB Salzburg kritisch sieht. Salzburg werde von Leipzig aus gesteuert, hatte er gesagt und ausgeschlossen, jemals für die Leipziger zu spielen. Spätestens nach einem Foul, als Hinteregger das Bein etwas zu weit nach oben gehoben hatte, war er beim Leipziger Publikum unten durch und wurde lange bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen. Das steckte er munter weg. Dazu kam ihm das aus Frankfurter Sicht eher untypische Spiel entgegen: Sich reinzuhauen, zu kämpfen und zu ackern, das liegt dem Mann. Und die langen Bälle schlägt der beim FC Augsburg wegen despektierlicher Aussagen in Ungnade gefallene Linksfuß ohnehin gern.

Jedenfalls stand die Frankfurter Abwehr so sicher und stabil wie lange nicht mehr, Evan Ndicka, der blutjunge Franzose, stand den erfahrenen Abwehrrecken in Nichts nach. Erstaunlich, wie selbstverständlich der 19-Jährige brenzlige Situationen fußballerisch zu lösen versucht. Und wo immer ein Loch zu stopfen war, war der Schweizer Fernandes nicht weit, der ein ums andere Mal ein Bein an den Ball bekam oder mit einer Grätsche rettete. „Wir haben als Mannschaft verteidigt“, sagte er wohlwissend, dass das Gros der Arbeit aber tatsächlich an den defensiv ausgerichteten Mannschaftsteilen hängen geblieben war. Erstaunlicherweise musste hingegen Torwart Kevin Trapp in Leipzig nicht besonders oft eingreifen, entweder strichen die Schüsse oder Kopfbälle am Tor vorbei, prallten an den Pfosten, meist aber nahmen ihm seine Vorderleute die Arbeit ab.

Eintracht Frankfurt stellt in der Tat zwar die fünftbeste Abwehr (27 Gegentore), ein 0:0 ist aber ein Ergebnis, das es in dieser Saison bei der Eintracht noch nie gegeben hat. Weil die Hessen im Regelfall extrem offensiv ausgerichtet sind, fallen zum einen vorne viele Tore (40), zum anderen ist die Elf insgesamt anfällig für Gegentore, weil nicht immer alle Räume verstellt werden können.

Zuletzt hat Eintracht Frankfurt aber gerade für die Abwehr massiv nachgelegt, und allein in der Winterpause drei Verteidiger verpflichtet, neben Hinteregger bekanntlich noch Almamy Touré und den Brasilianer Tuta. Das war nötig, weil Carlos Salcedo den Klub verlassen hat, Simon Falette zu viele Fehler macht und Kapitän David Abraham schon viel zu lange wegen seiner Wadenverletzung ausfällt. Hinteregger hilft der Mannschaft sofort weiter.

Auch am Donnerstag. beim Auswärtsspiel in der Europa League gegen Schachtjor Donezk werden die abwehrenden Kräfte gefragt sein. Weniger Arbeit als gegen Leipzig wird nicht auf sie zukommen, eher mehr. Doch eine erste Bewährungsprobe haben sie prima gemeistert.

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