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Eintracht ärgert sich nur kurz

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Von: Ingo Durstewitz, Daniel Schmitt

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Enttäuscht von der Nullnummer: Kevin Trapp. Foto: Imago images
Enttäuscht von der Nullnummer: Kevin Trapp. © IMAGO/Zink

Eintracht Frankfurt müht sich zu einer langweiligen Nullnummer gegen den Letzten aus Fürth, schaltet aber sofort in den Barcelona-Modus.

Der Einzige, der ernsthaft sauer zu sein schien über dieses uninspirierte Gemurkse gegen den Letzten aus Fürth, war offenbar Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche. So mir nichts, dir nichts wollte der 41-Jährige nicht zur Tagesordnung übergehen und in den Barcelona-Modus schalten. Diese Nullnummer gegen das Schlusslicht aus Franken wurmte Krösche, schließlich war es der Manager selbst, der die europäischen Ambitionen stets klar artikuliert hatte und auch nicht von ihnen abrücken wollte, als der Rückstand auf einen internationalen Startplatz zuletzt auf sechs, sieben Punkte angewachsen war.

Den Abstand hätte die Eintracht nun verringern können, weil einige der vor ihr liegenden Konkurrenten patzten, doch mit einem null-null lässt sich kaum Boden gutmachen. „Wir haben eine große Chance verpasst“, moniert der Sportchef, „wir hätten einen großen Schritt machen können.“ So aber tritt die Eintracht weiter auf der Stelle und bleibt im Mittelfeld verhaftet. Das war anders geplant.

Trainer Oliver Glasner wollte sich aber gar nicht lange damit aufhalten, dass die Eintracht die Vorlage der Rivalen nicht verwerten konnte. „Ich schaue nie auf die anderen, und auch nicht darauf, was der Nachbar für ein Auto fährt“, sagt der 47-Jährige. „Das ist nicht mein Zugang.“ Glasner lobt lieber seine Mannschaft für elf zu eins Torschüsse in der zweiten Halbzeit und auch dafür, dass sie mit der richtigen Einstellung unterwegs gewesen sei. „Viele sahen ja die großen Fragezeichen: Sind die Spieler bei der Sache oder mit dem Kopf schon bei Donnerstag?“ Sein Team habe „eindrucksvoll gezeigt“, dass die Konzentration voll auf Fürth gelegen habe, bis zur letzten Minute habe es die zähe Partie gewinnen wollen, leider habe der Fürther Schlussmann Andreas Linde „ein paarmal grandios gehalten“.

Das war dann, so alles in allem, doch etwas zu dick aufgetragen, in Wahrheit hat der Keeper einmal hervorragend pariert (bei einem Schuss von Jesper Lindström, 42.) und einmal gut reagiert (bei einem Drehschuss von Goncalo Paciencia, 80.), doch beides kann ein Bundesligatorwart auch mal halten. Viel mehr hochkarätige Gelegenheiten hatten die Frankfurter nicht, wohlgemerkt gegen den Tabellenletzten, der zuvor auf fremden Terrain erst einen Punkt hat entführen können.

„Es war ein Spiel, das die Saison widerspiegelt“, fasst Kapitän Sebastian Rode zusammen und liegt damit richtig. Es war eine Begegnung, die auch ganz gut als Blaupause für die Rückrunde dient. In der haben die Hessen nur selten überzeugen können. Von elf Partien konnten sie nur drei gewinnen, fünfmal zogen sie den Kürzeren, Torverhältnis 12:14. Das ist nicht gerade üppig. Insgesamt stehen sie nach 28 Spieltagen um 14 Punkte und 20 Tore schlechter da als in der vergangenen Saison. Und: In mehr als der Hälfte der Rückrundenpartien blieben sie ohne eigenen Torerfolg, in den letzten drei Pflichtspielen gelang ihnen kein eigener Treffer in 90 regulären Minuten. Das ist vieles, aber kein Zufall.

Natürlich hat auch Coach Glasner erkannt, wo der Schuh drückt und dass sich die Mannschaft schwer tut, hochkarätige Tormöglichkeiten herauszuspielen, erst recht gegen Gegner, die sich in der eigenen Hälfte verbarrikadieren. „Wir wollten der Eintracht wenig Tiefe geben“, analysierte der Fürther Trainer Stefan Leitl. „Wir wussten, dass sie dann Probleme kriegen.“ So einfach also lässt sich der Eintracht der Zahn ziehen.

„Es ist keine ganz neue Erkenntnis, dass wir uns dann schwer tun“, räumt Glasner ein. Der Fußballlehrer führt einige Gründe dafür an: „Wir spielen zu früh nach Außen, haben keine Kopfballungeheuer drin und auch keine Spieler, die vorher bei ihren Klubs 15 Tore erzielt haben.“ Das stimmt alles. Auch die vielen Flanken, letztes Jahr im Zusammenspiel mit André Silva die Erfolgsformel, zerschellen an der Abwehrmauer des Gegners. „Wir haben zu langsam, zu statisch gespielt“, kritisierte Sportboss Krösche, „wir hatten kaum Intensität in unseren Situationen.“

Und es ist keine Offensivkraft im Aufgebot, die augenscheinlich besser ist als die, die zurzeit spielen. Andererseits hat es der Trainer in vielen Wochen nicht geschafft, der Mannschaft ein Spielsystem an die Hand zu geben, in dem Automatismen greifen und welches sie besser werden lässt. „Wir müssen auch mal einen Entwicklungsschritt machen“, klagt Mittelfeldmotor Djibril Sow.

Der Coach verändert auch gegen tiefstehende Gegner nichts – weder personell noch taktisch. Es mal mit einer zweiten Spitze oder einer Raute im Mittelfeld zu probieren, wagt er nicht. Wahrscheinlich auch, weil es zulasten der generellen Stabilität gehen könnte, denn bei aller Harmlosigkeit in der Offensive muss man festhalten, dass die Eintracht defensiv geordnet und strukturiert steht, sie gewiss nicht leicht auseinander zu spielen ist.

Mit besonders viel Rückenwind geht die Eintracht also nicht in das Jahrhundertspiel am Donnerstag gegen den FC Barcelona (21 Uhr/RTL), doch an der grundsätzlichen Stoßrichtung hat das traurige Remis gegen den designierten Absteiger nichts geändert: „Natürlich werden wir da auf Sieg spielen“, gibt Glasner die Marschroute vor. „Das ist ganz klar.“

Genauso klar ist, dass die beiden Spiele nicht im Ansatz miteinander zu vergleichen sind, die Barcelona-Partie ist eine mit „europäischer Wirkung“, wie Vorstandssprecher Axel Hellmann findet. Auffällig ist, dass die Eintracht diesen Geist beschwören will, der sie zum Pokalsieg 2018 gegen den Goliath aus München trug, eben den Glauben daran schüren will, das Unmögliche möglich zu machen. „Ab jetzt ist Fürth Vergangenheit“, sagt Hellmann. „Jetzt gibt es nur noch eine Richtung: Barcelona schlagen.“ Kann ja nicht so schwer sein.

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