Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Nichts geht mehr: Eintracht Frankfurt und Djibril Sow auf der Suche nach Grün.
+
Nichts geht mehr: Eintracht Frankfurt und Djibril Sow auf der Suche nach Grün.

SGE

Am Boden: Eintracht Frankfurt schlittert in neue Krise

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
    schließen
  • Daniel Schmitt
    Daniel Schmitt
    schließen

Eintracht Frankfurt schliddert nach der 1:2-Heimniederlage gegen Hertha BSC langsam in eine Krise. Eine sportliche Weiterentwicklung ist nicht zu erkennen.

Frankfurt – Alkohol ist auch keine Lösung, bisweilen aber hilft er über kritische Situationen hinweg, zumindest in Maßen. „Vielleicht“, sagte der Frankfurter Trainer Oliver Glasner nach einer ziemlich ernüchternden 1:2 (0:1)-Heimniederlage gegen ein wahrlich nicht überragendes Team von Hertha BSC, „vielleicht kippe ich mir heute einen hinter die Binde.“ Das ist eine Möglichkeit. Eine andere wäre: Zu hinterfragen, wie Eintracht Frankfurt künftig besser, strukturierter, planvoller Fußball spielt.

Tatsächlich ist Eintracht Frankfurt, nachdem die Hälfte der Vorrunde gespielt ist, an einem Punkt angelangt, an dem ein paar Fragen gestellt und möglichst bald beantwortet werden sollten. Welche Art von Fußball wollen die Frankfurter eigentlich spielen? Wie sollen Chancen kreiert werden? Auf was kann sich die Mannschaft eigentlich zurückziehen, was ist, um es hochtrabend zu formulieren, die DNA dieses Teams? Was verlangt Oliver Glasner eigentlich von seiner Mannschaft? Ein tragbares Spielkonzept ist nicht recht zu erkennen, der Ball flippert wildwestgleich durchs Mittelfeld oder zurück, Kombinationen über ein paar Stationen sind mittlerweile die Ausnahme, die spielerischen Parameter sinken von Spieltag zu Spieltag in immer tiefere Tiefen, dafür schnellt die Zahl an Fehlpässen in schwindelerregende Höhen. Was die Eintracht eigentlich will, ist allenfalls in homöopatischen Dosen zu erkennen. Makoto Hasebe, der große Spielversteher, hat die 90-minütige Stolperei vom Samstag auf einen einfachen Nenner gebracht: „Vorne war es zu wenig, und hinten haben wir zu viele Fehler gemacht.“

Eintracht Frankfurt: Selbst Routiniers beginnen zu wackeln

Auch er war an diesem Samstag nicht auf der Höhe, das muss zu denken geben. Nun fangen gar die Alten, die Routiniers, an zu wackeln, auch Martin Hinteregger agiert inzwischen fahrig, ihm unterlaufen Fehler. Die ganze Mannschaft wirkt mittlerweile verunsichert, es fehlt ein Plan, eine Idee davon, wie das Spiel gestaltet werden soll. Er habe den Eindruck, sagt Glasner, „wir spielen den Ball zu Filip Kostic und hoffen, der macht das dann schon“, das sei zu wenig. Selbst wenn es oft genug gereicht hat. Gegen Hertha nicht, weil die Berliner den Serben in den 90 Minuten in erstaunliche 44 Pressingsituationen gebracht hatten - und trotzdem lieferte der 29-Jährige die mit Abstand meisten Torvorlagen (7)

Kommentar

Eintracht Frankfurt hat falsch eingekauft

Andererseits fällt es in den direkten Verantwortungsbereich des Fußballlehrers, mit dem Team eine gewisse Spielkultur zu entwickeln, Automatismen einzuschleifen, eine Philosophie zu erarbeiten, ihr einen tragfähigen Spielplan mitzugeben. Dieser Matchplan ging vor 14 Tagen in München perfekt auf, dieses Mal lag Oliver Glasner mit der Auswahl seines Personals komplett daneben. Sam Lammers, Jesper Lindström und Jens Petter Hauge gemeinsam für die Startformation zu nominieren, war ein spielentscheidender Fehler, alle drei sind noch sehr weit weg von Bundesligaformat, alle drei wirken weiterhin eher wie Jugendspieler denn gestandene Profis. Sie waren Totalausfälle. Wohl auch deswegen formulierte Torwart Kevin Trapp seine Analyse so: „Das Spiel hat nicht Hertha gewonnen, sondern wir haben es verloren.“

Es erschließt sich nicht recht, was Fachmann Glasner in diesem Trio sieht - mehr offenbar als in Daichi Kamada, der erneut nur auf der Ersatzbank Platz nehmen musste. Als der Japaner, der im vergangenen Jahr noch auf 15 Vorlagen und fünf Tore kam, nach der Pause endlich mitspielte, war ein Hauch mehr Stringenz im Team. Auch Goncalo Paciencia, der erst ab der 70. Minute randurfte und dann immerhin den Elfmeter provozierte und zum 1:2 verwandelte (78.), wäre eine bessere Alternative gewesen.

Eintracht Frankfurt: Glasner übt Selbstkritik

Hinterher hat Trainer Glasner seinen Fehlgriff selbstkritisch eingeräumt, das spricht für ihn. „Wir sind alle Schuld an der Niederlage, auch ich, das war auch zu wenig von mir.“ Er hätte früher Korrekturen vornehmen können, früh war zu erkennen, dass mit dieser Spielanlage die Hertha nicht in die Bredouille zu bringen war. „Jetzt kann man sagen, wir haben zu spät gewechselt“, sagt Glasner. Andererseits scheinen die vielen Umstellungen, personeller wie taktischer Art, nicht förderlich für diese Mannschaft zu sein. Und wo ist eigentlich die viel beschworene breite Brust, das neue Selbstbewusstsein, das die Hessen doch haben müssten nach den beiden letzten Siegen gegen Bayern und Antwerpen? Viel war davon nicht zu sehen gegen ein Berliner Ensemble, das ja ebenfalls angeschlagen war und zuletzt mental am Krückstock ging?

Grundsätzlich, das kommt halt noch dazu, tut sich die Mannschaft weiterhin verdammt schwer, wenn sie auf tief stehende Gegner trifft, „da müssen wir nicht um den heißen Brei herumreden“, sagt Glasner und zählt ein paar Baustellen auf: Man müsse die Eins-gegen-eins-Situationen gewinnen, schneller spielen, mehr Abschlüsse kreieren. Man agierte „zu einfältig“, hatte eine „schlechte Box-Verteidigung“, die Berliner schlugen durch Marco Richter (7.) und Jurgen Ekkelenkamp (63.) schonungslos Kapital daraus. Zudem „haben wir gefühlt jedes Duell verloren“. Ein bunter Strauß an Defiziten. Und nach elf Pflichtspielen ist eine sportliche Weiterentwicklung nirgendwo erkennbar.

Da ist es logisch, dass Torraumszenen die Ausnahme waren, selbst in einer kurzen Druckphase nach der Pause erspielten sich die Hausherren kaum Tormöglichkeiten, „da muss man ehrlich sein: Wir können uns nicht zehn Hochkaräter herausspielen.“ Neun Tore in acht Bundesligaspielen ist nicht viel. Er werde, versprach Trainer Glasner, „sehr kritisch mit uns umgehen“ und versuchen, Lehren aus dem bislang schwächsten Saisonspiel zu ziehen. Aber viel (Trainings-)Zeit bleibt nicht, am Donnerstag kommt in der Europa League Olympiakos Piräus in den Stadtwald. „Es ist meine Aufgabe, Lösungen zu finden“, nimmt sich Glasner in die Pflicht.

Und im Wein liegt ja bekanntlich die Wahrheit. (Thomas Kilchenstein, Daniel Schmitt)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare