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Wurde gut aufgenommen in Frankfurt: Steven Zuber, anpassungsfähig.
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Wurde gut aufgenommen in Frankfurt: Steven Zuber, anpassungsfähig.

Steven Zuber

„Du musst Opfer bringen, wenn du etwas erreichen willst“

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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  • Daniel Schmitt
    Daniel Schmitt
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Eintracht-Zugang Steven Zuber über das Ziel Europa, die richtige Ernährung und wie man ein besserer Mensch wird.

Herr Zuber, schwirrt diese Packung von München noch im Kopf umher oder ist das 0:5 abgehakt, weil die Bayern ja in einer anderen, ihrer eigenen Welt spielen?

Sie spielen ja immer noch in unserer Welt, nicht auf dem Mars (lacht). Aber ernsthaft: Über die Bayern spricht man ja nicht nur in der Bundesliga, sondern in ganz Europa. Über ihre Stärken muss man nichts mehr sagen, das Ergebnis spricht auch für sich. Wir haben nicht das abgerufen, was wir können und müssen, um gegen einen solchen Gegner bestehen zu können. Das haben wir in der Videoanalyse noch mal vorgeführt bekommen, seitdem ist das Bayern-Spiel abgehakt. Wir haben jetzt Bremen vor der Brust, das Spiel wollen wir unbedingt gewinnen.

Die kommenden beiden Partien, gegen Bremen am Samstag und dann eine Woche später in Stuttgart, sind Schlüsselspiele, Wegweiser, die die Richtung zeigen können, in die es geht: nach oben oder nur ins Mittelfeld.

Das kann man so sehen. Ich habe von Anfang an gesagt, dass mit unserer Mannschaft einiges drin ist. Unser Riesenziel ist, international zu spielen. Wenn du international spielen willst, musst du Spiele gewinnen. Das ist ganz einfach. Wir wollen jedes einzelne gewinnen, egal, ob gegen die Bayern oder Bremen. Zu Hause ist unser Anspruch, alle Punkte bei uns zu behalten. Fertig.

An welchen Stellen muss sich das Team verbessern?

Wir müssen aggressiver auftreten, gerade in den gefährlichen Zonen, aber auch unsere Konter viel, viel besser ausspielen. Bremen hat zuletzt gute Resultate geliefert, ich sehe sie gerne spielen. Sie sind sehr ballsicher, spielen einen gepflegten Fußball. In der vergangenen Saison sind sie in eine Negativspirale reingekommen, und dann ist es schwierig, da wieder herauszufinden. Aber jetzt ist eine neue Saison, es geht sehr schnell voran im Fußball, man hat die Möglichkeit, es besser zu machen. Das ist das Schöne, und sie haben es bis jetzt sehr gut gemacht. Aber nichtsdestotrotz sollen die Punkte am Samstag hier bei uns in Frankfurt bleiben.

Welches Gefühl haben Sie für die Mannschaft und den Verein entwickelt? Sie sind ja erst ein paar Monate hier.

Ich traue der Mannschaft und dem Verein sehr viel zu. Hier ist ein solider Grundstein gelegt worden, von unten bis nach oben zu den Profis. Es wurde sehr gut gearbeitet in den vergangenen Jahren, hier hat sich niemand ausgeruht, obwohl die Eintracht sehr viele Erfolge in dieser Zeit feiern konnte. Das ist auch ein Qualitätsmerkmal. Die Mannschaft ist im Kern zusammengeblieben, hinzu sind einige erfahrene und einige junge Spieler gekommen. Die Mischung ist überragend, und das Trainerteam ist sehr zielorientiert. Das Ganze macht Lust auf mehr. Ich bin super aufgenommen worden, hatte keinen Tag, an dem ich mich nicht wohlgefühlt habe. Das ist sehr wichtig.

Und Sie haben viel Spielzeit. Das liegt nicht nur, aber auch daran, dass der am Knie verletzte Filip Kostic noch immer ausfällt. Was machen Sie, wenn Kostic bald zurückkehrt?

Ich kann nicht nur links spielen, auch rechts oder vorne. Aber es geht doch auch nicht darum, ob Filip Kostic oder Steven Zuber spielt. Filip ist ein sehr wichtiger Spieler, das hat man die letzten Jahre gesehen. Er ist ein ganz anderer Spieler als ich es bin. Es ist aber doch schön, dass wir so viele verschiedene Spielertypen in einer Mannschaft haben, das macht uns viel unberechenbarer. Ich freue mich unheimlich, dass er jetzt bald wieder mit uns auf dem Platz ist.

Was sind die größten Unterschiede zu Ihrem Ex-Klub Hoffenheim, Sie sprachen mal von einer Wohlfühloase in Sinsheim.

In Hoffenheim ist das Projekt ja seit 15, 20 Jahren geplant worden, da ging es step by step nach oben. Sie stehen zu Recht da, wo sie jetzt stehen. Aber Frankfurt ist und bleibt einfach Frankfurt. Mit diesem Stadion, diesen Fans, dieser Stadt, dieser Tradition – das hat eine besondere Historie, das hat Hoffenheim nicht. Damit muss man leben, wenn man nach Hoffenheim wechselt, es gibt nicht so viel Trubel und auch keine Stadt wie Frankfurt. Wichtig ist aber generell, dass die Vereine einen klaren Plan haben und dass die Verantwortlichen in Ruhe arbeiten können. Dann wird man immer Erfolg haben. Das ist in Hoffenheim und in Frankfurt der Fall.

Sie haben in Heidelberg gewohnt, als Sie für die TSG gespielt haben, wohnen Sie jetzt in Frankfurt?

Ja, ich bin nicht der Typ, der täglich zwei Stunden im Auto sitzt. Ich finde das auch nicht professionell, denn Erholung ist für uns sehr wichtig. Ich habe mich in Heidelberg wohlgefühlt und habe noch viele Freunde dort. Aber jetzt habe ich ein neues Kapitel aufgeschlagen, Frankfurt ist eine tolle Stadt mit vielen coole Ecken, ich fühle mich total wohl.

Zur Person

Für Steven Zuber , 29, lief der Start in Frankfurt recht verheißungsvoll. Der 25-malige Schweizer Nationalspieler kam bisher in allen sechs Pflichtspielen zum Einsatz, viermal stand er in der Startelf – er profitierte natürlich auch von der Verletzung des Leistungsträgers Filip Kostic. Der Linksaußen konnte nicht in allen Partien überzeugen, zeigte aber gerade gegen seinen Ex-Verein TSG Hoffenheim (2:1) eine starke Leistung. Der 114-fache Bundesligaspieler (14 Tore, neun Vorlagen) hat sich gut eingelebt, fühlt sich rundum wohl und gut aufgenommen. Mit der Eintracht, an die er vertraglich bis 2023 gebunden ist, nimmt er die internationalen Plätze ins Visier.

Sie müssen ja trotzdem ein anpassungsfähiger Mensch sein: Zürich, Heidelberg, Frankfurt, in Moskau waren Sie auch schon.

Ich bin eher der Großstadt-Typ, obwohl ich auch in ländlicheren Gegenden am Rande der Stadt gelebt habe.

Wie war es in Moskau?

Sehr gut. Für mich war es der erste Trip, bei dem ich alleine wohin gegangen bin, zumal ich auch die Sprache nicht kannte und es einzig und alleine um das Thema Leistung oder Nicht-Leistung ging. So etwas zu erfahren und zu spüren, das war schon super. Ich bin ein Typ, der sich nicht gerne versteckt und die Herausforderungen sucht. Von daher war es dort eine coole Challenge. Was mich selbst etwas gewundert hat: Ich konnte die Sprache sehr schnell lernen, also zumindest die Wörter, die auf dem Platz wichtig sind. Fußball hat seine eigene Sprache, überall auf der Welt. Das hat mich beeindruckt.

Man hört von Ihnen immer wieder, dass Sie eine extrem ambitionierte Haltung zum Sport und zum Leben haben. Erzählen Sie doch mal.

Mein Vater hat mir sehr viel beigebracht, wie ich mein Leben angehen soll, wenn ich etwas erreichen und ein besserer Mensch möchte. Die Einstellung muss stimmen, man muss mit sich selbst zufrieden sein. Obwohl wir in einem Mannschaftssport zu Hause sind, ist ja jeder für sich individuell verantwortlich und muss schauen, dass er sich verbessert. Für sich selbst natürlich, aber auch, um der Mannschaft zu helfen. Mir wurde das schon in der Schule als Kind beigebracht: ‚Wenn du besser werden willst, musst du mehr machen. Wenn du eine Prüfung hast, ist sie einfacher, wenn du vorher viel gelernt hast.‘ Ich habe darauf gehört und habe diese Einstellung übernommen. Ich will auch nicht, wenn ich meine Karriere beende, sagen müssen: Vielleicht habe ich nicht das Maximale rausgeholt. Ich möchte zufrieden sein mit mir und jeden Tag so nutzen, dass ich stolz sein kann auf mich selbst. Ich kann das alles, glaube ich, ganz gut einschätzen, denn ich bin ein ehrlicher Mensch – auch mir selbst gegenüber.

Sie legen, wie wir hörten, großen Wert auf Professionalität. Ist die richtige Ernährung für Sie ein wichtiges Thema?

Ernährung ist in der Tat sehr wichtig für mich. Da habe ich von A bis Z schon alles ausprobiert, auch vegane Ernährung. Jetzt ist es so, dass ich seit vier Jahren keine Milch- und Eierprodukte und auch keinen Honig mehr esse. Ich verzichte auf Fleisch und auch auf Fisch. Es ist nämlich nicht so leicht, jeden Tag gutes Fleisch zu bekommen, also Fleisch, das genau die Proteine enthält, die der Körper braucht. Ich habe auf Hülsenfrüchte umgestellt, die viele Vitamine und Proteine haben, die länger im Körper halten. Ich habe, von der Ernährung mal abgesehen, einen eigenen Fitnesstrainer. Ich habe im Lauf meiner Karriere viel erlebt und viele Menschen kennengelernt. Ich konnte mir überall das Beste herauspicken. Ich wäre schon dumm gewesen, wenn ich es nicht gemacht hätte.

Fällt Ihnen der Verzicht schwer?

Nein, das ist in mir drin. Zweimal im Monat hole ich mir auch eine Pizza, halt ohne Käse (lacht). Ich bin der Meinung, dass du Opfer bringen musst, wenn du etwas erreichen willst.

Corona hält die Welt weiter in Atem, nun sind neue Beschränkungen beschlossen worden. Wie stehen Sie zu dieser Pandemie und ihren Folgen?

Sehen Sie, alles, was ich nicht beeinflussen kann, lässt mich kalt. Ich kann es nicht ändern, auch wenn ich es gerne würde. Mir tun die Menschen und die Branchen unheimlich leid, die es hart trifft und die an den Rand des Abgrunds gedrängt werden. Das ist ganz schlimm. Ich sehe aber auch positive Sachen: Ich habe noch niemals so viele Vögel gesehen und so reine, klare Luft geatmet. Ich bin so ein Typ, der versucht, in jeder Situation noch das Beste zu sehen und daraus zu machen.

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