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Eintracht-Übergangstrainer Gunesch erklärt seinen Job

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Von: Daniel Schmitt

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Gibt sein Expertenwissen künftig an den Eintracht-Nachwuchs weiter: Ralph Gunesch. imago images
Gibt sein Expertenwissen künftig an den Eintracht-Nachwuchs weiter: Ralph Gunesch. © Imago/Matthias Koch

Der Ex-Fußballprofi Ralph Gunesch besetzt bei der Eintracht die neu geschaffene Stelle des Übergangstrainers - was er da tut, erklärt er selbst.

Frankfurt – Ralph Gunesch, 39, ehemaliger Fußballprofi, Aachen, St. Pauli, Mainz, Ingolstadt, 29 Bundesligaspiele, 137 Zweitligaeinsätze, verheiratet, Vater einer zweijährigen Tochter, wusste schon, was da auf ihn zukommen würde, gleich als Einstieg ins Gespräch. „Ralph, was machst du da überhaupt?“, stellte er sich die Einstiegsfrage also gleich mal selbst und kam der FR damit Sekundenbruchteile zuvor. Ja, sie liegt auch wirklich nahe, diese Erkundigung nach jenem Job, den Gunesch seit diesem Sommer bei Eintracht Frankfurt zusätzlich zu seinem Expertendasein bei Dazn ausübt. Übergangstrainer, so nennt der hessische Bundesligist den neu geschaffenen und mit dem einstigen Verteidiger besetzten Posten.

Ralph Gunesch erklärt: „Es ist ein Mix aus Mentorenprogramm und Trainerdasein. Ich erstelle Pläne, kann sie aber auch gleich auf dem Platz umsetzen.“ Sein Tun verbinde das Beste aus zwei Welten. „Ich arbeite nicht so sehr ergebnisgetrieben wie die einzelnen Mannschaftstrainer, kann übergeordneter planen, stehe aber trotzdem regelmäßig auf dem Platz und übe mit den Jungs.“ Ralph Gunesch, das lugt zwischen den Zeilen deutlich hervor, ist glücklich ob seines Schaffens, wirkt motiviert, den jungen Kickern der Eintracht in ihrer Entwicklung zur Seite zu stehen. Und er hat genaue Vorstellungen davon, was es braucht, um aus einem Talent einen Profi zu formen, nicht nur fußballerische Fähigkeiten nämlich, sondern vor allem Fleiß und die nötige Einstellung.

Karpfen im Haifischbecken

„Alle unsere Jungs wollen später mal in ein Haifischbecken springen, ins Profigeschäft, sie sind aber längst noch keine fertigen Persönlichkeiten, sondern Teenager, teilweise Kinder“, sagt Gunesch. Diese führe ganz natürlich zu Ungleichgewichten. „Man misst sie an den Ansprüchen eines Profis, sie sind aber noch weit weg davon. Sie haben große Träume, die wir versuchen einzuordnen.“ Und weiter, diesmal bildlich formuliert: „Wir wollen die Koikarpfen im Haifischbecken möglichst gut beschützen.“ Und fordern.

Nicht selten lässt Gunesch, der zuvor beim FC Ingolstadt bereits als Jugendcoach Erfahrungen sammelte, gerade die Spieler der vergleichsweise jungen U-Teams, etwa die U15, nach dem Training noch mal ein paar Läufe absolvieren. Schuften ohne Ball, eigentlich verpönt, aus seiner Sicht aber – in Maßen – hilfreich wie nötig. „Talent ist das eine, die Einstellung das andere. Harte Arbeit gehört dazu, diese Einstellung will ich vermitteln.“ Jüngst nahm Bundesligatrainer Oliver Glasner einige Talente vom Riederwald mit auf die Japan-Reise, reinschnuppern bei den Großen, aus Sicht von Gunesch ein Trip, der „Gold wert war für unsere Jungs“. Denn es werde gerade den U19- und U17-Spielern durchaus suggeriert, sie seien bereits Bundesligaspieler, schließlich tragen die Ligen genau diesen Titel, „aber das sind sie natürlich längst noch nicht“. Doch bei solch Erfahrungen wie in Japan, so der A-Lizenzinhaber, „haben sie gemerkt, wie hoch das Niveau in einer Profimannschaft wirklich ist, wie viel sie noch arbeiten müssen für ihren großen Traum. Es ihnen zu erzählen, ist das eine, es selbst zu erleben, das andere.“ Immerhin: Mit Nacho Ferri, 18, und Anas Alaoui, 16, erzielten zwei Jugendstürmer beim 2:4 gegen Urawa Red Diamonds die Eintracht-Tore.

Den typischen Arbeitstag des Ralph Gunesch gibt es nicht, sagt er, jeder sei anders, gerade dies mache die Aufgabe reizvoll. Meist startet der frühere Juniorennationalspieler gegen 9 Uhr, pendelt dann zwischen dem Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) am Riederwald in Frankfurt, dem Sportpark in Dreieich, wo die U21 übt und spielt, sowie dem Stadion im Stadtwald, Zufluchtsort der Profis.

Er sitzt in Meetings mit den Trainern der einzelnen Teams, mit dem NLZ-Leiter Alexander Richter, mit dem Sportlichen Leiter der U21, Patrick Ochs. Er ist drei-, viermal in der Woche im Austausch mit Timmo Hardung, Leiter der Lizenzspielerabteilung bei den Profis und engster Vertrauter von Vorstand Markus Krösche. Auch zum Sportchef ist der Draht ein enger. Kurze Wege überall, viele Absprachen, Debatten über die Entwicklung einzelner Spieler, über ganze Mannschaften, Rausfiltern von Steigerungspotenzialen, Einzelanalysen und -training mit den begabtesten Nachwuchsspielern, Arbeiten an deren Schwächen auf dem Platz abseits des Mannschaftstrainings. Oft genug endet Guneschs Tag erst um 20, 21 Uhr. „Ich bin ein Mix aus Trainer und Kumpel - ich treffe mich mit den Jungs auch ohne Fußballschuhe auf ein Getränk, weil ich nicht nur den Spieler, sondern auch den Menschen verstehen will. Und das auch muss, wenn ich ihn besser machen möchte.“

Näher dran an den Spielern

Haben die Jugendlichen Probleme, in ihrem sportlichen Umfeld oder im Privaten, soll Gunesch für sie eine leicht zugängliche Kontaktperson sein, ihnen helfen, das braucht gegenseitiges Vertrauen. Ist eine gewisse Distanz zum Teamtrainer nötig, bestimmt dieser schließlich über die Aufstellungen, gibt es diese Hemmschwelle bei Gunesch nicht. Er mischt sich da nicht ein, wer wochenends auf der Sechs oder im Sturm spielt, er gibt sicher mal seinen Input in den Meetings, mehr aber auch nicht, sein Job ist ein anderer. Er will und muss ein Stück weit näher dran sein an den Spielern.

Die Stelle des Übergangstrainers ist im Profiwesen nun keine ganz neue mehr - sie heißt nur manchmal anders. Beim FC Basel etwa nennen sie Marcel Herzog einen Talentemanager, bei Borussia Dortmund Otto Addo, jüngst als Cheftrainer Ghanas bei der WM, einen Talentetrainer. In Nuancen unterscheiden sich die Aufgaben gewiss, „ich interpretiere meine Rolle eher als Trainer denn als Manager“, sagt etwa Gunesch, im Grundsatz aber eint die Protagonisten eines: Sie wollen junge, talentierte Menschen bestmöglich begleiten auf ihrem Weg, sie fußballerisch wie menschlich auf die immensen Anforderungen des Profifußballs vorbereiten, und letztlich natürlich auch den eigenen Klub stärken. Irgendwann, das ist klar, soll die Arbeit auch Früchte tragen, sollen dem Eintracht-Nachwuchs bundesligataugliche Profis entwachsen. Gab’s lange nicht mehr in Frankfurt. (Daniel Schmitt)

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