Berühmte Bühne für die Eintracht: Times Square in New York.
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Berühmte Bühne für die Eintracht: Times Square in New York.

Zweigstellen

Internationalisierung bei Eintracht Frankfurt: Unverschuldeter Stillstand

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
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In den Eintracht-Zweigstellen New York und Peking steht die Arbeit coronabedingt quasi still: „Das ist hart“, sagt der Frankfurter Boss Fredi Bobic.

  • Eintracht Frankfurt besitzt Zweigstellen in New York und Peking
  • Coronabedingt steht die Arbeit in den Zweigestellen quasi still
  • SGE hat Projekte in der Pipeline

Im Januar noch hatten sie bei Eintracht Frankfurt am ganz großen Rad gedreht. New York, Manhattan, Times Square bei Dunkelheit – und plötzlich flimmerte ein Videoclip der hessischen Höhepunkte aus der jüngeren Vergangenheit über die beiden riesigen Leinwände. Begeistert schaute die extra eingeflogene Frankfurter Führungsriege um die Bosse Axel Hellmann, Fredi Bobic, Philip Holzer und Peter Fischer nach oben, als sich die Kicker vom Main da auf Band wahlweise durch Europa siegten oder den DFB-Pokal im Berliner Olympiastadion in die Höhe reckten. Ein bisschen Gänsehaut allemal bei den Verantwortlichen, aber noch mehr stolz war dabei, es bis hierhin an den Mittelpunkt der Welt, wie die New Yorker diesen pulsierenden Ort ihrer Stadt gerne nennen, gepackt zu haben.

Eintracht Frankfurt: Niederlassung in New York

„New York ist für Eintracht Frankfurt der richtige Standort in den Vereinigten Staaten, um eine Niederlassung zu eröffnen“, ließ Marketingvorstand Axel Hellmann bei der feierlichen Einführung des eigenen Eintracht-Büros unweit des Times Square verlauten: „Unsere Partner in Amerika haben nun die Möglichkeit, Eintracht Frankfurt im Herzen von New York, in Manhattan, kennenzulernen. Das ist ein bedeutender Schritt in unserem Internationalisierungsprozess.“ Für Sportvorstand Fredi Bobic stellt sich die USA sogar als „signifikanter Zielmarkt aufgrund ihrer digitalen Innovationen und exzellenten Trainingsmöglichkeiten“ dar.

Die Anfang des Jahres eingeweihte Dependance in den Räumlichkeiten des Frankfurter Hauptsponsors Indeed werde dabei helfen, langfristig Fuß zu fassen in den USA. Kurzfristig ist dieses Vorhaben jedoch arg ins Stocken geraten, unverschuldet natürlich, Covid-19 war schließlich im Januar nur ein Randthema in hiesigen Breitengraden und auch den USA. Mittlerweile hat die Corona-Pandemie die ganze Welt auf den Kopf gestellt, alles komplett verändert. Und für den hessischen Bundesligisten in Sachen Internationalisierung zu einer Vollbremsung geführt.

Eintracht Frankfurt: Projekte in der Pipeline

Das Büro in New York ist zurzeit genauso wie jenes schon vorher vorhandene im chinesischen Peking nicht durch Eintracht-Mitarbeiter aus Deutschland besetzt. Armin Kraaz, der einstige Leiter des Frankfurter Nachwuchsleistungszentrums am Riederwald, der im vergangenen Herbst zur Fußball-AG wechselte und dort die Stelle „Internationale Beziehungen und Sportkooperationen“ übernahm, muss wohl oder übel abwarten, bis eine Besserung der Situation eintritt. Vor allem in den USA vermutlich ein Unterfangen, das noch eine ganze Menge Geduld benötigen wird. Über den Atlantik kann Kraaz zurzeit nicht jetten.

Dabei sollte sich der 55-Jährige in seinem neuen Job vornehmlich um die Entwicklung und den Aufbau von Fußballnachwuchs- sowie Akademieprojekten in Nord- und Mittelamerika kümmern. Pustekuchen, nicht möglich. Zwar läuft der Profisport in den Staaten so langsam wieder an, gerade die Herbstsaison am College wurde aber weitestgehend auf Eis gelegt. Angedachte Projekte, die bereits in der Pipeline waren, sind gestoppt. Per Videotelefonie wird immerhin versucht, in engem Kontakt miteinander zu bleiben, die Verwirklichung von Ideen im möglichen Rahmen zumindest vorzuplanen.

Andere Bundesligisten wie der FC Bayern, Borussia Dortmund oder auch Schalke 04, die ebenfalls Geschäftsstellen in den USA unterhalten, geht es freilich nicht viel besser. „Das Geschäftsmodell Internationalisierung ist eingeschlafen“, sagte Eintracht-Vorstand Bobic vor einigen Wochen, „alles wurde abgesagt, das ist hart.“ Man werde daher im Vorstand genau überlegen müssen, „was Sinn macht für die nächsten Jahre.“

Eintracht Frankfurt: „China und USA beackern“

Bobic, ein ausgewiesener USA-Fan, bedauert die Entwicklung besonders. Auch Trainingslager der Profimannschaft in Übersee – wie zuletzt zweimal in Florida (jeweils auch begleitet von der Fußballschule Charly Körbels) – sind auf absehbare Zeit keine Option. In diesem Sommer wird die Mannschaft von Trainer Adi Hütter während der kommende Woche beginnenden Vorbereitung hauptsächlich am Stadion im Stadtwald trainieren, ein kurzfristig anberaumtes Trainingslager in der näheren Umgebung ist aber noch nicht ganz ausgeschlossen. Testspiele gegen internationale Gegner fallen in dieser Vorbereitung aber wohl ebenso weg wie jene gegen die Dorfklubs aus der Region. „Wir werden gegen Vereine aus der Bundesliga, zweiten und dritten Liga spielen“, sagte Bobic.

Seit einigen Jahren schon hatte die Eintracht ihren weltweiten Öffnungsprozess vorangetrieben, und nie vergessen, die Bedeutung davon zu betonen. Aufsichtsrat Philip Holzer sagte bereits im Herbst 2018 in einem großen FR-Interview: „Das Stadion ist ausverkauft und komplett vermarktet, die Medienerlöse sind stark vom sportlichen Erfolg abhängig und deshalb nur bedingt zu beeinflussen. Für uns heißt das: Internationalisierung, vor allem die großen Wachstumsmärkte USA und China beackern.“

Die Eintracht sei ein Mittelstandsklub, so Holzer, „der aber eine strategisch positive Lage hat, mitten in Deutschland, beste Verkehrsanbindung, internationalste Stadt Deutschlands“. Schon vor zwei Jahren waren laut Holzer rund 25 Prozent der Sponsoren international. Tendenz steigend. Holzer selbst, der 22 Jahre lang in führender Position bei Goldman Sachs arbeitete, sei quasi jede Woche einmal in London und wisse daher aus eigener Erfahrung um die Bedeutung seines Vereins: „Es gibt drei Themen, die Wirkung haben: Der Flughafen, die Messe und Eintracht Frankfurt. Die Leute im Ausland wissen, was hier passiert.“ Der Verein müsse es in Zukunft schaffen, diese Mischung aus Tradition und Internationalität aufs Parkett zu bringen. „Das ist ein Pfund, mit dem wir wuchern können“, so der Aufsichtsrat. Im Moment müssen sie sich bei Eintracht Frankfurt zum Wuchern mit Vorzügen andere Felder suchen. (Von Daniel Schmitt)

Unterdessen hat Eintracht Frankfurt das neue Heimtrikot für die Saison 2020/21 veröffentlicht. Beim Gegner in der Europa League, dem FC Basel, wurde ein Spieler positiv auf Corona getestet.

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