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Bastian Oczipka (von links nach rechts), Marc Stendera, Torwart Kevin Trapp, Timothy Chandler und Stefan Aigner gehen nach der 1:3-Niederlage vom Platz.

Mainz 05 - Eintracht Frankfurt

Eintracht bricht auseinander

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Eintracht Frankfurt verliert ein hektisches und zerfahrenes Nachbarschaftsduell in Mainz mit 1:3. Dabei schafften es die Hessen nicht, einen Vorsprung zu halten. Die Eintracht spielt bedenklich schlecht, muss nächste Woche zudem ohne Carlos Zambrano und Haris Seferovic auskommen.

Trainer Thomas Schaaf, der alte Fahrensmann, biss sich auf die Zunge. Einen Kommentar zu Schiedsrichter Felix Brych? „Ich werde nur Fragen zu meiner Mannschaft beantworten“, sagte der 53-Jährige und wählte die kluge Variante des Selbstschutzes. Denn in dem Eintracht-Trainer, das konnte man während der Partie in Mainz mühelos beobachten, brodelte es. Da führte sich der Fußballlehrer fast schon auf wie ein HB-Männchen, tobte in seiner Coaching-Zone umher und beklagte sich mehrfach wortgewaltig bei Florian Meyer, dem Vierten Offiziellen. Hinterher schluckte er seinen Ärger einfach runter.

Spiel mit Haken und Ösen

Bruno Hübner, der Sportdirektor, hatte sich weniger gut im Griff. Der Manager feuerte eine volle Breitseite gegen den Unparteiischen ab. „Er kann es einfach nicht“, schimpfte Hübner.  Felix Brych  sei auf dem absteigenden Ast. „Ich habe ihn mal für einen guten Schiedsrichter gehalten, aber ist schlechter geworden“, sagte der 54-Jährige. „Er verliert total seine Linie im Spiel, das ist außergewöhnlich für so einen erfahrenen Mann.“

Was Hübner so auf die Palme brachte, waren viele Entscheidungen Brychs, die dieser nach Meinung Hübners stets für die Mainzer ausgelegt hatte. „Und dann bekommt der Gegner immer wieder einen Freistoß und irgendwann halt ein Übergewicht.“ Der Sportchef störte sich vor allen Dingen an der Bewertung der vielen Zweikämpfen zwischen dem Mainzer Angreifer Shinji Okazaki und dem Frankfurter Verteidiger Carlos Zambrano. „Okazaki provoziert von der ersten bis zur letzten Minute, er springt immer in den Gegner rein, aber gepfiffen wird immer gegen den Abwehrspieler“, monierte der Manager. „Der Schiedsrichter hat aber auch die Aufgabe, den Abwehrspieler zu schützen.“

Nun ist Carlos Zambrano so in etwa das Gegenteil eines Unschuldslammes. Der Peruaner ist einer, der mit Haken und Ösen spielt, der selbst bis aufs Blut provoziert und den Gegner mit fast allen Mitteln bekämpft. Prompt sah der Abwehrspieler in der hektischen und aufwallenden Begegnung die Gelb-Rote Karte (83.) und wird den Hessen am Samstag im Heimspiel gegen den HSV fehlen. Zambrano war erst von einer abgebrummten Gelbsperre in die Mannschaft zurückgekehrt. „Sogar ich als Mitspieler muss sagen, dass das klar Gelb-Rot war“, befand denn auch Marco Russ.

Hübner wollte Zambrano nicht in Schutz nehmen, er habe sich als Profi im Griff zu haben, „darüber müssen wir nicht reden“, doch wenn „man nur provoziert wird, geht einem halt irgendwann der Gaul durch.“

Hübner störte sich an der generellen Spielleitung des Unparteiischen, „mir geht es um die Auslegung der Zweikämpfe“, und die seien in diesem Fall für die Mainzer Angreifer und gegen die Frankfurter Abwehrspieler ausgefallen. Hübner aber war immerhin so fair, die Schuld für die Niederlage nicht beim Schiedsrichter zu suchen. „Um Gottes Willen, nein, am Schiri lag es nicht. Wir hätten auch mit keinem anderen gewonnen.“ Das kommt der Wahrheit schon sehr viel näher.

Denn bei aller Emotion und dem offenkundigen Gefühl, Unrecht erlebt zu haben: Eintracht Frankfurt hat dieses brisante Duell beim Nachbarn aus Mainz einzig und allein deshalb verloren, weil die Mannschaft aus unerfindlichen Gründen einbrach und sich von den Rheinhessen quasi überrollen ließ. Die Leistung des Teams im zweiten Abschnitt war völlig indiskutabel, merkwürdig harmlos und hilflos. Die Eintracht ließ sich den Schneid abkaufen, sich vom Spielverlauf aus dem Konzept bringen, die Spieler rieben sich in Privatduellen auf,  meckerten, zeterten und zerrten. Sie verzettelten sich,  ließen sich völlig aus dem Tritt bringen. „Wir haben uns nicht mehr auf Fußball konzentriert, sondern nur noch auf die Treterei“, kritisierte Marco Russ zurecht.

Es war ein wildes, ideenloses Spiel der Frankfurter, da stand keine Mannschaft mehr auf dem Platz, die ein Konzept verfolgte, sondern eine, die ihr Heil in einer Art Hauruckfußball ohne Masterplan versuchte. Die Spieler selbst, die übrigens kein negatives Wort über den Referee verloren, waren nach der Derbypleite völlig fassungslos. „Es ist unerklärlich, was passiert ist“, krächzte Stefan Aigner, der die Eintracht sogar mit 1:0 in Führung gebracht hatte (35.). Das hätte vielleicht besser nicht passieren dürfen, denn unerklärlicherweise schalteten die Frankfurter sofort einen Gang zurück.

Unter die Räder gekommen

Nach einer wahren Fehlerkette im Mittelfeld gingen die Mainzer plötzlich alleine auf Eintracht-Torwart Kevin Trapp zu: Okazaki legte quer auf Christian Clemens, der einschob (38.). Nach der Pause dauerte es dann genau fünf Minuten, ehe die Eintracht erlegt war. Erst zirkelte Johannes Geis einen Freistoß aus höchst spitzem Winkel in den Winkel - Torwart Trapp machte da keine glückliche Figur (47.). Und drei Minuten später machte Yunus Malli mit dem 3:1 alles klar. Die Eintracht war nicht mehr in der Lage, sich aufzubäumen. Das kennt man schon: Auch in Freiburg zum Rückrundenauftakt kamen die Hessen nach 1:0-Führung total unter die Räder und verloren mit 1:4.

Der Frust saß tief und spielte fortan munter mit: Haris Seferovic etwa holte sich nach einer Stunde eine Gelbe Karte ab – seine fünfte. Auch er wird am Samstag fehlen. Da trifft es sich ja, dass die Eintracht erst in dieser Woche Vaclav Kadlec nach Prag abgegeben hat. Der 22-Jährige war der letzte Angreifer im Aufgebot. 

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