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Ein Tor für die Ewigkeit

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Von: Thomas Kilchenstein, Ingo Durstewitz

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Ein Tor für die Ewigkeit: Ansgar Knauff. Foto: Imago images
Ein Tor für die Ewigkeit: Ansgar Knauff. © IMAGO/Schüler

Die Gewinner des Festspiels bei Eintracht Frankfurt: Torschütze Ansgar Knauff und Rammbock Martin Hinteregger, der zur alten Stärke zurückgefunden hat..

Die Frage von RTL-Reporter Felix Görner fand Nationaltorwart Marc-André ter Stegen nicht ganz so dufte. Ob denn dieser fulminante Schuss von Eintracht-Flügelspieler Ansgar Knauff womöglich haltbar gewesen sei, wollte der TV-Mann wissen, und die deutsche Nummer zwei im Tor des FC Barcelona konnte eine gewisse Gereiztheit nicht verbergen. „Sie haben es doch auch gesehen“, blaffte er nach dem für Barca eher schmeichelhaften 1:1 in Frankfurt. „Da sind gefühlt 20 Mann vor mir. Dann schießt er ihn gut, es ist ein Sonntagsschuss am Donnerstag. Da muss man dann auch gratulieren.“ Der Unmut des 29-Jährigen ist nicht ganz unverständlich, denn dass irgendjemand auf die Idee kommt, dass irgendein Schlussmann auf dieser Welt diesen Schuss hätte halten können, ist einigermaßen abenteuerlich.

Der Kracher von Ansgar Knauff, diesem so herrlich unverstellten Burschen aus Göttingen, hatte es in sich, er steht, wenn man so will, für sich selbst. Es war ein satter Rechtsschuss aus 20 Metern mit dem richtigen Effet und der perfekten Flugbahn. Ein Treffer zum Niederknien.

Für den 20-Jährigen war das Barca-Festspiel samt Traumtor natürlich das bisherige Karrierehighlight, ihm fehlten beinahe die Worte, um wirklich zu erklären, was in ihm vorging. „Das ist ein unbeschreibliches Gefühl, ich kann es noch gar nicht realisieren“, sagte der flinke Mann vom rechten Flügel. „Das sind Momente, von denen man als kleines Kind träumt: Man spielt gegen Barcelona, Flutlicht, vor so einer Kulisse und dann so ein Tor – das werde ich nie in meinem Leben vergessen, das ist ein unvergessliches Erlebnis.“

Zur Verdeutlichung: Im Januar noch spielte die Leihgabe von Borussia Dortmund, im Winter gekommen und erst einmal bis Sommer 2023 in Frankfurt unter Vertrag, mit der zweiten Mannschaft des BVB in der dritten Liga, drei Monate später ist er nun Torschütze im Viertelfinale der Europa League gegen den Weltklub aus Spanien. Das klingt wie ein Märchen, fast ein bisschen zu kitschig, um wahr zu sein.

Zudem avancierte er ja quasi über Nacht zum Stammspieler bei einem ambitionierten Bundesligisten und in der U-21-Nationalmannschaft, für die er unlängst ebenfalls seinen Premierentreffer beisteuerte. In Dortmund, seinem Stammverein, rollen schon viele mit den Augen und fragen sich leicht verärgert, weshalb BVB-Trainer Marco Rose den Durchstarter mit beeindruckender Konsequenz ignorierte.

Die Eintracht-Verantwortlichen sind selbst ein kleines bisschen überrascht, wie schnell der Auswahlspieler Fuß gefasst hat. „Er hört zu, nimmt Dinge schnell an“, lobt Sportvorstand Markus Krösche, der aber selbst nicht erwartet hatte, „dass er so schnell so stabil ist“. Vor allem aber ist Ansgar Knauff eines: ein guter, offener Typ ohne Flausen und Allüren. Der Junge lebt einfach seinen Traum.

Das macht Martin Hinteregger in gewisser Weise ebenfalls, nur schon etwas länger und mit mehr Erfahrungen im Gepäck. Der 29 Jahre alte Österreicher kickt bei seinem Traumverein, der ihm so viel bedeutet und dem er gerne so viel zurückgeben würde, was ihm schon oft gelungen ist, in dieser Saison aber auch mal weniger. Für „Hinti“, diesen verschrobenen Kerl aus den Bergen, sind Spiele wie jene gegen den FC Barcelona das Elixier des Lebens, für solche Highlights spielt der Eisenmann Fußball. Es sind diese Duelle mit den Größten, mit den Besten, die Hinteregger anstacheln und über sich hinauswachsen lassen. Gegen Barcelona war der Kärntner Turm in der Schlacht, er flog in die direkten Duelle, als gebe es kein Morgen, hart, fair, unnachgiebig. Und er spielte manierlich mit, baute das Spiel mit klugen Pässen auf, nicht immer, aber sehr viel häufiger als in der Langholz-Phase der Vorrunde.

Nur einmal blieb dem Routinier die staunende Statistenrolle: Bei Barcelonas Ausgleichstreffer durch Ferran Torres ging es selbst für den Unverwüstlichen zu schnell. Die schlichte Brillanz des Tores gilt es freilich auch mal anzuerkennen. „Hinti hatte in der Hinrunde Phasen, in denen es nicht so lief. Aber jetzt ist er wieder ein extrem wichtiger Faktor“, sagte Sportchef Krösche. „Wir sind froh, dass er wieder sehr gut drauf ist.“ Rückspiel am Donnerstag, Camp Nou, 100 000 Fans – Hinti freut sich drauf. dur/kil

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