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Ein Abend der guten Worte gegen das Böse mit Eintracht-Präsident Peter Fischer

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Von: Jan Christian Müller

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Katja Kraus (links) und Peter Fischer (daneben) auf dem Podium in Hanau.
Katja Kraus (links) und Peter Fischer (daneben) auf dem Podium in Hanau. © privat

Die vorbildlich engagierte HSG Hanau stellt sich mit prominenten Gästen gegen Rassismus und für mehr Zivilcourage

Peter Fischer sah ganz schön erschöpft aus. Er ist ja jetzt ein Star. So lässt sich die lange Schlange an Fischer-Fans erklären, die am späten Dienstagabend im Congress Park Hanau geduldig auf ein Foto mit dem Präsidenten von Eintracht Frankfurt wartete. Fischer arbeitete alle Fans ab, so viel Kraft steckte gerade noch drin in dem Lulatsch nach all den ausgedehnten Feierlichkeiten mit den Europa League-Gewinnern. Zuvor hatte der Klubchef von inzwischen fast 110 000 Mitgliedern beim „Abend der Demokratie“ sein Werben um Zivilcourage gewohnt vehement auf der Bühne vorgelebt. Mit müden Augen, aber wachem Geist.

Katja Kraus auf dem Podium

Es war ein beeindruckender Abend, veranstaltet von einem großartigen Handballverein. Die HSG Hanau mit ihren 300 Mitgliedern hatte es tatsächlich in aufwendiger Eigenarbeit geschafft, 400 Gäste zu der opulenten Veranstaltung zu laden, auf der neben Fischer auch Katja Kraus, die Ex-Nationaltorhüterin, ehemalige Eintracht-Pressesprecherin und langjährige Führungskraft beim Hamburger SV, neben Hanaus Bürgermeister Claus Kaminsky auf dem Podium saß.

Thomas Tamberg zeigt Engagement

Ohne einen Menschen wie Thomas Tamberg wäre das Netzwerktreffen nie und nimmer zustande gekommen. Der in dem kleinen, erst 2009 gegründeten Verein für die Öffentlichkeitsarbeit zuständige ehemalige Sportreporter hatte dicke Bretter gebohrt und bald die Leute im Klub überzeugt, dass ein Engagement für gesellschaftliche Verantwortung einen Mehrwert für alle über den Handball hinaus bietet. Gerade in einer verwundeten Stadt wie Hanau etwas mehr als zwei Jahr nach dem rassistisch motivierten Mordanschlag, dem zehn Menschen zum Opfer fielen, ist ein solches Engagement besonders bedeutend.

Mounir Zitouni coacht HSG Hanau

Tamberg gelang es, den Vorstand um Uwe Just, Geschäftsführer Hannes Geist und den Kapitän der ersten Mannschaft, Jannik Ruppert, für die Sache zu begeistern. Die Hanauer spielen inzwischen mit dem Slogan „Demokratie leben“ in der dritten Liga, sie haben den ehemaligen „Kicker“-Reporter und Ex-Fußballprofi Mounir Zitouni als Coach engagiert, der von der C-Jugend aufwärts Seminare zum Thema Demokratie und Sport als gesellschaftlichen Klebstoff veranstaltet.

Kai Pfaffenbach spendet Fotocollage

Und sie haben sich getraut, einen solchen Abend am Schloßplatz auf die Beine zu stellen. Haben Sponsoren und Podiumsgäste sowie den hochdekorierten Hanauer Fotografen Kai Pfaffenbach akquiriert, der eine Bildercollage als ersten Preis der Tombola spendete, und sie haben es tatsächlich geschafft, dass die Veranstaltung schon im Vorfeld ausverkauft war.

Peter Fischer fordert zu Widerstand auf

Es gab dann viele gute Worte gegen das Böse. „Ich will euch radikalisieren, lauter zu werden gegen die Drecksäcke von rechts“, rief Peter Fischer in den Saal. „Wir haben genug Feinde, gegen die wir die Demokratie verteidigen müssen“, sagte Geschäftsführer Geist. „Wir müssen auch dem Alltagsrassismus entgegentreten“, sagte Kapitän Ruppert.

Alon Meyer schaut genau hin

„Ich bin das ewige Wegschauen leid“, sagte Makkabi-Chef Alon Meyer. „Man kann nicht sagen, überlasst die Demokratie mal der Politik“, sagte Bürgermeister Kaminsky, „das ist eine Angelegenheit für alle, und somit auch für den Sport.“ Katja Kraus wies aber auch richtig darauf hin: „Oftmals verlangen wir vom Sport Lösungen, die die Politik selbst nicht hat.“

Mike Paul spendet seine Silbermedaille

Als Gäste begrüßten die Organisatoren unter anderem Barbara Klein, die Ehrenpräsidentin der Offenbacher Kickers, den ehemaligen Eintrachttrainer Dragoslav Stepanovic, Ex-Profitorwart Jürgen Rollmann, Fußballtrainer Tomas Oral, sowie die Hanauer Handballlegende Mike Paul, der seine Olympia-Silbermedaille von 1984 für mehr als 4000 Euro für die Ukraine-Hilfe gespendet hatte.

HSG Hanau als Vorbild für andere Vereine

Auch die Eltern des vom Attentäter im Februar 2020 ermordeten Hamza Kurtovic, Armin Kurtovic und Dijana Kurtovic, verfolgten die Diskussion. Unter anderem Peter Fischer war vor zwei Monaten für sein Eintreten gegen Rassismus und Extremismus an gleicher Stätte in Hanau mit dem Hamza-Kurtovic-Preis ausgezeichnet worden.

Peter Fischer will unterstützen

Die HSG Hanau will auch Vorbild sein. „Wir wollen andere Vereine motivieren, sich an unseren Werten zu orientieren“, so Kapitän Ruppert. Peter Fischer ist gern bereit, dabei vor Ort Unterstützung zu leisten. „Solche Vereine wie ihr seid ja derzeit noch Biotope. Die gibt es nicht so oft. Wenn ihr mich braucht, bin ich dabei.“

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