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Ohne ihn läuft bei der Eintracht nichts: Philip Holzer.

Eintracht Frankfurt

Der Einflussreiche

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Eintracht-Aufsichtsrat Philip Holzer hat im Laufe der Jahre an Macht gewonnen und zieht im Hintergrund die Fäden.

Wer Philip Holzer mit einer klischeetriefenden Einlassung kommt, wonach Fußball ein tumber, eher dümmlicher Sport sei, bei dem 20 Männer in kurzen Hosen einem Ball nachjagen und zwei mit Handschuhen versuchen, ihn zu fangen, der sieht den erfolgreichen Investmentbanker unmerklich den Kopf schütteln. Ein müdes Lächeln umspielt seine Mundwinkel. Holzer, 48 Jahre alt, Aufsichtsratsmitglied bei Eintracht Frankfurt, könnte Abhandlungen über den Fußball, seine Vielfältigkeit und Zugkraft schreiben, er sieht den schönen Sport als verbindendes Element, als eine Art universelle Weltsprache, die jeder versteht und die Menschen zueinander führt. „Beim Fußball sind alle gleich“, sagt Philip Holzer. „Fußball ist ein Türöffner.“

Als Holzer noch in führender Position bei Goldman Sachs die Geschäfte leitete, nahm er auch gerne mal Praktikanten und aufstrebende Kräfte mit zum Betriebskick. Nicht ohne Grund. „Beim Fußball lernst du den Menschen kennen“, erzählt er. „Da zeigt sich der Charakter. Beim Fußball siehst du alles.“ Holzer erinnert sich noch an ein lockeres Spiel unter Kollegen, in dem ihn ein Praktikant von hinten aufs Übelste ummähte. Ihn, den großen, mächtigen und über den Dingen thronenden Chef. „Da dachte ich mir: Okay, der Junge hat Mut.“ Holzer stellte den Jungen ein, er hat Karriere gemacht. Es ist nur eine von vielen Anekdoten, die er zum Besten gibt und die für ihn exemplarisch steht für die Kraft und Eindringlichkeit des Fußballs.

Bei Eintracht Frankfurt hat der fußballbegeisterte „Herr der Zahlen“ (FR) im Laufe der Jahre immer mehr an Relevanz gewonnen. Holzer, der Sohn des langjährigen FR-Chefredakteurs Werner Holzer, ist dabei keiner, der das Rampenlicht sucht. Ganz im Gegenteil. Er ist ein Netzwerker im eigentlichen Sinne, er zieht im Hintergrund die Fäden. So hat er es gelernt, so ist er in seinem Job groß und erfolgreich geworden. Er ist der festen Überzeugung, dass sich Strategien, Konzepte und im nächsten Schritt auch Abschlüsse und Beschlüsse besser fernab der Öffentlichkeit realisieren und durchsetzen lassen. Daran, dass in der Bundesliga vieles unter dem Brennglas der Medien geschieht und das Geschäft ein oftmals allzu gläsernes ist, musste er sich erst gewöhnen. Nach fünf Jahren im Kontrollgremium der Fußball-AG weiß er mittlerweile, wie die Branche tickt. Er ist ein Macher, der allergisch darauf reagiert, wenn Ideen oder Projekte zerredet werden. Sein Credo: „Erst machen, dann reden.“

Holzer, früher mal ein guter Torwart in der Oberliga bei der Spielvereinigung Bad Homburg, ist bei der Eintracht vielleicht nicht im Zenit seiner Macht, er mischt sich als Aufsichtsrat auch nicht ins operative Geschäft ein. Doch sein Einfluss ist gewachsen. Das Kontrollgremium ist mit Menschen besetzt, denen er vertraut. Der Boss des Organs, Wolfgang Steubing, ist ein guter Freund, mit den neu hinzugekommenen Räten Hans Dieter Brenner (Helaba) und Frank Behrends (BHF) ist er per Du.

Holzer ist Vorsitzender des Finanz- und Prüfungsausschusses, er sitzt mit Steubing und Vereinspräsident Peter Fischer im Hauptausschuss, der auf kurzem Wege wichtige Entscheidungen absegnen kann. Keine Entscheidung bei Eintracht Frankfurt wird an Philip Holzer vorbei getroffen. Mit dem schillernden Peter Fischer übrigens, ein gänzlich anderer Typ, verbindet ihn ein sehr freundschaftliches Verhältnis. Für Menschen aus Holzers Branche ist das ungewöhnlich.

Sein Wirken geht aber über offizielle Ämter hinaus, er war damals daran beteiligt, dass Armin Veh seinen Vertrag verlängerte. Er hat ein gutes Gespür für die Menschen, kann im persönlichen Gespräch einiges ausloten. Sein Leitsatz, den ihm sein Vater mit auf den Weg gegeben hat, lautet: „Es kommt darauf an, wie du die Leute behandelst. Das kann den Unterschied machen.“

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Er hat sich als Co-Vorsitzender von Goldman Sachs nicht nur in den Vorstandsetagen der Bankentürme in Europa bewegt, „ich wusste auch immer, ob es dem Pförtner schlecht geht und ob er krank ist“. Vor einem Jahr schied er auf eigenem Wunsch aus dem Unternehmen aus, nach 22 Jahren. Seitdem ist er sein eigener Chef und unternehmerisch tätig. An Angeboten mangelt es nicht.

Viel Zeit geht für Eintracht Frankfurt drauf. „Das ist ein volles Ehrenamt“, sagt er. Holzer hat Ideen, er schiebt Dinge an, das ausgearbeitete Genussscheinmodell, das der Eintracht zehn Millionen Euro an Eigenkapital bringen soll, geht auch ein Stück weit auf sein Betreiben zurück. Wer die Angst äußert, die Eintracht würde unsolide werden und ins Risiko gehen, dem begegnet er sachlich: „Ich kann das gerne in aller Ruhe erklären.“ Keiner müsse fürchten, die Eintracht würde sich verschulden oder negatives Eigenkapital umherschleppen. „Das will niemand, das wird es nicht geben.“

Holzer ist kein Träumer

Eher ist die externe Geldspritze, wenn man so will, eine Überbrückungsfinanzierung. Denn es wird noch ein paar Jahre dauern, ehe der Klub seinen Spieleretat signifikant erhöhen kann, um regelmäßig um die europäischen Plätze mitspielen zu können – dann nämlich, wenn der Betreiber- und Vermarktervertrag ausläuft. Das ist 2020. Bis dahin muss die Eintracht versuchen, auf andere Weise wettbewerbsfähig zu bleiben. Dafür steht auch Holzer. „Für uns geht es darum, auf intelligente Art zu einer Stärkung des Eigenkapitals zu kommen, bis wir aus dem operativen Geschäft heraus einen sehr wettbewerbsfähigen Spieleretat aufstellen können, der es ermöglicht, uns in der vorderen Tabellenhälfte zu etablieren.“

Holzer ist kein Träumer. Er ist mit Zahlen groß geworden, in diesem Metier macht ihm kaum einer etwas vor, er ist da recht pragmatisch. In der Öffentlichkeit würde er niemals tollkühne Visionen an die Wand malen, die ihm dann irgendwer unter die Nase reiben könnte. Deshalb schwadroniert er auch nicht von internationalen Festakten in Frankfurt, von der Königsklasse, obwohl das eigentlich jeden Frankfurter antreibt. Philip Holzer sagt ganz trocken: „Wir sollten uns die Chance erarbeiten, alle drei Jahre mal an die Europa League heranzuspielen.“ Nach Großmannssucht, die den Frankfurtern per se unterstellt wird, hört sich das nicht an. Aber kleiner als man ist, solle man sich auch nicht machen. Im FR-Interview sagte er einmal: „Es gibt drei große Themen, die im Ausland Wirkung haben: Der Flughafen, der Finanzplatz und Eintracht Frankfurt. Wir müssen es schaffen, diese Mischung aus Tradition und Internationalität aufs Parkett zu bringen. Das ist ein Pfund, mit dem wir wuchern können. Die Marke Eintracht Frankfurt ist schon jetzt internationaler als man erwartet.“

Hoffnung auf Titel

Philip Holzer, finanziell völlig unabhängig, versucht, die Eintracht auf eine breitere Basis zu stellen. Er hat ein Netzwerk ins Leben gerufen, das er mal „Freunde der Adler“ nannte. Grundvoraussetzung ist, lebenslange Mitgliedschaft – für 1899 Euro. Mittlerweile sind 100 Leute dabei, wichtige, einflussreiche Geschäftsmänner der Frankfurter Stadtgesellschaft. Sie sollen helfen, Türen zu öffnen, die vorher verriegelt waren.

Holzer liegen allerdings nicht nur die Profis am Herz, er ist regelmäßiger Gast am Riederwald, wo das Herz der Eintracht schlägt und die Jugendmannschaften spielen. Er hofft auf Titel der Nachwuchsteams. „Das hätte einen Leuchtturmeffekt für junge Spieler.“ Generell steht er für eine engere Verzahnung zwischen Verein und Profis. Die Parallelwelten unter einem Banner mag er nicht.

Und dann gibt es noch den Philip Holzer, der sich engagiert und Gutes tun will. Er hat den gemeinnützigen Verein „Business for Sports“ ins Leben gerufen. Ziel ist, mit der Vorbildfunktion Sport zu fördern und zu fordern. Da wurde etwa das Projekt „Fußball trifft Kultur“ initiiert, in das auch Stefan Aigner involviert war. Nun ist Holzer Schirmherr der sogenannten Bolzplatzliga, er will helfen, 100 Bolzplätze in Frankfurt zu sanieren. Dem oft so unnahbar wirkenden Banker geht das Herz auf, wenn er von dem Projekten und den Erlebnissen spricht. „Wenn man da manche Teams sieht, bei denen ist Fußball alles, Bruder-, Schwester-, Familienersatz. Da kommen einem manchmal fast die Tränen.“

Für Philip Holzer ist der Sport, den er so sehr liebt, mehr als nur das Spiel mit dem Ball. „Fußball“, sagt er, „ist der Klebstoff, der unsere auseinanderdriftende Gesellschaft zusammenhält.“

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