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Fliegt zurzeit als Kapitän für Paris durch den Kasten, und überlegt, ob es für ihn bei der Eintracht weitergehen sollte: Kevin Trapp. 

Eintracht-Kader

Vor der Eintracht liegt noch „eine Schweinearbeit“

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Bald startet die Saison und es ist noch viel zu tun bei der SGE: Personalsuche und Vorbereitung laufen auf Hochtouren. 

Frankfurt - Adi Hütter ballt die rechte Hand zur Faust, donnert sie gleich mehrfach in seine linke, flache Pranke. „Mehr, mehr“, bedeutet er seinen Spielern zeitgleich, „das waren höchstens 70 Prozent, das geht nicht. Attackieren, mehr, mehr.“ Uiuiui. 

Als die Profis von Eintracht Frankfurt gestern Vormittag auf dem Trainingsplatz mit Blick auf die Arena im Stadtwald an ihrer Form arbeiteten, da sah der Trainer des Fußball-Bundesligisten ganz offenbar noch eine Menge Raum für Verbesserungen. 

SGE: Hütter will eine mutige, aggressive und offensive Mannschaft 

Adi Hütter will auch seine zweiten Saison bei den Hessen so angehen, wie er die erste angeleitet hat: mutig, aggressiv, offensiv. Die Mannschaft soll ihre Gegner nerven, ständig mit Pressing piesacken, frühe Ballgewinne erzwingen und somit selbst in aussichtsreiche Situationen gelangen. 

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Das sind wichtige Bausteine des Adi-Hütter-Fußballs, die der Coach momentan quasi in jeder Übungseinheit von seinen Jungs einfordert, mit denen er in seiner zweiten Bundesligasaison wieder erfolgreich sein möchte – auch ohne die beiden Topstürmer Luka Jovic und Sebastien Haller. 

Hallers Abgang „sportlich ein Verlust“ 

Letzterer hat nämlich mittlerweile den Medizincheck bei West Ham United bestanden, Haller unterschrieb bei den Londonern gestern einen Fünfjahresvertrag und erhält dafür per annum ein Gehalt von sechs Millionen Euro. „Natürlich ist der Abgang eines Spielers von seinem Format sportlich ein Verlust. Aber Sebastien ist offen mit seinen Ambitionen umgegangen. Und für uns gibt es natürlich wirtschaftliche Schmerzgrenzen“, sagte Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic. 

50 Millionen Euro mehr haben die Hessen nun auf ihrem Konto. „Ich bin Eintracht Frankfurt sehr dankbar. Ich habe mich sehr wohlgefühlt in der Stadt“, sagte Haller: „Für mich gilt es nun, ein neues Kapitel aufzuschlagen.“ Ist das also mal geklärt. 

Eintracht Frankfurt: Bleiben wichtige Stammspieler bei der SGE?

Für die Eintracht wird es wichtig sein, den Verlust des für ihre Spielweise so wichtigen Franzosen möglichst gut zu kompensieren. Denn um einen aktiven Stil überhaupt betreiben zu können, braucht es vor allem fähiges Personal dafür. Profis, die nicht nur den Ball ergattern, sondern später auch Anständiges damit anzufangen wissen. 

Zurzeit hat Coach Hütter von jenen Kickern noch ein paar zu wenig im Kader stehen. Gleich fünf Stammspieler der Vorsaison sind aktuell bekanntlich nicht da. Die Stürmer Haller, Jovic, Torhüter Kevin Trapp, Verteidiger Martin Hinteregger, Mittelfeldmann Sebastian Rode waren zudem ja nicht gerade die unwichtigsten Profis im Teamgefüge. Die drei letztgenannten „würden alle gerne wieder nach Frankfurt kommen. Wir arbeiten an jeder Personalie, bei dem einem sieht es gut aus, bei dem anderen dann wieder nicht so“, sagte Bobic bei Sky Sport News HD. „Aber es ist kein Wunschkonzert." 

SGE: Großes Fragezeichen bei Trapp 

Während es beim Augsburger Hinteregger weiter hauptsächlich um die Höhe der Ablöse geht, die Eintracht aber auch wegen der Rippenverletzung des Österreichers, die er sich weit weg von Augsburg in Salzburg behandeln lässt, keinen allzu großen Zeitdruck verspürt, mehren sich vor allem bei Torhüter Trapp die Anzeichen, dass dieser alles andere als glücklich mit der Entwicklung im Hessenland ist. Die Verschlechterung kann ihm nicht gefallen, auch wenn natürlich noch mehrere Neue kommen werden.

Zumal der 29-Jährige offenbar noch andere Optionen hat. Der FC Porto, regelmäßiger Champions-League-Teilnehmer, zeigt Interesse. Und selbst in Paris ist die Reihenfolge im Tor noch nicht abschließend geklärt. Zurzeit wechselt PSG-Trainer Thomas Tuchel jedenfalls fleißig hin und her zwischen Trapp und dem Franzosen Alphonse Areola. Am Dienstag trug Trapp beim 6:1-Testspielerfolg gegen Dynamo Dresden gar zeitweise die Kapitänsbinde.

Eintracht Frankfurt: Amiri könnte kommen 

Ein Zeichen in die richtige Richtung könnte da eine mögliche Verpflichtung von Nadiem Amiri sein, der sowohl über die Außen als auch im Zentrum aus dem offensiven Mittelfeld heraus agieren kann. Der deutsche U21-Nationalspieler hat bei der TSG Hoffenheim zwar noch Vertrag bis 2020, eine Klausel in Höhe von rund 15 Millionen Euro ermöglicht ihm aber bereits einen Wechsel in diesem Sommer. Amiri würde zum Hütter-Stil passen, er ist schnell, giftig und noch formbar, dazu ein guter Vorbereiter, der zwischendurch auch selbst Tore erzielt.

Nicht gerade unwichtig, betrachtet man die restlichen im offensiven Mittelfeld einsetzbaren Profis des Kaders. Ob Mijat Gacinovic, Djibril Sow oder Dominik Kohr, das Toreschießen haben sie allesamt nicht erfunden. Zudem hat Amiri eine gewisse Bindung zur Rhein-Main-Region, Teile seiner Verwandtschaft leben rund um Frankfurt. 

Allerdings: Neben der Eintracht sollen auch zwei andere Klubs Interesse zeigen, Bayer Leverkusen und der VfL Wolfsburg. Beide sind im Europacup auf jeden Fall vertreten und knausern zudem nicht gerade bei Gehaltsverhandlungen. 

SGE: Kader hat kaum noch Tiefe 

Klar ist, dass die Eintracht bald etwas auf dem Transfermarkt tun sollte. Wenn sie kommende Woche in der Europa-League-Qualifikation antritt, entweder in Tallinn oder Nis, dann lässt sich da zwar noch eine ganz manierliche Startelf zusammenbasteln, dahinter aber hat der Kader kaum noch Tiefe. Und das ist für eine lange Saison bitter nötig.

Einer dieser wenigen Männer, der solch ein Pendler zwischen Startelf und Auswechselbank werden könnte, ist Erik Durm. Dem 27-Jährigen gefällt jedenfalls schon mal ganz gut, was er nach seiner Rückkehr von Premier-League-Klub Huddersfield Town in die Bundesliga zur Eintracht vorgefunden hat. Vor allem die Denkweise von Coach Hütter hat es ihm angetan: „Das System ist sehr ballorientiert, man geht ständig ins Pressing. Das macht Spaß.“ 

Durm, der am Dienstag Vater einer Tochter geworden ist, braucht zur Anpassung an diesen aktiven Frankfurter Stil keinen großen Anlauf, behauptet er zumindest selbst. Jürgen Klopp sei Dank. „In Dortmund haben wir unter ihm, aber auch unter Thomas Tuchel und Peter Bosz ähnlich gespielt“, so Durm, der ja einst fünf Jahre das BVB-Trikot trug. Das ständige Attackieren während des Trainings in engen Spielformen sei zwar anstrengend, „einfach ist das nicht“, so Durm, „aber einfach wäre ja auch blöd.“ Vor allem hole man sich so die nötige Fitness. „Diese Übungsformen mit häufigem Abstoppen, vielen Sprints und Umschaltbewegungen sind intensiver als die langen Schweineläufe, die man von früher so kennt.“ Uiuiui.

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