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Vom Manager öffentlich an den Pranger gestellt: Alex Meier.
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Vom Manager öffentlich an den Pranger gestellt: Alex Meier.

Eintracht gegen Mainz

Eine Reihe voller Unzulänglichkeiten

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Die Eintracht in Mainz: Das sind Spiele, an die die Hessen nicht die besten Erinnerungen haben. Ein kleiner Rückblick.

Über die Auftritte der Frankfurter Eintracht beim Nachbarn in Mainz kann man aus Sicht des Bundesligisten vom Main ganz geschmeidig das Mäntelchen des Schweigens legen. Bei den Rheinhessen gab es für die Eintracht selten was zu holen, einen Sieg in sieben Anläufen zumindest noch nie – weder am alten Bruchweg noch in der neuen Arena auf dem platten Land. Immerhin holten die Hessen vier Unentschieden. Mitunter haben sie sich aber ganz schön blamiert bei ihren Gastspielen am Rhein. Gerade in den letzten Jahren. Von den letzten vier Auftritten in Mainz haben die Frankfurter drei verloren, dabei insgesamt nur einen einzigen Treffer erzielt. Die FR gibt einen kurzen Abriss über die merkwürdigen Auftritte der Eintracht beim Nachbarn. Für Gesprächsstoff war nach den Spielen fast immer gesorgt. Ein Überblick:

Nach dem letzten Aufeinandertreffen am 21. Februar dieses Jahres gab es fast schon Auflösungserscheinungen. Da ging jeder auf jeden los. Marco Russ etwa auf Carlos Zambrano, der den Bogen mit seinen Mätzchen mal wieder überspannt hatte und des Feldes verwiesen wurde. „Wir wissen ja, dass Carlos immer an der Grenze zum überharten Spiel steht“, polterte Chefkritiker Russ also. „Er muss das in den Griff bekommen, damit er uns nicht jede Woche schadet.“ Rumms. Und dann gab es noch den Auftritt von Bruno Hübner, der erst mal Schiri Felix Brych in den Senkel stellte („Er kann es einfach nicht“) und dann auch noch Alex Meier attackierte. Haris Seferovic etwa habe auch deshalb keine gute Phase, weil Meier eben weniger laufe und maloche. „Haris muss viel für Alex mitarbeiten.“

Meiers Wert fürs Team, so Hübner, lasse sich an seiner Treffsicherheit ablesen. „Wenn Alex keine Tore schießt, dann sieht man ihn manchmal nicht. Aber diese Kröte müssen wir schlucken“, betonte der Manager und fügte immerhin noch an: „Und sie schlucken wir gerne.“ Meier ließ diese Kritik nicht kommentarlos stehen. „Er äußert sich schon seit längerer Zeit negativ meiner Person gegenüber, wenn er die Möglichkeit dazu hat.“ Was dahinter stecke, ließ Meier offen. Er wisse es, wolle aber nichts dazu sagen. Da war ein Graben aufgerissen, der bis heute nicht ganz zugeschüttet ist. Die Partie verlor die Eintracht mit 1:3, kam nach der Führung durch Stefan Aigner binnen zehn Minuten unter die Räder. Aber das kannte man schon. „Dieses Spiel war ein Spiegelbild der Saison“, schrieb die FR.

Nach Armin Vehs letztem Auftritt in Mainz fasste der Trainer das frustrierende Erlebnis unmissverständlich zusammen: „Wir haben die Arschlochkarte gezogen.“ Das war am 10. November 2013. Und die FR analysierte: „Mit leerem Tank in die Sackgasse.“ Und das kam so: Zwei Minuten vor Schluss ließ Jan Rosenthal den nicht als Sprinter bekannten und schon etwas betagteren Zdenek Pospech ziehen, die Flanke köpfte Eric Maxim Choupo-Moting zum 1:0-Endstand ins Netz. Ein Schlag ins Kontor. „Die Flanke muss Jan verhindern“, deckelte Veh. Bis heute fühlt sich Jan Rosenthal übrigens zu Unrecht als Sündenbock und an den Pranger gestellt. Es war das fünfte Spiel, in dem die damals europäisch spielende Eintracht ein spätes Tor kassierte, acht Punkte hatte sie das gekostet.

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Der regelmäßige körperliche Einbruch nach 70, 75 Minuten und das folgende Gegentor in den Schlussminuten war kein Zufall. „Im Laufe des Spiels wird unser Tank dann immer leerer“, schlussfolgerte Vorstand Axel Hellmann. Der Mainzer Trainer Thomas Tuchel hatte genau auf diesen körperlichen Abbauprozess gewartet. Er hatte in der Pause unter Heranziehung statistischen Materials daran erinnert, dass die Eintracht regelmäßig in der Endphase Gegentreffer kassiert habe. „Das“, berichtete Choupo-Moting, „hatten wir in den Köpfen, und das war wichtig. Wir wussten, dass bis zum Ende hin noch was geht.“ Am Ende reicht es für die Eintracht dennoch zum Klassenerhalt: Im Winter wurde Schleifer Günter Kern geholt, um die körperlichen Defizite zu beheben. Die Mannschaft kam sicher ins Ziel.

Und dann gab es ja noch dieses fast schon legendäre 0:3 am 30. April 2011, der Tag, an dem der letzte Abstieg quasi besiegelt wurde. Auf dem Platz gab sich die Eintracht der Lächerlichkeit preis; unvergessen, wie etwa der damalige Kapitän Patrick Ochs voller Ehrfurcht vor Christian Fuchs (genannt Schlangen-Fuchs) in die Knie ging. Und anschließend brachen alle Dämme. Am Tag nach der Schande sagte die Eintracht das Training ab, weil die Polizei nicht für die Sicherheit der Spieler garantieren könne. Christoph Daum, als Retter verpflichtet und als Gescheiterter gegangen, beugte sich.

Schon am Samstagabend, nach der erbärmlichen Leistung, wollten die Ultras den Mannschaftsbus nach der Ankunft in Frankfurt stürmen. Es kam zu schweren Auseinandersetzungen mit der Polizei, das Stadion wurde abgeriegelt, die Mörfelder Landstraße gesperrt, ein Zivilpolizist gab sogar einen Warnschuss ab, 20 Randalierer wurden festgenommen. Es herrschte das blanke Chaos, die Krawallmacher sorgten für einen Ausnahmezustand rund um die Arena. Die Eintracht war ein Verein in Auflösung. Zwei Wochen und eine „Rückrunde der Schande“ (Präsident Peter Fischer) später war der Spuk vorüber, die völlig zerstrittene Eintracht abgestiegen.

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Auch dies sei nicht unerwähnt: Dreimal führte die Eintracht zur Halbzeit in Mainz, dreimal gelang kein Sieg. Aber immerhin war sie bei früheren Gastspielen nicht derart gehemmt und ängstlich. Mit Freuden erinnert man sich etwa an das Kuriositätenkabinett zurück, als Nikolce Noveski sage und schreibe drei Tore erzielte an jenem 19. November 2005. Dabei aber zweimal ins eigene Netz traf, einmal in das der Eintracht. Die Partie endete 2:2.

Am dichtesten waren die Frankfurter sicher am 24. April 2010 an einem Dreier dran. Da führten sie durch zwei Tore von Alex Meier mit 2:0, nach dem Mainzer Ausgleich legte Ümit Korkmaz zum 3:2 nach, ehe Aristide Bancé kurz vor Schluss noch ausglich. Für die Eintracht war es eine gute Saison, sie hatte nach dem Spiel gegen Mainz schon 46 Punkte gesammelt (es sollte auch keiner mehr dazu kommen).

Doch Trainer Michael Skibbe schwante schon nichts Gutes: „Es wird schwierig sein, noch eine Steigerung hinzukriegen, bei unseren finanziellen Möglichkeiten ist nicht viel Luft nach oben.“ Für den Trainer hatte deshalb im Blick auf die neue Runde Priorität, „unser Niveau irgendwie zu konservieren“. Das klappte, siehe oben, nicht ganz.

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