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Im letzten Saisonspiel verliert die Mannschaft um Kevin-Prince Boateng gegen Schalke.
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Im letzten Saisonspiel verliert die Mannschaft um Kevin-Prince Boateng gegen Schalke.

Schalke - Frankfurt

Eine ganze Saison in den Sand gesetzt

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
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Eintracht Frankfurt verliert nach unterirdischer Leistung mit 0:1 auf Schalke und purzelt ausgerechnet am letzten Spieltag aus den Europapokalrängen ? Torwart Hradecky analysiert die Partie schonungslos.

Der mit Abstand beste Mann mit dem Adler auf der Brust war auch der mit Abstand beste Mann, als es darum ging, diesen späten Frankfurter Niederschlag im Ruhrpott in die rechten Worte zu kleiden. Lukas Hradecky, der scheidende Eintracht-Torwart, fasste die verdiente 0:1-Niederlage  auf Schalke mit gleichzeitigem Abrutschen auf Rang acht treffend zusammen: „Die erste Halbzeit war katastrophal, aber wir haben Europa nicht heute verloren, sondern in den letzten sechs Wochen. Da waren wir schlecht.“

Und Marco Russ, der beste Frankfurter Feldspieler an diesem schwarzen Nachmittag, flankierte ebenso messerscharf: „Uns hat der absolute Wille gefehlt. Man kann beim Vizemeister verlieren, aber die Art und Weise – da haben wir es auch nicht verdient, in Europa zu spielen.“ Gut gebrüllt, Herr Russ. Die Eintracht zeigte im ersten von zwei Endspielen eine erschreckend schwache Vorstellung, in der ersten Halbzeit trat sie pomadig und blutleer auf. In einem entscheidenden Spiel eine solche Leistung abzuliefern, gehört wahrscheinlich zu den Absurditäten des Geschäfts. Zudem hat Trainer Niko Kovac diese Partie mit einer merkwürdigen Aufstellung zudem so ziemlich vercoacht. 

In jedem Fall hat es Eintracht Frankfurt geschafft, sich eine komplette Saison binnen 90 Minuten kaputtzumachen. Durch die Schlappe auf Schalke, die Guido Burgstaller durch ein Kopfballtor besiegelte (26.), und dem überraschenden 4:1-Sieg des VfB Stuttgart beim deutschen Meister Bayern München rutschte die Eintracht auf Rang acht ab und somit heraus aus den Europapokalplätzen - so schlecht standen die Hessen letztmalig nach dem ersten Rückrundenspieltag. Sportvorstand Fredi Bobic reagierte dennoch gefasst: „Nach 34 Spieltagen wird ein Strich gemacht, und dann stehst du verdient da, wo du stehst. Das müssen wir einfach so nehmen.“

Und doch muss man festhalten: Diese Saison, die lange so famos verlief, ist auf den letzten Metern verwässert, ja irgendwie sogar ein Stück weit zunichte gemacht worden. Die Eintracht hat im Schlussspurt alles verspielt, all das, was sie sich in mühsamer Kärrnerarbeit errichtet hatte.

Die Spieler wirkten aber nicht einmal besonders niedergeschlagen, was natürlich auch daran liegen könnte, dass die Eintracht am kommenden Samstag die Chance hat, einen echten Titel zu gewinnen und über den Pokal noch das internationale Geschäft zu erreichen – dazu müsste sie allerdings im Finale des DFB-Pokals Bayern München schlagen. Das ist natürlich nicht unmöglich, aber trotz der Münchner Pleite gegen den VfB nicht besonders wahrscheinlich. So spricht vieles dafür, dass die Frankfurter auch in dieser Saison mit leeren Händen dastehen werden. Das schien vor sechs Wochen noch fast ausgeschlossen.

Trainer Niko Kovac sagte zwar, er sei „enttäuscht“, er sah aber gar nicht so enttäuscht aus. Die Pressekonferenz eröffnete er mit einem Späßchen, ehe er erneut daran erinnerte, wo die Eintracht eigentlich herkomme und „was uns vor der Saison so alles prognostiziert worden ist“. Kovac verstieg sich sogar zu der steilen These: „Wir können stolz sein.“ Und Sportvorstand Fredi Bobic befand: „Platz acht ist absolut in Ordnung. Wir sind einstellig, das ist eigentlich eine Riesengeschichte.“

Zweifelsfrei wäre ein achter Platz vor der Saison als Erfolg durchgegangen, doch nach dem Saisonverlauf  ist diese Platzierung letztlich eine einzige Enttäuschung. Der letzte Eindruck bleibt haften und somit stellt sich ein schaler Beigeschmack ein.  Die Eintracht hat eine große Chance fahrlässig vertan. Wieder einmal. Wie schon vor einem Jahr. Daran erinnerte nämlich Lukas Hradecky. Der Schlussmann sieht frappierende Parallelen zur vergangenen Spielzeit. Damals ist die Mannschaft in der Rückrunde ebenfalls eingebrochen, „dieses Mal ist es ein bisschen später passiert als letztes Jahr“. Der Finne, der bestätigte, in der Bundesliga zu bleiben und der sich wahrscheinlich Bayer Leverkusen anschließen wird, sprach von einem „Déjà Vu“. Natürlich sei die Saison lang gewesen, aber auffällig sei allemal, dass die Mannschaft am Ende der Runde „weniger läuft als der Gegner“. Der Akku sei auf dem Weg, ganz leer zu werden, mental und körperlich geht die Mannschaft auf dem Zahnfleisch. „Vieles hat mit Energie zu tun. Natürlich ist es auch Kopfsache, aber wenn der Körper nicht funktioniert, geht es auch nicht.“ Seine ehrlichen Worte bestätigen den Eindruck, der sich schon letztes Jahr aufdrängte und auch jetzt wieder aufkommt: Trainer Kovac quetscht sein Team förmlich aus, sodass es am Ende einer Saison physisch und psychisch ausgelaugt ist und nichts mehr zuzusetzen hat. Erst in der vergangenen Woche setzte der scheidende Coach zwei extrem harte Trainingseinheiten an, die kurz vor Saisonende gar keinen Sinn machen und in der Mannschaft mit großer Verwunderung aufgenommen wurden. „Wir müssen jetzt gucken, wie wir trainieren“, sagte Torwart Hradecky allgemein.

Niko Kovac indes richtete den Blick nach vorne und will die verpasste Europapokalchance schnell wegwischen. „Abhaken, vergessen, morgen ist ein neuer Tag.“ Na dann.

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