1. Startseite
  2. Eintracht

Eine Schlappe als Stimmungsaufheller

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Thomas Kilchenstein

Kommentare

Comeback in der Bundesliga: Marco Russ wurde in München eingewechselt.
Comeback in der Bundesliga: Marco Russ wurde in München eingewechselt. © Andreas Gebert (dpa)

Eintracht Frankfurt unterliegt erwartungsgemäß dem FC Bayern mit 0:3, doch die Hessen zogen sich sehr achtbar aus der Affäre. "Auf dieser Leistung können wir aufbauen", lobte Sportdirektor Bruno Hübner.

Vor dem Spiel war ein bisschen gescherzt worden, ob nicht angesichts der Frankfurter Personalprobleme der Sportvorstand Fredi Bobic noch mal die Fußballschuhe schnüren sollte.

Hinterher lässt sich sagen: Hätte er das nur mal  getan, womöglich hätte der frühere Nationalmannschaftsstürmer sogar getroffen. Chancen zumindest hatte es in München für Eintracht Frankfurt erstaunlicherweise in Hülle und Fülle gegeben, und zumindest die Möglichkeit, die Branimir Hrgota in der 19. Minute vergeben hatte, hätte sich Bobic vermutlich nicht entgehen lassen.

Nach einem Pass von Frankfurts Bestem, Ante Rebic, rannte Hrgota mutterseelenallein auf Torwart Manuel Neuer zu, er umspielte den Torwart und stand komplett blank vor dem verwaisten Münchner Tor.

Er hätte die Kugel nur noch ins leere Tor schießen müssen. Doch er zögerte zu lange, war sich vielleicht zu sicher, hatte die Szene innerlich schon abgehakt. Jedenfalls: Als er schießen wollte, flog das lange Bein von Mats Hummels heran und lenkte die Kugel noch zur Ecke. Es war eine Weltklassegrätsche, vielleicht die Rettungstat des Jahres.

Hummels .. halb Mensch, halb Tier.#FCBSGE #Bundesliga pic.twitter.com/hEcY2NcxaV

— Jibi (@JibiJey)

11. März 2017

Unmittelbar danach umarmte Neuer voller Freude seinen Nationalmannschaftskollegen, er selbst hatte schon nicht mehr damit gerechnet,  ohne Gegentor zu bleiben. „Vielleicht“, vermutete Trainer Niko Kovac später, „hat Brane schon abgeschaltet, als er Neuer umspielt hatte.“

Wie auch immer: Dieser Ball musste einfach ins Tor.

 Es war die größte Chance der Frankfurter in diesem Spiel gegen den Rekordmeister, aber beileibe nicht die letzte und  nicht die einzige.

Überraschenderweise hatten die Hessen „fünf, sechs glasklare“ Tormöglichkeiten, wie Kovac aufzählte, so viele, wie lange nicht mehr.  „Ich kann mich an kein Spiel erinnern, in dem wir in München so viele Chancen hatten“, fand auch Sportdirektor Bruno Hübner hinterher.

Hrgota hatte noch eine weitere Gelegenheit allein vor dem Tor (39.), auch Ante Rebic (2.) hatte früh eine prima Einschussgelegenheit, da schoss er völlig überhastet über das Gehäuse, später, zu Beginn der zweiten Halbzeit (51.), zimmerte er einen Ball noch an die Latte.

Und Danny Blum prüfte mit vier Schüssen den Bayern-Torwart, dazu verschusselte Michael Hector im Fünfmeterraum. Es wäre also durchaus etwas drin gewesen für die nun seit fünf Spielen sieglosen Frankfurter, dazu freilich hätten sie ihre Chancen ein bisschen besser nutzen müssen.

„Die Bayern hätten aus unseren sechs Chancen Minimum vier Tore gemacht“, sagte Kovac, der sich immerhin damit trösten konnte, dass Eintracht Frankfurt  dieses Mal Chancen kreierte. Und zwar mehr als in den Spielen gegen Freiburg, Bielefeld und Ingolstadt zusammen. „Wenigstens haben wir uns Möglichkeiten erarbeitet. Schlimm ist es nur, wenn man zu Null spielt und keine Chancen hat“, sagte Kovac.

Die Bayern, die Eintrachts Torwart Lukas Hradecky anfangs ein wenig „verschlafen“ wähnte, machten mit der Eintracht dann kurzen Prozess. Robert Lewandowski (38.), Douglas Costa (41.) legten vor der Pause schnell zwei Treffer vor, Lewandowski (55.) legte noch einen zum 3:0 auf, sein 21. Bundesligatreffer. Das war es.

Eintracht-Vorstand Axel Hellmann  fand „die brutale Effizienz der Bayern“ bemerkenswert, die aus dem Nichts das Spiel „klar machten“.

Die Leistung der Eintracht indes war mehr als ordentlich. „So ein gutes Spiel in München haben wir lange nicht mehr gesehen“,  fand Hübner, „ein tolles Spiel“, hatte auch Aymen Barkok erlebt, selbst Bayern-Trainer Carlo Ancelotti fand lobende Worte über die Hessen: „In der ersten Halbzeit war die Eintracht besser.“

Zumindest 37 Minuten lang. Und Torwart Hradecky hatte ja Recht: „Neuer hatte heute mehr zu tun als ich.“ Im Grunde musste der Frankfurter Schlussmann erstmals in der 86. Minuten einen Schuss der Bayern von Costa halten, bei den Gegentoren war er machtlos.

Dieses Spiel dürfte den Frankfurtern neuen Schwung gegeben haben, aus diesen 90 Minuten „lässt sich Selbstvertrauen schöpfen“, meinte Hübner.

Die 0:3-Niederlage gegen die Bayern dürfte der Eintracht mehr an mentaler Sicherheit bringen als der dünne 1:0-Sieg unlängst im Pokal gegen Arminia Bielefeld. „Auf dieser Leistung wollen wir aufbauen“, sagt Hübner. Immerhin versuchte die Eintracht, mitzuspielen, mutig und mit breiter Brust aufzutreten und ihr Heil nicht allein in sturer Defensive zu suchen. Und sie schaffte es, die Bayern zumindest zu ärgern. „Das war ein richtig gutes Auswärtsspiel“, hob Hübner den Daumen. 

Gute Besserung Makoto #Hasebe!
Unser Japaner ist auf dem Weg in die Klinik. Cut am Schienbein muss genäht werden. #SGE #FCBSGE pic.twitter.com/qr2ifO2D0U

— Eintracht Frankfurt (@Eintracht)

11. März 2017

Dazu kam, dass Marco Russ nach einer guten Stunde für den angeschlagenen Makoto Hasebe ins Spiel kam und nach seiner Krebserkrankung auch in der Bundesliga sein Comeback feierte. Selbst Bayern-Fans applaudierten stehend, als der Stopper den Rasen in Fröttmannig betrat, dennoch hat er noch deutlich Nachholbedarf.

Hasebe war übrigens beim Rettungsversuch gegen Thomas Müller auf der Linie gegen den Torpfosten geprallt. Er musste mit einer tiefen Fleischwunde in ein  Münchner Krankenhaus eingeliefert werden. Dort wurde die Risswunde genäht. Auch Marco Fabian, der bald zwei Monate kein Spiel mehr bestritten hatte, kam noch für die letzten zwölf Minuten in die Partie. Er sollte nach seiner langen Verletzungspause wieder „ein Gefühl für den Rasen, für das Stadion, für den Gegner bekommen“, sagte Kovac. Er wird ja noch dringend gebraucht.

Denn wirklich ernst wird es ja im nächsten Heimspiel gegen den Hamburger SV. Da will Eintracht Frankfurt, wie der Coach sagte, endlich den Bock umstoßen, will die Negativserie von fünf Niederlagen am Stück endlich beenden. Die Partie gegen die Bayern hat Mut gemacht, sie hat den Frankfurtern den Glauben gebracht, wieder in die Erfolgsspur zurückkehren zu können. Dazu kommt: Weder Michael Hector noch Timothy Chandler kassierten ihre fünfte Gelbe Karte, dazu wird Bastian Oczipka und Fabian nächsten Samstag wieder spielen können, auch mit Alex Meier ist zu rechnen.

Kovac hat da also Optionen. Wie eng die Frankfurter Personaldecke in München war, zeigte auch ein Blick auf die Ersatzbank: Da saß auch Noel Knothe, ein 17 Jahre alter Verteidiger aus der A-Jugend.    

Und ganz zum Schluss konnte Niko Kovac sogar schon wieder lächeln. Trotz der bitteren Niederlage habe man bisher eine richtig gute Saison gespielt und, nicht zu vergessen, „wir sind im Halbfinale  -  wie die Bayern auch.“ Augenhöhe, könnte man fast sagen.        

Auch interessant

Kommentare