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Ein weiter Weg für Eintracht Frankfurt

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Von: Daniel Schmitt

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Spricht die Probleme klar an, sieht sein Team insgesamt aber auf dem richtigen Weg: Eintracht-Trainer Oliver Glasner.
Spricht die Probleme klar an, sieht sein Team insgesamt aber auf dem richtigen Weg: Eintracht-Trainer Oliver Glasner. © IMAGO/Treese

Die Eintracht zieht sich systematisch ein Stück zurück, um stabiler zu werden - darunter leidet die Offensive. Trainer Glasner scheint die Probleme von hinten nach vorne abarbeiten zu wollen.

Um das gleich festzuhalten: Die Frankfurter Eintracht könnte gut und gerne an diesem Tag auch Achter der Bundesliga sein. Sie könnte sechs Punkte haben, 4:7 Tore, und sie wäre dann also nach drei Spielen manierlich in die Runde gestartet. Sie hätte dafür nicht einmal besser Fußball spielen müssen, keinen Deut, es hätte schlicht zwei richtige Schiedsrichterentscheidungen gebraucht. Erst in Berlin, nun daheim gegen Köln nahmen die Männer an der Pfeife entscheidenden Einfluss auf den Ausgang der beiden 1:1-Spiele. Die Eintracht als Leidtragende, ganz klar. Stattdessen sind die Frankfurter früh in der Saison nur Tabellen-15., zwei Punkte, 3:8 Tore, und sie haben damit bereits seit dem März kein Bundesligaspiel mehr gewonnen. Das ist zwar noch kein kapitaler Fehlstart, aber doch ein wenig zufriedenstellender. Sehr ärgerlich.

Etwas Gutes aber könnten die beiden Schiri-VAR-Aussetzer vielleicht doch haben: Die maximal mittelmäßigen Leistungen der Eintracht rücken nun kräftiger in den Fokus, werden von der Punkteausbeute untermauert und nicht etwa geschönt. Denn, nüchtern betrachtet: Wirklich dolle war das bisher alles noch nicht seit dem Pflichtspielstart Anfang August.

Bereitete in den ersten Spielen vor allem die wacklige Hintermannschaft einige Sorgen, stand diese nun gegen Köln recht sicher, ließ wenig zu, darunter aber litt die Offensive doch deutlich. Die Frankfurter spielten sich selten durch bis vor des Gegners Tor - und gelang es ihnen, verpassten sie einen konzentrierten wie überzeugten Abschluss. Zweimal verdaddelte Jesper Lindström gute Positionen, einmal – nach der besten Offensivkombination des Spiels - schubbelte Kristijan Jakic einen Schuss aus zentraler Position geradewegs auf den Effzeh-Torhüter. „Es ist unser altbekanntes Problem, dass wir unsere guten Chancen nicht gut genug ausspielen, weil der letzte Ball nicht kommt“, sagt Kapitän Sebastian Rode.

Es ist auch etwas, das den Eintracht-Trainer Oliver Glasner zwar nicht zufriedenstellen wird, für ihn aber derzeit zweitrangig ist, das er eingepreist hat. Nach dem defensiven Wackelstart ist der Coach momentan vor allem darum bemüht, hinten für Sicherheit zu sorgen. Die neuen Außenverteidiger Luca Pellegrini und Kristijan Jakic sollten in erster Linie die gegnerischen Attacken abwehren, und erst im zweiten oder dritten Schritt selbst über ihre Seiten Druck ausüben. Es scheint so, als wolle Glasner die Probleme der Mannschaft von hinten nach vorne abarbeiten. Ein weiter Weg - im doppelten Sinne.

Denn zum einen lässt die Mannschaft noch eine Menge fußballerische Luft nach oben, sie kann ihr recht großes Offensivpotenzial längst noch nicht ausschöpfen. Und zum anderen sind die Wege in die Spitze durch das etwas defensivere Gesamtkonzept nun auch schlicht weiter entfernt. Das soll und wird wohl nicht immer so bleiben, doch sehr wohl weiß Oliver Glasner um die aktuellen Mühen seiner Truppe. „Vorne sieht man immer wieder ein paar Missverständnisse. Die Spieler in der Offensive müssen sich kennenlernen.“ Dennoch lasse ihn der Auftritt positiv in die Zukunft schauen.

Welche Rolle für Kamada?

Die nahe Zukunft heißt Werder Bremen, am Sonntagabend sind die Hessen zu Gast in der Hansestadt und wollen dort versuchen, die eigene Bundesliga-Sieglos-Serie (elf Spiele) „zu brechen“, wie es der Frankfurter Fußballlehrer nennt. Es gilt, hinten sicher zu stehen gegen den euphorisierten Aufsteiger nach dessen Last-Minute-Coup von Dortmund, darüber hinaus aber auch offensiv mehr Power zu entwickeln und effektiver zu sein.

Ein wichtiger Mann dafür: Daichi Kamada. Der bisher beste Eintracht-Profi der Saison, vielleicht neben dem ebenfalls bereits positiv auffällig gewordenen Randal Kolo Muani, dürfte gegen den SV Werder wieder in die Startelf rücken. Alles andere wäre seltsam, hat er doch gegen Köln nur aufgrund einer Krankheit im Vorfeld des Spiels lange von draußen zuschauen müssen. Aber wo wird Kamada eingesetzt? Auf der Sechs? Auf der Zehn? Links draußen wie zuletzt gegen die Domstädter?

Im von Glasner aktuell offenbar favorisierten 4-2-3-1-System scheint die Spielmacherrolle eigentlich prädestiniert für den Japaner. Dort aber zeigte Mario Götze gegen die Kölner aufsteigende Tendenz, streute einige kluge Pässe ein, marschierte viel, entwickelte kreative Ideen. Kamada und Götze gemeinsam im Zentrum könnten passen, gute Kicker harmonieren tendenziell leichter, dann aber wäre wiederum die linke Seite einigermaßen verwaist. Ein Problem, zumal auch die Besetzung für rechts nicht optimal gelöst wirkt.

Randal Kolo Muani mühte sich gegen den Effzeh dort zwar nach Kräften, setzte zu vielen Läufen mit dem Ball am Fuß an, verhaspelte sich jedoch zu oft. Und ohnehin ist der Franzose nach dem Abgang von Filip Kostic jener Eintracht-Offensivspieler mit der größten Wucht, würde der Mannschaft daher mit seiner körperlichen Präsenz auch ganz vorne in der Spitze helfen - siehe die Topleistung Kolo Muanis bei der Hertha. Dann jedoch müsste Rafael Borré, so etwas wie ein Lieblingsschüler von Trainer Glasner, ist er doch einer der am besten verteidigenden Stürmer der Liga, seinen Platz räumen.

All dies zeigt vor allem eines: Die Eintracht-Offensive hat sich noch nicht gefunden, der Trainer Oliver Glasner sich wohl nicht entschieden für den Weg, den er gehen möchte. Es ist ein Werkeln an Grundpfeilern im laufenden Betrieb, das noch eine ganze Weile andauern könnte.

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