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Ehre, wem Ehre gebührt: Abschiedssause für Alex Meier

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Von: Thomas Kilchenstein

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Zum Abschied ein eigenes Spiel für Alex Meier. imaGO images
Zum Abschied ein eigenes Spiel für Alex Meier. © Kessler-Sportfotografie/Imago

Es ist kein Zufall, sonderen eine besondere Ehre, dass just Alex Meier ein Abschiedsspiel erhält, häufig kommt das nicht vor bei der Eintracht.

Frankfurt am Main – Der allerletzte Auftritt des Mannes mit dem Zopf im Trikot von Eintracht Frankfurt hätte kitschiger, emotionaler, unrealistischer nicht sein können. Es war ein Auftritt so ganz Alex Meier, so ganz dieser wunderbar bodenständig, normal gebliebene Junge aus der Nordheide, der in Frankfurt zur Ikone aufstieg.

Jeder, der dabei war oder am Fernsehen, hat diese Szene vor Augen, die Einwechslung des lange verletzten Meier, drei Minuten vor Schluss, der Sprint von David Abraham über den Flügel, die butterweiche Flanke auf den Fuß von Alex Meier, der – natürlich mit der Innenseite – den Ball volley nimmt und das Tor macht, gegen den HSV. Vor der Nordwestkurve, ein ganzes Stadion hatte Gänsehaut, es brummte, summte, vibrierte, gestandene Männer standen Tränen in die Augen. Was für ein Alex-Meier-Moment. Schöner, kitschiger geht es nicht.

Alex Meier, Fußballgott

Natürlich hätte der in Frankfurt nicht nur wegen seiner in 379 Spielen erzielten 137 Tore als Fußballgott geadelte Meier einen viel schöneren Abschied bekommen können von seiner Eintracht, der er in 14 Jahren treu geblieben war. Doch da hätte ein Trainer Niko Kovac über seinen Schatten springen müssen. Das schaffte der Ehrgeizling nicht, also musste Meier den Pokaltriumph seines Teams, das er lange bestimmt hat, von der Tribüne aus verfolgen. Für einen Platz im Kader sah sich Kovac nicht imstande.

Ist es deswegen verwunderlich, dass zwei andere Trainer, Friedhelm Funkel und Armin Veh, bei Alex Meiers Abschiedsspiel am 31. August an der Seitenlinie stehen, wenn Schiedsrichter Manuel Gräfe die große Sause mit alten Weggefährten des gebürtigen Hamburgers freigibt? Vermutlich nicht.

Abschiedsspiel mit viel Prominenz

Angekündigt haben sich etwa die ehemaligen Kapitäne Abraham und Ioannis Amanatidis, Anthony Yeboah und Uwe Bein, vom aktuellen Kader die Europa-League-Sieger Sebastian Rode und Kevin Trapp sowie Martin Hinteregger. Natürlich wird Heribert Bruchhagen da sein, ein Mann, dem Meier viel zu verdanken hat und der ihm den Rücken frei gehalten hat – auch in schwereren Zeiten.

Es ist kein Zufall, sonderen eine besondere Ehre, dass just Alex Meier ein Abschiedsspiel erhält, häufig kommt das nicht vor bei der Eintracht. Er hat es verdient, weil er die Werte des Klubs repräsentiert, weil er in der Nachfolge der ganz großen Spieler Grabowski, Nickel, Hölzenbein, Körbel, Stein, Yeboah diesen Klub für eine Dekade geprägt, ihm ein sympathisches Gesicht gegeben hat. Und er ist noch aktiv, als Marken-Botschafter, als Jugendcoach, als Co-Trainer der U21, als Torjäger der Traditionself. Ihn im Klub gehalten zu haben, war ein kluger Schachzug.

Denn Menschen wie Meier verkörperte das, was selten wird im irrsinnigen Bundesligazirkus: Integrität, Loyalität, Vereinstreue. Er gehörte zu den immer schneller aussterbenden Spielerspezies, die zu Identifikationsfiguren taugen, dank ihrer Normalität, ihrer Bescheidenheit und Verlässlichkeit, bis heute, ohne Allüren, einfach untadelig. Wegen eines besser dotierten Vertrags seinen Abgang frech zu provozieren, wie jüngst jemand in München, wäre ihm nie im Leben eingefallen. Alex Meier wusste früh, wohin er gehört. Mit der Sause im Waldstadion rundet sich eine grandiose Karriere, wenn auch verspätet. (Thomas Kilchenstein)

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