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Ein Duell der Gegensätze

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Von: Ingo Durstewitz

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Fliegender Holländer: Barcas Frenkie de Jong (rechts) gegen Kristijan Jakic (Mitte) und Djibril Sow.
Fliegender Holländer: Barcas Frenkie de Jong (rechts) gegen Kristijan Jakic (Mitte) und Djibril Sow. © dpa

Im Camp Nou von Barcelona treffen Welten aufeinander, wenn Eintracht Frankfurt zu Gast ist. Doch der Sport macht alles möglich. Ein Kommentar.

Frankfurt/Barcelona – Erst kürzlich hat Eintracht-Vorstandssprecher Axel Hellmann im großen FR-Interview einen kleinen Einblick in die aus den Fugen geratene Finanzwelt beim aufstrebenden, aber durch die Pandemie ausgebremsten Bundesligisten aus dem Hessischen gegeben. 70 Millionen Euro sind verbrannt, nur durch eine clevere Kapitalmaßnahme ist der Verein zwar verbeult, aber halbwegs unversehrt durch Corona gekommen. „Ansonsten wäre es kritisch geworden.“ Und auch für den Herbst müsse sich der Klub durch innovative Finanzmodelle absichern. „Sonst setzen wir uns einem existenziellen Risiko aus, sonst wird es ein Ritt auf der Rasierklinge.“

Auch der Sport ist angehalten, Überschüsse zu erwirtschaften, weshalb es als sicher gilt, dass mindestens einer, vielleicht sogar zwei Leistungsträger verkauft werden müssen. Filip Kostic, Evan Ndicka, Daichi Kamada? Vielleicht sogar Djibril Sow, der Schweizer Marathonmann, der eine Ausstiegsklausel in Höhe von 35 Millionen Euro in seinem Arbeitspapier verankert hat. Damit wäre Eintracht Frankfurt geholfen. Andererseits: Wer zahlt in diesen Zeiten für einen zweifelsfrei guten, aber nicht alle überragenden Mittelfeldspieler so viel Geld?

Barca drängt auf den Thron

Der FC Barcelona, der übermächtige Gegner am Donnerstag im mit mächtig Brimborium beworbenen Viertelfinalrückspiel der Europa League, könnte das natürlich locker, das wären Peanuts. Doch ein Mann wie Sow, bei aller Liebe, erfüllt nicht mal im Ansatz das Anforderungsprofil des etwas anderen Klubs von Welt. Barca lebt in anderen Sphären, ohne Grenzen und Limits. Barca will die Besten dieses Planeten, Robert Lewandowski vielleicht oder Erling Haaland. Bei ihnen spielte ja auch der Beste, 100 Jahre gefühlt, Lionel Messi.

Als dieser unter allerlei Getöse nach Paris ging, sollte eine Zeitenwende eingeleitet werden, demütiger wollte man sein, nicht mehr exorbitante Gehälter (fast 700 Millionen per annum) zahlen, sondern auf den eigenen Nachwuchs setzen. Das mit dem Nachwuchs versuchen die Katalanen, in der Tat, aber sonst ist von Bescheidenheit keine Spur. 100 Millionen Euro hat der Klub im Winter rausgehauen für drei Spieler, davon 55 Millionen für Ferran Torres. Nur ein bisschen mehr zahlt Eintracht Frankfurt für die gesamte Mannschaft.

Nein, der stolze FC Barcelona mit Präsident Joan Laporta an der Spitze wird alles dafür tun, um wieder an die Spitze zu kommen, um nicht mehr Real Madrid den Vortritt lassen zu müssen oder von Bayern München gedemütigt zu werden. Der FC Barcelona, der einen gigantischen Schuldenberg von mehr als 1,3 Milliarden Euro aufgetürmt hat, wird nicht ruhen, bis er es wieder dahin geschafft hat, wo der fünfmalige Champions-League-Sieger seinem Selbstverständnis hingehört: auf den europäischen Thron. Ganz ungeniert schiebt der Klub daher auch die Pläne für die Super League wieder an, „um den europäischen Fußball zu retten“, wie Boss Laporta ganz frech sagt.

Barca ist ein Mythos, Barca spielt in einer anderen Liga als fast alle anderen, als die Eintracht sowieso. Für die einen sind es Jahrhundertspiele, für die anderen lästige Pflicht. Es sind ungleiche Duelle, Duelle der Gegensätze. Aber sie werden auf dem Feld entschieden, und da steht es nach dem Hinspiel 1:1. Für die Eintracht bleiben 90 oder 120 Minuten oder Schüsse aus elf Metern, um das unfaire Duell zu gewinnen. Irgendwie. Vielleicht ist es an der Zeit. (Ingo Durstewitz)

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