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Ungereimtheiten prägen das Verhältnis von Eintracht-Torjäger Alex Meier und Trainer Thomas Schaaf.
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Ungereimtheiten prägen das Verhältnis von Eintracht-Torjäger Alex Meier und Trainer Thomas Schaaf.

Eintracht Frankfurt

Eine Saison zum Vergessen

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt spielt eine Saison zum Vergessen. Zumindest kann sich die Eintracht in den Heimspielen zu guten Leistungen (oder Resultaten) aufraffen. Doch das, was sie sich in der heimischen Arena mühevoll aufbaut, reißt sie sich in der Fremde postwendend wieder ein.

Vielleicht fing ja alles schon in der Wüste an. Der eine oder andere Spieler berichtet heute davon, dass sich die allgemeine Stimmung bereits im Wintertrainingslager in Abu Dhabi verschlechtert haben soll. Atmosphärisch sei das dieses Mal anders gewesen als in den Jahren zuvor – strenger, straffer, schroffer. Es gab keinen Freiraum. Selbst aufmerksamen Beobachtern, das muss man hinzusetzen, waren atmosphärische Störungen dieser Art im Januar allerdings nicht aufgefallen.

Auffällig war allerdings schon, dass die Eintracht es nicht schaffen würde, die Gegner weit genug vom eigenen Tor wegzuhalten. Im Testspiel in Al Ain gegen den Hamburger SV (2:3) klingelte es binnen 16 Minuten dreimal im Eintracht-Kasten, im darauffolgenden Privatspiel gegen eine bessere Jugendmannschaft aus Al Ain (3:1) liefen die Kontrahenten in der Anfangsphase gleich mehrfach alleine auf Eintracht-Schlussmann Felix Wiedwald zu. Und dann, zurück in der Heimat, unterlagen die Frankfurter in der Generalprobe für den Bundesligastart in Freiburg dem Schweizer Zweitligisten Servette Genf mit 3:4. Vier Gegentore gegen einen minderbemittelten Opponenten aus einer Operettenliga – das ließ nichts Gutes ahnen. Und so kam es dann auch.

In Freiburg gingen die Hessen trotz Führung mit 1:4 unter. Die Mannschaft brach in der zweiten Hälfte urplötzlich auseinander. Es war der erste rätselhafte Einbruch, dem man damals noch keine größere Bedeutung beimaß. Es war halt eine ärgerliche Niederlage, aber eine Gesetzmäßigkeit sollte sich erst später ableiten lassen. Auffällig in Freiburg war aber, dass plötzlich Risse durchs Team liefen. Marco Russ etwa kritisierte die Offensivabteilung sehr deutlich. „Wenn zwei, drei glauben, sie könnten ein paar Schritte weniger machen, führt das zu einem solchen Ergebnis“, sagte Russ, „dann kriegt man auf die Mütze.“ So ähnlich sah es auch der Sportdirektor.

„Wenn vorne die zwei nicht mehr richtig mitmachen, wird es schwer“, kritisierte Bruno Hübner. Die beiden angesprochenen Stürmer, Alex Meier und Haris Seferovic, saßen ein paar Stunden später übrigens als torgefährlichstes Traumduo der Liga im prestigeträchtigen Aktuellen Sportstudio des ZDF. Schon zum frühstmöglichen Zeitpunkt der Rückserie war also Dampf im Kessel. Hinter vorgehaltener Hand wurde gerade Alexander Meier, der Torschütze vom Dienst, immer häufiger an den Pranger gestellt, weil er vorgeblich zu wenig laufen würde. Ein alberner Vorwurf. Es war ohnehin schon einigermaßen absurd, dass die Frankfurter Lebensversicherung intern derart kritisch gesehen wurde.

Doch schon zu Saisonbeginn kam es zu Ungereimtheiten im Verhältnis zwischen Alex Meier und Trainer Thomas Schaaf. Viele sind sich sicher, dass der Fußballlehrer den Torjäger eigentlich kaltstellen wollte. Erst am vierten Spieltag stand Meier dann erstmals in der Startelf – und das hatte nichts, wie heute gerne vorgeschoben wird, mit Knieproblemen des Routiniers zu tun.

Bester Torschütze öffentlich geschwächt

Obendrein waren die Verantwortlichen sogar so ungeschickt, ihren besten Torschützen öffentlich zu schwächen. Manager Hübner sprach nach der Pleite in Mainz davon, dass man „die Kröte schlucken“ müsse und meinte Alex Meier und seine angebliche Lauffaulheit. Meier wehrte sich öffentlich und musste zum Rapport. Bis heute hat es der Mittelfeldstürmer nicht verwunden, wie in dieser Situation mit ihm umgegangen wurde. Gerade der Vorwurf, ein anderer Spieler (Haris Seferovic) würde in der Rückserie schlechter spielen, weil er für Meier mitackern müsse, brachte den dienstältesten Eintracht-Spieler auf die Palme.

Schaaf war es auch, der Kevin Trapp an Meiers Stelle zum Kapitän machte. Trapp ist ein herausragender Torwart, aber ein Leisetreter, der die Mannschaft auf dem Feld nicht mitreißen kann. Das geht als Keeper ohnehin nicht. Ohnehin ist die Hierarchie nach dem Abgang von Pirmin Schwegler, Sebastian Rode und Sebastian Jung ins Wanken geraten, gerade Schwegler ist der geborene Kapitän, der auch in der Kabine Stimmungen und Schwingungen erkannt, wahrgenommen und entsprechend reagiert hat. Diese Hackordnung ist ins Rutschen geraten. Viele kochen ihr eigenes Süppchen.

Zumindest konnte sich die Eintracht in den Heimspielen zu guten Leistungen (oder Resultaten) aufraffen. Doch das, was sie sich in der heimischen Arena mühevoll aufgebaut hat, riss sie sich in der Fremde postwendend wieder ein. Das 1:3 in Stuttgart war der krachende Knockout, der ultimative Niederschlag. Längst war klar geworden, dass diese Saison keine gute mehr ist, dass der Mannschaft der Punch, der Willen und das nötige Rüstzeug fehlt, um Größeres erreichen zu können.

Sie ist zu genügsam, der unbedingte Wille, Spiele zu gewinnen oder zu drehen, fehlt. Und es war zu erkennen, dass es im Team nicht mehr stimmt und dass auch das Zusammenspiel mit dem Trainer nicht so funktioniert hat, wie sich das die Verantwortlichen erhofft hatten. Thomas Schaaf hat es nicht geschafft, den richtigen Ton zu treffen, das richtige Klima aufzubauen, eine Wohlfühl-Atmosphäre zu schaffen. Dafür steht Schaaf auch nicht, er steht für harte Arbeit, klare Ansprachen auf dem Platz, ein geradliniges, eher strenges Auftreten. Doch Schaaf hat viele Spieler überfrachtet, sie waren von Armin Veh die lange Leine gewohnt.

Doch Schaaf ist anders, er fordert, versucht, aufzurütteln, will immer alles verbessern. Das ist an und für sich gut. Funktionierte aber in der gegebenen Konstellation bisher nicht. Auch im Training hat bei den Spielern durch die permanenten Unterbrechungen, die langen Ansprachen und Belehrungen eine gewisse (geistige) Müdigkeit eingesetzt. Die Spieler haben sich zurückgezogen.

Zudem war es nicht klug, fast immer auf dieselben Spieler zu setzen – gerade, als es schon nicht mehr lief. Das führte dazu, dass kein großes Gemeinschaftsgefühl aufkommen konnte, weil nicht jeder das Gefühl hatte, wichtig für die Gruppe und ein Teil des großen Ganzen zu sein. Nach dem kolossalen Desaster in Stuttgart war übrigens klar, dass diese Saison kein gutes Ende nehmen würde. Die Mannschaft hatte sich danach, wenn man so will, in die innere Emigration verabschiedet. Ein Zustand, der bis heute anhält.

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