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In der neuen Heimat: Andre Silva im Waldstadion. 

André Silva

Eintracht Frankfurt und André Silva: Um eine Facette reicher

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Eintracht Frankfurt überrascht seinen portugiesischen Profi gleich an seinem ersten Arbeitstag.

Im Frankfurter Stadion, dort, wo die Eintracht am Sonntag in einem Kraftakt Fortuna Düsseldorf geschlagen hatte, fehlt neuerdings das Gras. Das Spielfeld ist komplett abgedeckt, am kommenden Montag wird Herbert Grönemeyer vor etwa 40 000 Zuschauer seine Hits ins Mikrofon nuscheln. Der Zeitpunkt ist gut gewählt, die Bundesligamannschaft lässt erst wieder am 22. September, dann gegen Borussia Dortmund, das Bällchen laufen. Da dürfte auch Neuzugang André Silva sein Heimdebüt geben, am gestrigen Dienstag hat der Portugiese, für zwei Jahre vom AC Mailand ausgeliehen, erstmals mit seiner neuen Mannschaft trainiert. Und er dürfte bass erstaunt gewesen sein, als er ins Stadionoval blickte – nicht nur wegen des fehlenden Grüns. Auf einer Bande wurde der 23 Jahre alte Nationalspieler in riesigen Lettern herzlich begrüßt, auf deutsch und auf englisch: „Willkommen André Silva“.

Das zeigt schon die Wertschätzung, die der namhafte Neuzugang genießt, Eintracht Frankfurt hat sich da nicht lumpen lassen. Nicht jede Neuverpflichtung ist derart freundlich empfangen worden. Sie haben eine Menge vor mit dem Mann, der im Zentrum für Tore sorgen soll. Er sei aber in erster Linie einer, „der für das Team arbeitet, der niemals aufgibt“, sagte der junge Mann am Dienstagmittag nach der Trainingseinheit, bei seiner offiziellen Vorstellung. „Tore kommen dann von ganz allein.“ In seiner besten Zeit beim FC Porto hat er in 44 Pflichtspielen 21 Treffer erzielt, in der Saison 2016/2017 war das, da ging in Portugal sein Stern auf. An diese Leistung soll er in Frankfurt anknüpfen.

André Silva: Mit Vorschusslorbeeren zur Eintracht

Doch zunächst muss sich André Silva akklimatisieren und sich an das Tempo in der Bundesliga gewöhnen. Ähnlich ergeht es auch seinem Sturmpartner Bas Dost, der konditionell noch ein paar Schippen drauflegen muss, wie er selbst sagte. Die zwei Wochen Bundesligapause werden beiden Angreifern gut tun, derlei Defizite aufzuarbeiten. Ansonsten glaubt Silva, sich mit dem langen Niederländer bestens ergänzen zu können. „Wir sind ja unterschiedliche Spielertypen“, sagte er. Bas Dost ist bekanntlich einer, der verstärkt seine Körperlichkeit in die Waagschale werfen kann. Silva ist filigraner.

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André Silva kommt mit einigen Vorschusslorbeeren an den Main, gerade Cristiano Ronaldo, das portugiesische Nationalheiligtum, hat ihn einst selbst als seinen Nachfolger ins Spiel gebracht. Ob er dieses Lob als vergiftet ansehe, ist der 23 Jahre alte Angreifer gestern gefragt worden. Der Druck sei natürlich hoch, sagte Silva, besonders, weil „ich Ronaldo nicht enttäuschen möchte“. Er wolle sich bei der Eintracht sportlich weiterentwickeln, auch als Persönlichkeit. Den Klub hat er in der vergangenen Saison durchaus auf dem Radar, die Frankfurter Mannschaft und vor allem deren Fans habe er beim TV-Studium zur Kenntnis genommen. 

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Sein Freund Goncalo Paciencia, mit dem er einst beim FC Porto in der Jugend zusammengespielt hat, habe im Übrigen nur Gutes über den Klub erzählt. Schließlich räumte er mit den Gerüchten auf, der Wechsel wäre um ein Haar wegen eines schlechten Medizinchecks nicht zustande gekommen. Dem sei nicht so, die Untersuchungen hätten sich lediglich hingezogen. „Fragen sie mich, ich sage die Wahrheit.“

Eintracht Frankfurt wird variabler

Mit dem neuen Trio im Sturm dürfte die Eintracht ihren Spielstil um eine weitere Facette vergrößert haben. Natürlich fehlt jetzt die Geschwindigkeit und die Wucht eines Ante Rebic, dafür hat Trainer Adi Hütter drei Angreifer, die ihre Stärken im Strafraum haben. „Wie haben Stürmer, die Tore machen können. Also muss ich versuchen, sie in die Box zu bringen“, sagt Hütter. Das soll vornehmlich über ein Spiel über die Außen gehen. Hütter wird am grundsätzlichen System mit einer Dreierkette, zwei Außenbahnspielern, drei Mann im Mittelfeld und zwei Angreifern nicht entscheidend rütteln. „Ich will“, sagt der Trainer, „dass die Mannschaft ein Gesicht zeigt, dass sie einen Wiedererkennungswert hat“. Und natürlich will er nicht davon abweichen, wie in der letzten Saison attraktiven Offensivfußball zu spielen. Die passenden Stürmer dazu hat er ja.

von Thomas Kilchenstein

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