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Ehemalige Fusballspieler von Eintracht Frankfurt posieren 2018 mit Adler Attila: Anthony Yeboah, JayJay Okocha, Jan-Aage Fjörtoft, Oka Nikolov (von links).

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„Eintracht Frankfurt: Fußballfibel“: Ein Leben mit Tony und Jay-Jay

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Ein originelles, witziges und lebendiges Buch von Dominik Bardow verknüpft Eintracht-Historie mit der Biografie des Autors – und ehrt zwei Kult-Kicker in besonderem Maße.

Frankfurt - Man kann wirklich nicht behaupten, dass Andreas Möller, der Frankfurter Bub aus Sossenheim, zu den Lieblingen des Autoren Dominik Bardow zählt. So ziemlich das Gegenteil ist der Fall. Es ist eine gewachsene Ablehnung aus Tradition heraus, die auch den schwarzen Abt, alias Klaus Gerster, einbezieht und irgendwie sowieso alle, die den Andy, alias Heintje, mal gut fanden oder ihn sogar heute noch gut finden. „In meinem Buch“, schreibt der Journalist Bardow also als letzten Satz seines Werkes und meint es verdammt ernst, „in meinem Buch wirst Du mit keiner Zeile erwähnt.“

Eintracht Frankfurt: Buch über die Historie

Okay, das hat er nicht ganz geschafft, der rasende Reporter Bardow, er widmet dem früheren Nationalspieler und heutigen Nachwuchschef der Eintracht sogar ein ganzes Kapitel, aber „nur“ als Anhängsel, als Epilog. Ätsch, bätsch.

Bardow, 1982 am Rande des Ruhrgebiets in Dorsten geboren, hat sich in seinem Erstlingswerk der Eintracht gewidmet, seiner großen Liebe – sieht man mal von seiner langjährigen Freundin Teresa ab, die in der 159 Seiten umfassenden „Fußballfibel“ (Culturcon-Verlag, 12,99€) ebenfalls Raum einnimmt.

Der frühere „Tagesspiegel“-Redakteur hat sich der Ex-Diva vom Main in originellen, witzigen und durchaus verschrobenen Erzählungen genähert, in elf Kapiteln lässt er den einst so herrlich verdrehten Traditionsverein hochleben, elf Kapitel gleich elf Personen, wobei ein Abschnitt, der achte, zwei Protagonisten umschließt, die irgendwie auch siamesisch verbunden waren: Heribert und Friedhelm.

Dominik Bardow, 2017 für den Theodor-Wolff-Preis nominiert und Fifa-Korruptions-Experte, lässt anhand seiner persönlichen Elf die jüngere Eintracht-Geschichte Revue passieren, Bas spielt mit, Jay-Jay, Tony, Stepi, Oka, Ante, Alex und andere. Es ist eine lebendige, kurzweilige Story.

Eintracht Frankfurt: Autor ist Spagat gelungen

Dem in Berlin lebenden Autor ist ein Spagat gelungen, ein spannender und zugleich anspruchsvoller Mix, gespeist aus eigener Biografie, historischer Faktenaufarbeitung sowie einer fiktiven Geschichte rund um seine elf Darsteller.

Los geht das Ganze mit einem zufälligen Treffen mit Bas Dost im Wald vor der Alten Försterei zu Berlin. Der gute Dominik, biergetränkt, pinkelt dem guten Bas, Schuhgröße 48, auf die edlen Treter, Himmel hilf! Aber irgendwie, man ahnt es, kann das gar nicht Bas Dost sein, dort im Dickicht vor dem Stadion, weil der echte Bas Dost die Eintracht ein paar Minuten später bei Eisern Union in Führung schießen wird. Fiktion und Realität verschwimmen.

So geht es weiter, Dominik Bardow erzählt seine Story anhand von Doppelgängern der Stars, die in sein Leben treten und ihn auch durch selbiges führen.

Heribert und Friedhelm, „ein Wanderarbeiter mit Pott-Schnitt, der ihn aussehen lässt wie ein Playmobil-Männchen“, sind seine Onkel, die sich auch mal herrlich fetzen können. Friedhelm geht Herris „ständiges Geknausere“ auf die Nerven, woraufhin dieser entgegnet: „Wir können nicht immer über unsere Verhältnisse wirtschaften. Was willst du machen? Alles zementierte Verhältnisse.“

Eintracht Frankfurt: Oka, der Kleiderschrank

Dann tritt Oka auf, Oka Nikolov? Hmm, na ja, eher ein massiver Schrank im Jugendzimmer, das gute Stück beschreibt er so: „Er stand einfach nur da. War da, wenn er gebraucht wurde. Beschwerte sich nie. Selbst wenn man ihn zur Seite räumte und sich ein neueres Modell anschaffte. Am Ende landete man eh wieder bei Oka. Oka schien für die Ewigkeit gemacht.“ Oka, der Kleiderschrank.

Die „Fußballfibel, von Fans für Fans“, besticht auch durch nachdenkliche Passagen; Momente, in denen Bardow von der schweren Krankheit und dem Ableben seines Vaters berichtet, seinem Vorbild. Sein Name: Alexander, wie Alex Meier, der Fußballgott.

Aber wie kommt dieser Bursche aus dem Ruhrpott zur Eintracht? Es war, schreibt er, diese eine Partie im Parkstadion in Gelsenkirchen, September 1993, die Eintracht mit Yeboah, Bein, Gaudino, Okocha. Da stand ein perfekt orchestriertes Ensemble auf dem Feld, eines, das „Klasse und Stil hatte; gelbes Hemd, blaue Hose, weiße Strümpfe, wie die brasilianische Nationalmannschaft. Sie ließ die aufdringlichen Schalker ins Leere laufen, wirbelte elegant herum und tänzelte in einem Tempo weiter, dass den Zuschauern der Atem stockte. Ich war fassungslos.“ Es war um den kleinen Dominik geschehen.

Bardow hat sein Buch übrigens den Menschen gewidmet, „die mich großgezogen haben: meine Eltern. Okocha und Yeboah.“

Zum Buch Dominik Bardow: Eintracht Frankfurt: Fußballfibel, Isensee Florian GmbH, 159 Seiten, 12,99 Euro.

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