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Randale in Marseille – Eine Nacht der Schande

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Von: Daniel Schmitt

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Eigentlich sollte nur ein Fußballspiel ausgetragen werden... es wurde ein Abend der Schande. Foto: dpa
Eigentlich sollte nur ein Fußballspiel ausgetragen werden... es wurde ein Abend der Schande. © Sebastian Gollnow/dpa

Wenn eine kleine Gruppe Gewaltbereiter Fußballspiele als Machtdemonstration missbraucht, passiert das, was in Marseille passierte. Es reicht jetzt, endgültig. Ein Kommentar.

Frankfurt – Die in Marseille ansässigen Medien, die fast täglich über Olympique berichten, waren dann kaum berührt von den schaurigen Szenen in und rund ums Stade Vélodrome. Klar: Unschön, braucht niemand, gefiel nicht, alles in allem aber ein recht normaler Fußballabend. Sie sind das gewohnt in Südfrankreich. Ob in Ligaspielen gegen Nizza oder Paris, den beiden Erzfeinden von OM, oder bei Europacupduellen, etwa im Frühjahr gegen Paok Saloniki – stets ähnliche Bilder: Pyro, Böller, Leuchtraketen, Fans außer Rand und Band, hasserfüllte Fratzen, Spielabbrüche. Unfassbar und furchtbar.

Dass Olympique gerade mit gewaltbereiten, jungen Leuten aus den Brennpunkten der Vorstadt Schwierigkeiten hat, oft mit einem Migrationshintergrund, ist kein Geheimnis, sondern trauriger Alltag, schlicht ein Abbild gesellschaftlicher Probleme.

Ein Versagen auch der französischen Polizei

Wenn dann auf der anderen Seite eine Gruppe agiert, die aus Frankfurt, die in Teilen ein Fußballspiel nicht nur als Fußballspiel versteht, sondern als Machtdemonstration, als Ventil für Gewaltgelüste, dürfen solche Bilder nicht überraschen. Sie waren von den Eintracht-Bossen befürchtet worden, wenngleich nicht in diesem schockierenden Ausmaß.

Dass die französische Polizei mit ihrem radikalen Vorgehen vor allem bei An- und Abreise des vernünftigen Teils des Eintracht-Anhangs für unzumutbare Zustände sorgte, war nur ein weiterer Schandfleck an diesem Tag voller Schandflecke. Jene Fans, die den Sport lieben, werden sich fragen (müssen): Tue ich mir das künftig wirklich noch mal an? Ist das ein Fußballspiel wert? Einige werden zum Ergebnis kommen: nein. Es gibt dann eben doch wichtigeres im Leben.

Beiden Vereinen drohen Geisterspiele

Marseille – wie auch Eintracht Frankfurt – drohen nun Geisterspiele. Wenngleich dieses Uefa-Mittel keine Abhilfe für die tiefsitzenden Probleme schaffen wird und eine Kollektivstrafe natürlich auch die Unschuldigen in Sippenhaft nimmt, werden die Klubs kaum um diese Strafen herumkommen. Wer nicht hört (Stichwort Bewährung), muss fühlen. Scheint nicht anders zu funktionieren. Traurig, aber wahr. Zumal zur Wahrheit gehört, dass zwar der französische Anhang mehr provozierte, oft den Anstoß für Zusammenstöße gab, im Stadion aber die erste Leuchtrakete aus dem Frankfurt-Block in den von Olympique flog. Täter sind die Zündler alle, noch dazu mit einer ordentlichen Portion krimineller Energie.

Dass die vielen, friedlichen Mitgereisten aus Frankfurt nicht die Stimme gegen die eigenen Bösewichte erhoben, ist indes verständlich – zu aufgeheizt war die Stimmung, zu undurchsichtig die Gemengelage. Es ging schlicht um Gefahrenminimierung. Was also tun, wenn Geisterspiele kommen und die Debatte um die aktive Fanszene, die Ultras, noch heftiger Fahrt aufnimmt? Die Eintracht wird klare Kante zeigen, deutliche Worte finden müssen, deutlicher als in den vergangenen Jahren. Sie wird Täter rausfischen müssen – hübsche Choreos hin, hübsche Choreos her. Sie wird differenzieren müssen, um Nichttäter zu schützen. Es reicht, endgültig. (Daniel Schmitt)

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