+
Andreas Möller in der Commerzbank-Arena

Andreas Möller bei Eintracht Frankfurt

„Es ist eine Menge Verantwortung“

  • schließen

Andreas Möller über seine erste Bilanz als Chef des Nachwuchsleistungszentrums von Eintracht Frankfurt, die Verpflichtung zweier Taktikfreaks und die Idee eines „Playbooks“.

Seit Anfang Oktober düst Andreas Möller quasi täglich in den Osten Frankfurts, an den Riederwald, wo das Nachwuchsleistungszentrum der Eintracht beheimatet ist und wo dessen immer noch recht neuer Chef seitdem sein eigenes Büro weiß. Auch in Zeiten von Corona, in denen die Jugendkicker längst nach Hause geschickt wurden, ist Möller, der ehemalige Welt- und Europameister, noch regelmäßig vor Ort. Ruhig sei es zurzeit auf dem Gelände, erzählt der 52-Jährige, was ihn nicht erfreut, ihm aber die Möglichkeit bringt, sich um einige Dinge abseits des Alltags zu kümmern – unter anderem um Telefonkonferenzen mit Reportern. Gestern Mittag sprach er mit ihnen über ...

... den Umgang der Eintracht-Jugendabteilung mit der Corona-Pause:  Wir gehen sehr verantwortungsvoll mit der Krise um. Wir haben früh erkannt, dass da eine Welle auf uns zukommen könnte und uns daher auch relativ früh entschieden, die Spieler nach Hause zu schicken. Bisher wurde mir auch kein Krankheitsfall gemeldet. Ansonsten haben die Jungkicker Trainingspläne mit nach Hause bekommen, sie stehen im regen Austausch mit ihren Trainern und erledigen ihre fußballerischen Hausaufgaben.

... seine aktuelle Arbeit:  Man hat das Gefühl, dass die Zeit still steht. Mir gibt das aber die Möglichkeit, einige Themen abzuarbeiten. Das geschieht gerade sehr konzeptionell und zukunftsorientiert. Wir sind dabei, die Planungen über die Saison hinaus zu erledigen, Trainerteams zusammenzustellen, organisatorische Sachen abzuwickeln. Beispielsweise bauen wir das Internat ein bisschen um und bringen die Plätze auf Vordermann. Wir nutzen die freigewordene Zeit, um Dinge außerhalb des Spielbetriebs anzupacken.

... die am Montag bekanntgewordenen Verpflichtungen der U-15-Trainer Thomas Broich und Jerome Polenz, die einst selbst Profifußballer waren und sich zuletzt als Fernsehexperten einen ausgezeichneten Ruf erarbeitet haben:  Der Kontakt kam über Fredi Bobic zustande. Er hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass da zwei richtig gute Jungs sind, die gerne eine Trainerlaufbahn starten möchten. Das ging zwischen den Jahren los, und dann wurden die Gespräche immer mehr vertieft. Sie waren oft am Riederwald, haben hier reingeschnuppert und haben in den vergangenen Wochen und Monaten auch an der Spielkonzeption für uns mitgewirkt. Man spürt, dass sie sich in dieser Materie gut auskennen, das hat uns sehr beeindruckt. Darüber hinaus freut es mich, dass sie erst einmal im Jugendbereich lernen wollen, zum Beispiel beim Thema Mannschaftsführung. So denkt nicht jeder ehemalige Profi. Aber ein sehr guter Fußballer gewesen zu sein, heißt eben nicht, dass man auch ein sehr guter Trainer sein wird. Die Voraussetzungen bei beiden sind sicher vorhanden, und ich freue mich, dass wir sie bei dieser Entwicklung künftig begleiten können.

... ob es bei der Verpflichtung eine größerer Rolle gespielt hat, dass insbesondere Broich selbst ein absoluter Instinktfußballer – wie einst auch Möller – war:  Dass man auf hohem Niveau Fußball gespielt hat, ist sicher kein Nachteil. Aber der Trainerberuf ist sehr facettenreich, da braucht es noch viele, viele andere Dinge. Gerade in der Jugend geht es auch um den pädagogischen Bereich, die Trainingssteuerung, psychologische Aspekte. Es ist fantastisch, was die Jungs bei der Spielanalyse alles darstellen können, aber Theorie und Taktik sind die eine Sache. Die Praxis ist auch entscheidend.

... die Entwicklung einer Spielphilosophie für den Nachwuchsbereich der Eintracht:  An der Ausarbeitung von Konzeption und Philosophie sind wir dran. Für was steht Eintracht Frankfurt? Wollen wir auf dem Platz abwarten? Wollen wir angreifen? Wollen wir schnell umschalten? Das versuchen wir, den Trainern zu kommunizieren. Es sind viele grundlegende Prinzipien, die wir ausarbeiten. Wir möchten für eine gewisse Spielphilosophie stehen, die dann irgendwann in einer Art Playbook festgehalten wird, auf das alle zurückgreifen können.

... die Entwicklung der A-Jugend, die in der Rückrundentabelle der Junioren-Bundesliga vor der Zwangspause Zweiter war, und darüber, ob aus diesem Team ein Talent den Sprung zu den Profis packen könnte:  In der Tat sind wir mit der Entwicklung der U19 zufrieden, die Mannschaft ist auf einem guten Weg. Es gibt sicher auch gute Spieler, die die Möglichkeit haben, im bezahlten Fußball unterzukommen. Wie weit es für sie nach oben geht, ist schwierig zu prognostizieren. Außerdem will ich keinen Druck aufbauen. Aber es ist unser Ziel, die Talente so nah wie möglich an den Bundesligakader heranzuführen. Die U19 ist unser Flaggschiff, da haben wir ein besonderes Augenmerk drauf.

... sein Fazit der bisherigen Arbeit seit Oktober am Riederwald:  Die erste Zeit war eine Kennenlernphase. Und da kann ich nur sagen, dass ich mich sehr wohlfühle, ich habe nette Leute um mich herum mit sehr viel Fachkompetenz. Es ist eine Menge Verantwortung, das spüre ich. Aber das Schönste ist, wenn ich nach einem Arbeitstag auf die Plätze gehe und dort sehe, wie die Jungs Fußballspielen. Das ist toll.

Aufgezeichnet von Daniel Schmitt

„Alle waren sehr schnell über den Berg“

Entwarnung  in Bezug auf die vier an Covid-19 erkrankten Eintracht-Teammitglieder (zwei Spieler und zwei Mitarbeiter aus dem engen Mannschaftsumfeld) gab Fredi Bobic gegenüber dem Hessischen Rundfunk: Den Betroffenen gehe es „wirklich sehr gut“, sagte der Frankfurter Sportvorstand: „Alle waren sehr schnell über den Berg. Einer von den vier hat gar nichts mitbekommen.“ Am morgigen Donnerstag endet für die Eintracht-Profis die vierzehntägige Quarantäne, in die sie sich nach dem Bekanntwerden der vier Fälle hatten begeben müssen. 

Auch Trainer Adi Hütter  darf also ab Donnerstag wieder seine Wohnung in Frankfurt für Spaziergänge oder Einkäufe verlassen. Der 50-Jährige, der seine Familie in Salzburg zuletzt nicht persönlich sehen konnte, hofft zudem, alsbald mit seinen Spielern auf dem Trainingsplatz zurückkehren zu können: „Wir müssen immer dran glauben, dass es hoffentlich bald weitergeht“, sagte Hütter der „Bild“. Er könne sich schon vorstellen, „dass wir es schaffen, die Saison im Juni zu Ende zu bringen“. Allerdings, so Hütter weiter, sei man in den Zeiten von Corona eben nur „Beifahrer“. (dani)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare