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Vertragsverlängerung oder Verkauf? Identifikationsfigur Lukas Hradecky
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Vertragsverlängerung oder Verkauf? Identifikationsfigur Lukas Hradecky

Finanzen

Eine Frage des Zasters

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Wie sich Eintracht Frankfurt in Zukunft finanziell verbessern will.

Es hat hierzulande tatsächlich überraschend viele Medien und Plattformen gegeben, die die Meldung der spanischen Sportzeitung „Mundo Deportivo“ aufgegriffen haben, wonach der Frankfurter Mittelfeldspieler Omar Mascarell Begehrlichkeiten bei – Obacht – FC Barcelona und FC Bayern München geweckt haben soll. Das scheint, mal ein wenig zugespitzt formuliert und ohne den rechtschaffenen Eintracht-Abräumer herabwürdigen zu wollen, in etwa so wahrscheinlich wie eine Reaktivierung der Eintracht-Haudegen Uwe Bindewald für die Abwehr und Alexander Schur fürs defensive Mittelfeld.

Omar Mascarell ist zwar unangefochtener Stammspieler bei Eintracht Frankfurt, er spielt eine ordentliche Saison, doch dass der 24-Jährigen für die besten Vereinsmannschaften der Welt in Frage kommt, scheint nahezu grotesk. Ohne den Ungarn Szabolcs Huszti an seiner Seite, dessen Abgang mehr schmerzt als gemeinhin erwartet, hat es der Spanier verdammt schwer im defensiven Mittelfeld, er steht zu oft im Raum, zudem spielt er oft Foul am Gegner und mit dem Ball zumeist quer oder zurück. Es stehen weder eine Torvorbereitung noch ein eigener Treffer in der Statistik. Überdies: Mascarells Stammverein Real Madrid hat sich ein Rückkaufsrecht in das Arbeitspapier mit der Eintracht einarbeiten lassen, das bei vier Millionen Euro liegen soll. Nicht sehr wahrscheinlich, dass Real davon Gebrauch macht. Die Eintracht will den fleißigen Spieler aber auch gar nicht abgeben.

Genauso wenig wie ihren Torwart Lukas Hradecky. Ihn über den Sommer hinaus zu halten, wird die große Herausforderung sein, denn der bis 2018 gebundene Finne will sich eine Vertragsverlängerung fürstlich honorieren lassen. Beim ersten Sondierungsgespräch und den aufgerufenen Zahlen sollen die Eintracht-Verantwortlichen fast vom Stuhl gekippt sein. Und die Marschrichtung beim angesehenen Torwart ist klar: Entweder der Klub schafft es, den Keeper langfristig zu binden oder man verkauft ihn im Sommer für viel Geld. Da müsste aber eine Summe um die zehn Millionen Euro herausspringen. Die Eintracht wird alles tun, um den Mann zu halten, der schnell zum Publikumliebling aufstieg. Denn der Verein will in Zeiten der hohen personellen Fluktuation nicht wieder ein Gesicht verlieren. Zumal ja auch der Status von Kapitän Alex Meier immer mehr bröckelt, ein Fußballgott auf der Bank ist ja auch nicht das, was man als identifikationsstiftend bezeichnen kann.

Man schweigt zum Fall Gacinovic

Die Eintracht befindet sich da generell im Zwiespalt, denn um den finanziellen Spielraum zu erhöhen, haben es die Verantwortlichen schon lange nicht mehr ausgeschlossen, einen Stammspieler gewinnbringend zu veräußern. Irgendwann, sagte Sportvorstand Fredi Bobic, wolle die Eintracht auch ein guter Ausbildungsverein sein. Doch so viele Akteure kommen aktuell nicht in Frage. Mit Mijat Gacinovic spekulierten die Frankfurter mal, der Serbe ist Stammspieler, zum A-Nationalspieler Serbiens aufgestiegen und hat zuletzt bei seinem Debüt auch prompt ein Tor gemacht, doch gibt es wirklich einen Markt für den schmächtigen Dribbler?

Zumal ja die Transferrechte nebulös sind: Die Enthüllungsplattform „Football Leaks“ deckte auf, dass der Eintracht nur die Hälfte der Ablösesumme zusteht, sollte sie den Spieler weiterverkaufen. Die andere Hälfte ginge an eine dubiose Gesellschaft aus Kanada. Ob das rechtlich haltbar ist, steht auf einem anderen Blatt. Der Fall wird geprüft, die Eintracht hat sich dazu bisher nicht geäußert.

Wirtschaftlich wird die Eintracht keinen Quantensprung machen können. Das frustriert die Verantwortlichen ein Stück weit. „Keinen einfachen Sommer“, prognostizierte Sportvorstand Fredi Bobic unlängst schon einmal. Sportdirektor Bruno Hübner erneuerte im FR-Interview seinen Wunsch nach einem größeren Engagement der Wirtschaftsunternehmen in Frankfurt und der Region. Der Einstieg eines Strategischen Partners wird längst nicht mehr ausgeschlossen. Die Verantwortlichen prüfen weiterhin einige Varianten, die ein Engagement eines Dritten erlaubt, womöglich muss dazu auch die bestehende Aktionärsstruktur modifiziert werden.

Europa League war finanziell ein Erfolg

Bis es so weit ist, müssen die Hessen konservativ denken und kalkulieren. In einem Interview mit der „Frankfurter Neuen Presse“ gab Finanzvorstand Oliver Frankenbach einen recht dezidierten Einblick in den wirtschaftlichen Rahmenplan. Demnach liegt der Lizenzspieleretat in dieser Saison auch aufgrund der höheren Prämienausschüttung bei etwa 39 Millionen Euro, in der kommenden Spielzeit könnten die Frankfurter erstmals die 40-Millionen-Schallmauer durchbrechen. Aber nur, wenn sie in der Fernsehtabelle auf Rang zehn vorrücken würden.

Dazu müsste die Mannschaft aber in etwa die jetzige Platzierung halten, also sechs Plätze vor Augsburg stehen, zudem maximal einen Rang hinter dem 1. FC Köln. Beides ist zurzeit noch gegeben. Sollte der Sprung im TV-Ranking von zwölf auf zehn gelingen, würde das für die Eintracht etwa vier Millionen Euro mehr Einnahmen bedeuten. Kein Pappenstiel. Überdies, so Frankenbach in der „FNP“, könne der Klub schon jetzt mit etwa 4,5 Millionen Euro aus dem guten Abschneiden im DFB-Pokal kalkulieren, so dass der Verlust in dieser Runde etwa 2,5 Millionen Euro betragen wird.

Ein entscheidender Faktor – neben der Langzeitplanung ab 2020 mit neuen Gesellschafterverträgen rund ums Stadion – ist für den Finanzvorstand das europäische Geschäft, das den Hessen schon einmal, 2013/2014, ein Rekordjahr bescherte. „Es war das wirtschaftlich erfolgreichste Jahr, mit zehn Millionen Euro Gewinn. Die einmalige Teilnahme ist schon lukrativ, die Langzeitwirkungen kommen hinzu. Für uns wäre es ein extrem großer Hebel, wenn wir das noch mal schaffen würden“, sagte Frankenbach. Deshalb hat er die Teilnahme am Europacup noch lange nicht abgehakt. „Es wäre Zeit, sich wieder zu qualifizieren“, auch damit die Eintracht in der internationalen Fünfjahreswertung bliebe, aus der sie ebenfalls Millionen schöpfen kann. „In dieser Saison scheint es ja relativ einfach zu sein“, glaubt Frankenbach. „Dass Gladbach, Schalke, Leverkusen und Wolfsburg auf einmal schwächeln, passiert wohl nicht so oft.“ Dazu müsste die Eintracht aber ihre Durststrecke endlich beenden.

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