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Geballte Freude nach dem Ausgleich im Stadtwald: Marius Wolf hat getroffen.

Marius Wolf

Dürrer Schattenmann für alle Fälle

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    Ingo Durstewitz
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Marius Wolf könnte den verletzten Timothy Chandler Chandler bei der Eintracht ersetzen.

Irgendwann in diesem packenden, wilden, aufreibenden Spiel hat der Dortmunder Nuri Sahin seinen Gegenspieler Marius Wolf genervt angefaucht, ob er denn vorhabe, ihn das ganze Spiel über in Manndeckung zu nehmen. Wolf war der Schatten des filigranen BVB-Spielführers, überall, wo Sahin war, war Wolf nicht weit, wie eine Kettenhund hatte sich Wolf an die Fersen Sahins geheftet. Das behagte ihm gar nicht, ganz und gar nicht. Genau das war beabsichtigt. „Wir haben versucht“, sagte Trainer Niko Kovac hinterher, „Nuri Sahin aus dem Spiel zu nehmen.“ Und dafür war Marius Wolf genau der richtige Mann.

Wolf ist ohnehin so etwas wie die Frankfurter Allzweckwaffe, überall einsetzbar, variabel, nicht auf eine Position festgelegt. In seinem dritten Spiel für die Eintracht vor einem halben Jahr spielte der gelernte offensive Außenspieler in Dortmund, als rechter Verteidiger. Seitdem war er mal Rechtsaußen, mal Linksaußen, mal im Mittelfeld, mal offensiv, mal defensiv unterwegs. An diesem Samstag begann er als Offensivspieler mit Blick auf Sahin, am Ende spielte er, bis zu seiner Auswechslung, rechter Verteidiger. „Das ist für mich kein Problem“, sagt er. Und Marius Wolf, die Leihgabe aus Hannover, machte das nicht schlecht.

Anfangs trieb er sich weiter vorne herum, er war an vielen gefährlichen Situationen beteiligt, wenn auch nicht gerade vom Glück verfolgt. In den entscheidenden Momenten taten sich kleine technische Unzulänglichkeiten auf, da versprang ihm der Ball, und als er einmal allein von Roman Bürki stand (31.), da parierte der umstrittene Dortmunder Torwart. Aber, und auch das spricht für den 22-Jährigen, er gab nie auf. Und belohnte sich dann selbst mit dem Ausgleich zum 2:2 (68.), sein erstes Pflichttor im 13. Bundesligaspiel für die Hessen, überlegt ins lange Eck. „Es spricht für die Mannschaft, dass wir ein 0:2 wieder aufgeholt haben. Wie sich jeder reingehauen hat, war einmalig“, sagte er danach am Flatterband.

Was für den jungen Mann spricht, über den Kovac nach seinem Wechsel im Winter von Hannover sagte, man müsse ihn „erst einmal aufpäppeln“, er sei ja „doch ziemlich dürr und hager“, ist seine Hartnäckigkeit. Ihm war wahrlich nicht alles gelungen in dieser Partie, aber er rackerte unverdrossen weiter. So war das schon in den zurückliegenden Spielen: In Leipzig  gelang ihm praktisch nichts, dennoch bereitete er den Treffer von Ante Rebic vor. In Hannover legte er Sebastien Haller auf und hatte mit einem tollen Schuss Pech. Seine Bilanz in dieser Runde ist beachtlich, bei nur vier Einsätzen traf er einmal, bereitete zweimal vor. Vor allem ist er einer, der sich ohne Unterlass reinhaut. „Wolfi“, sagt Trainer Niko Kovac über die Entdeckung der Woche, „ruft immer das Maximum ab. Er spielt mit Leidenschaft und Herz.“

Chandler reißt Meniskus

Und wenn nicht alles täuscht, könnte sich der Schlaks fürs erste ins Team gespielt haben, und zwar als rechter Verteidiger. Dort besteht nach dem Aus von Timothy Chandler eine Vakanz. Chandler war im Spiel in der 37. Minute ohne Einwirkung des Gegners bei einer ganz normalen Bewegung offenbar mit den Stollen im Rasen hängengeblieben. Die Diagnose am Sonntag: Riss des Außenmeniskus. Chandler muss operiert werden und wird den Hessen mehrere Monate nicht zur Verfügung stehen. Im Grunde ist das noch eine gute Nachricht: Im ersten Augenblick war gar ein Kreuzbandriss befürchtet worden.

Dessen ungeachtet haben die Frankfurter jetzt hinten rechts ein Problem: Chandlers Backup, Danny da Costa, ist nach einem Sehnenriss noch außer Gefecht gesetzt. Ohnehin hat der Neuzugang aus Leverkusen in den wenigen Einsätzen nicht überzeugt. Auch Carlos Salcedo, der am Samstag für den Deutsch-Amerikaner ins Spiel gekommen war, hat keinen bleibenden Eindruck hinterlassen, ganz im Gegenteil: Sein Stellungsspiel war hanebüchen, sein Zweikampfverhalten nicht besonders gut, er war ein Sicherheitsrisiko. So sehr, dass Kovac nach der Auswechslung von Marco Russ nach einer Stunde erst Wolf und danach sogar den Linksfuß Jetro Willems auf rechts beorderte und Salcedo ins Zentrum schickte.

Marius Wolf könnte mit seiner Dynamik und Schnelligkeit auf dem Flügel durchaus  eine seriöse Option sein. Das Zeug dazu hat er, und seine Vielseitigkeit kommt ihm jetzt zugute. Dann halt als rechter Verteidiger.

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