Ganz schön viel los auf dem Trainingsplatz der Eintracht, und mittendrin der Brasilianer Tuta.
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Ganz schön viel los auf dem Trainingsplatz der Eintracht, und mittendrin der Brasilianer Tuta.

SGE im Training

Eintracht Frankfurt: Abraham im Pech, Tuta im Glück

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Eintracht-Kapitän David Abraham fällt erst mal aus, was die Chance für Tuta sein könnte – und Dominik Kohr peilt direkt Europa an.

Frankfurt - Der Schreck fuhr allen in die Glieder, die größten Befürchtungen hatte der Capitano selbst. Das rechte Knie schmerzte höllisch nach diesem verflixten Zweikampf, David Abraham schwante nichts Gutes, als er mit verzerrtem Gesicht vom Platz humpelte. Mit diesen Kniegeschichten ist ja nicht zu spaßen, ein gerissenes Band im Gelenk kann eine Pause von drei, vier oder auch sechs, sieben Monaten nach sich ziehen.

Doch der Mannschaftsführer der Frankfurter Eintracht hatte, wie sich nach einer MRT-Untersuchung herausstellen sollte, Glück im Unglück. Die Mediziner diagnostizierten eine Seitenbandzerrung, der Abwehrspieler werde bis auf Weiteres nicht zur Verfügung stehen, teilte die Eintracht mit. Sehr wahrscheinliche Ausfallzeit: rund drei Wochen. Wird eng mit dem Saisonstart, zumal der schnelle Argentinier nicht dafür bekannt ist, besonders schnell zu genesen.

Und doch sind sie im Frankfurter Lager froh, dass Abraham halbwegs glimpflich davon kam, im ersten Moment war selbst ein Kreuzbandriss nicht ausgeschlossen worden. Das wäre das Ende seiner Karriere in Deutschland gewesen, der von Heimweh geplagte 34-Jährige wird in allerspätestens einem Jahr nach Argentinien zurückkehren.

Der Ausfall des Altmeisters könnte zur Chance eines Youngsters werden. Der Brasilianer Tuta ist ja aus Belgien, wo er leihweise beim KV Kortrijk spielte und eine „tolle Entwicklung“ (Sportvorstand Fredi Bobic) genommen habe, zurückgekehrt, und die Verantwortlichen sind gespannt darauf, wie sich der 21-Jährige bei seinem zweiten Anlauf in Frankfurt präsentiert. Perspektivisch gesehen soll er Spielführer Abraham auf der rechte Seite des Abwehrzentrums einmal beerben, das trauen sie Tuta zu.

Fußballgott schreibt mit

Als der Innenverteidiger, schnell und technisch gut, aber zuweilen unbedarft im Zweikampf und im Stellungsspiel, vor eineinhalb Jahren für 1,8 Millionen Euro aus Sao Paulo kam, war er noch nicht so weit, zu grün, wirkte zeitweise überfordert in der neuen Umgebung.

In Belgien, wo er unangefochtener Stammspieler und Leistungsträger war, hat er gewiss einen Schritt nach vorne gemacht, sich die nötige Wettkampfpraxis und -härte geholt, sogar der RSC Anderlecht ist auf den Südamerikaner aufmerksam geworden. Ob das aber für die Bundesliga reicht? Wird man abwarten müssen.

In jedem Fall wird sich Tuta, dessen Heimatklub FC Sao Paulo noch 30 Prozent der Transferrechte hält und bei einem Verkauf entsprechend partizipieren würde, in den anstehenden Testspielen bestimmt versuchen dürfen. Sollte ihm Trainer Adi Hütter im Ernstfall noch nicht das Vertrauen schenken, wäre das nicht so furchtbar tragisch, schließlich gibt es da noch Almamy Touré, der zwar als rechter Verteidiger eine Menge durchwachsener spielte machte, aber auf seiner Stammposition im Zentrum sehr wohl zu überzeugen weiß. Touré ist die gefahrlosere Variante.

Ansonsten hat Coach Hütter keinen Grund zum Klagen, alle Mann sind fit und an Bord, alle Corona-Tests fielen erneut negativ aus. Am Dienstag, dem zweiten Tag nach dem Trainingsneustart, gingen die Profis unter blauem Himmel in zwei Gruppen der Arbeit nach, sogar „Fußballgott“ Alex Meier schaute neugierig zu und machte sich eifrig Notizen. Der aktuelle U-16-Assistenzcoach wird im Zuge seiner Trainerausbildung häufiger bei Adi Hütter vorbeischauen. Auch Sportvorstand Fredi Bobic ließ sich blicken und plauderte anschließend angeregt mit Torwart Kevin Trapp und Läufer Timothy Chandler. Und, man lese und staune, selbst ein halbes Dutzend Journalisten war zugelassen, erstmals seit einer gefühlten Ewigkeit, mindestens aber seit sieben, acht Monaten.

In den kommenden Wochen wird Coach Hütter die Zügel anziehen, viel Zeit bleibt ja nicht, die Vorbereitung ist „kurz und knackig“, sagt Mittelfeldabräumer Dominik Kohr, was er gut findet. Genauso wie den Verzicht auf ein Trainingslager. „In meinem eigenen Bett schlafe ich am besten.“ Und teambildende Maßnahmen könne man ja auch in Frankfurt machen. „Der Trainer wird sich bestimmt etwas einfallen lassen, damit wir noch enger zusammenrücken“, sagt der 26-Jährige.

Kohr, der nach dem Bundesliga-Restart zu den Leistungsträgern zählte, möchte in Zukunft mehr Verantwortung übernehmen und nach dem Abgang einiger Führungskräfte in der Hierarchie nach oben klettern, „Ich kann mir gut vorstellen, in diese Position reinzuwachsen.“

Der aus Leverkusen gekommene und mit einigen Problemen gestartete Akteur traut sich und seinen Kameraden eine Menge zu, selbst dann, wenn keine großen Verstärkungen mehr dazu kämen. „Es tut uns gut, nicht international zu spielen“, glaubt Kohr. Man habe ja in der vergangenen Saison selbst gemerkt, wie sehr die vielen Reisen und die vielen Spiele schlauchen. „Gegen Ende der Hinrunde haben uns die Körner gefehlt.“ So aber legt er die Latte gleich mal hoch: „Ich denke, wir sollten die internationalen Plätze angreifen. Das ist mit diesem Kader auch möglich.“ Na dann.

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