Wataru Endo vom VfB Stuttgart im Zweikampf mit Ondrej Duda und Sebastian Andersson
+
Wataru Endo (Mitte) vom VfB Stuttgart im Zweikampf mit den Kölnern Ondrej Duda (rechts) und Sebastian Andersson.

VfB Stuttgart

Ein Bodyguard, der Staub saugt

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
    schließen

Wataru Endo ist der Schlüsselspieler beim Aufsteiger VfB Stuttgart – einst kickte er mit dem Eintracht-Profi Daichi Kamada in Belgien.

Schon vor einigen Jahren, als Sven Mislintat noch der für die breite Öffentlichkeit unbekannte Leiter der Scoutingabteilung bei Borussia Dortmund war, stach er ihm ins Auge. Auch wenig später, Mislintat war auf ähnlichem Posten beim FC Arsenal angelangt, verlor er ihn nie aus seinem Fokus. Ja, Sven Mislintat, mittlerweile Sportdirektor beim VfB Stuttgart, wusste es schon länger, welch herausragender Fußballer in Wataru Endo steckt. Oder besser formuliert: Die Zahlen haben es ihm offenbart.

Damals, als der VfB-Sportchef das erste Mal auf Endo aufmerksam wurde, spielte dieser in seiner japanischen Heimat beim Vorzeigeklub des Landes, den Urawa Red Diamonds. Endo war Nationalspieler, das schon, aber keine Stammkraft und damit für die meisten europäischen Klubs kein Thema. Anders für Sven Mislintat. Der Mitbegründer eines deutschen Start-Ups, das ein Analysetool für Fußballspieler entwickelte, beobachtete die Leistungen von Endo genau. Fast alle Statistiken – Lauf- und Zweikampfwerte, Kopfballqualität, et cetera – seien damals auf einem konstant hohen Niveau gewesen.

VfB ist jüngstes Team der Liga

Watabu Endo, 27, ein geschmeidiger, ballsicherer Abräumer, der in der Innenverteidigung und im defensiven Mittelfeld eingesetzt werden kann, ging schließlich 2018 nach Belgien, zu VV St. Truiden. Er kickte dort für eine Saison gemeinsam mit seinem Landsmann und heutigen Gegner, Daichi Kamada von Eintracht Frankfurt, ehe er sich im vergangenen Sommer den Schwaben und Mislintat anschloss. „Es hört sich wahrscheinlich besserwisserisch an, aber ich war mir wirklich sicher, dass das ein sehr guter Transfer für uns sein wird“, sagte der VfB-Boss zu „Spox“.

1,7 Millionen Euro an Ablöse ließen sich die Stuttgarter die Dienste des Japaners kosten, der längst unumstrittener Stammspieler ist. Von allen Seiten prasselt Lob auf den Mann aus Yokohama ein. Der vierfache Vater ist wahlweise „Bodyguard“ oder „Staubsauger“ des VfB-Spiels („Stuttgarter Nachrichten“), auch „unser Dreh- und Angelpunkt und Raumschließer“ (Trainer Pellegrino Matarazzo) sowie „der Anker und stille Leader“ (Sportdirektor Mislintat). Wer gegen den unlängst mit leichten Adduktorenproblemen kämpfenden Endo in den Zweikampf geht, verliert meistens. Der Japaner gewann an den ersten sechs Spieltagen 101 Duelle – Ligahöchstwert. Im defensiven Mittelfeld verleiht er dem ansonsten recht wilden VfB-Spiel Stabilität und Ordnung.

Der Aufsteiger aus dem Ländle ist stark in die Runde gestartet, Neun Punkte stehen für den Siebten bisher zu Buche, wenngleich zuletzt auf Schalke (1:1) und gegen Köln (1:1) nicht alles klappte – nur logisch jedoch bei einem Blick auf die Altersstruktur des Kaders. Während zum Beispiel Eintracht-Trainer Adi Hütter unlängst gegen Bremen eine Startelf von im Schnitt 29,6 Jahren aufs Spielfeld schickte - das älteste Team der Liga –, probieren es die Stuttgarter, salopp formuliert, mit einer Bubi-Truppe: 24,6 Jahre im Schnitt, das jüngste Team der eigenen Historie. Die ersten Partien der Saison seien daher noch jung und naiv gewesen, findet Sportdirektor Mislintat, eine Entwicklung habe es aber bereits gegeben. Mittlerweile sei man bei „jung und mit Qualität“ angekommen. Auch dank Wataru Endo.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare