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Die SGE feiert den Sieg gegen den HSV.
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Die SGE feiert den Sieg gegen den HSV.

Eintracht Frankfurt

Drohende Abfahrt über die Dörfer

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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Eintracht Frankfurt hat den ganz großen Coup verpasst. Jetzt bleibt noch ein vergifteter Trostpreis. Vielleicht.

Lukas Hradecky wird am Samstag auf Schalke sein letztes Bundesligaspiel für Eintracht Frankfurt machen, es wird sein 101. sein. Das ist in drei Jahren eine Menge, 102 Partien wären es gewesen, wenn der 28-Jährige Ballfänger in jedem Spiel im Tor gestanden hätte. Ein einziges Mal hat der finnische Nationaltorwart nur gefehlt, wegen einer Roten Karten, die er sich im Spiel bei RB Leipzig eingehandelt hatte, musste er eine Begegnung aussetzen – ironischerweise auf Schalke, im Januar des vergangenen Jahres. Die Eintracht gewann dennoch 1:0 - Torschütze Alex Meier.

Lukas Hradecky war ein Volltreffer, er war der Mannschaft ein steter Rückhalt, der manchmal einen Unhaltbaren und oft das Team im Spiel hielt. Im Grunde erinnert man sich in diesen drei Jahren an zwei schlechte Spiele, das erste unter Trainer Niko Kovac in Mönchengladbach (0:3) und unlängst in Bremen (1:2), als dem Schlussmann ein Kinderball aus den fangbereiten Handschuhen ins Tor gerutscht war. Dieser Fehler freilich hatte gewaltige Auswirkungen. An diesem 1. April hätte ein sehr leicht möglicher Punktgewinn die Eintracht zurück auf den vierten Platz gebracht, auf einen Rang, der die Champions League bedeutet hätte. Es wäre ein Quantensprung für diesen Klub geworden – mit garantierten Millionen-Einnahmen in zweistelliger Höhe und Spielen vor ausverkauftem Haus gegen die ganz Großen Europas. Ganz nah waren die Frankfurter dran, sie konnten den Duft der Fleischtöpfe schon schnuppern.

Ins Straucheln geraten

Das ist gerade mal sechs Wochen her. Inzwischen wären diese Frankfurter froh, wenn sie wenigstens noch den Trostpreis, Platz sieben, gewännen, die Ochsentour durch Europa mit drei Qualifikationsrunden gegen die Kleinen auf internationaler Bühne. Nach dem Tiefschlag bei Werder Bremen holten die Hessen aus den dann folgenden vier Begegnungen lediglich einen mickrigen Punkt, beim 1:1 gegen die TSG Hoffenheim, seinerzeit noch drei Zähler hinter der Eintracht, mittlerweile drei Punkte und 15 Tore besser. Dieser Einbruch, der natürlich befeuert wurde durch den Seitenwechsel des Trainers Niko Kovac zum FC Bayern, hat Eintracht Frankfurt ins Straucheln gebracht. Er hat sie aus der Bahn geworfen, eine eigentlich glänzende Ausgangsposition für den ganz großen Coup ist da leichtfertig aufs Spiel gesetzt worden.

Die große Stärke dieser Mannschaft, einer Ansammlung verschiedenster Mentalitäten, Charaktere und Herkünfte, war ja der unbedingte Zusammenhalt, die Fokussierung auf ein Ziel, dem alles untergeordnet werden sollte, war Leidenschaft und Herzblut. Und nimmermüder Einsatz. Derlei Tugenden sind dummerweise in der entscheidenden Phase der Meisterschaft vorübergehend verschütt gegangen. Weil andere, individuelle Interessen für einige Tage, vielleicht Wochen wichtiger wurden. Dadurch ist das Team verunsichert worden, ist unfreiwillig vom eingeschlagenen Pfad abgewichen, hat sich „eine Pause gegönnt“, wie Kevin-Prince Boateng sagte. Die Spiele gegen Hertha BSC (0:3) und die C-Auswahl des FC Bayern (1:4) hätte eine Eintracht-Mannschaft aus dem März dieses Jahres ganz sicher nicht derart sang- und klanglos in den Sand gesetzt. Es sind genau die Punkte, die jetzt fehlen. Zur Champions League, auf jeden Fall aber zu einem Platz fünf oder sechs, der den mühsamen Weg über die europäischen Dörfer erspart hätte.

Immerhin hat Eintracht Frankfurt auf den letzten Drücker zurück gefunden zu den alten Tugenden, immerhin ist noch nicht alles verloren, wenn es jetzt auch deutlich schwerer geworden ist. Aus eigener Kraft kann die Eintracht Platz sechs (und besser) nicht mehr erreichen, sie ist auf Schützenhilfe angewiesen.

Diese gute Ausgangslage zu verspielen, ist insofern auch ärgerlich, weil die Planungen für die neue Saison ins Stocken geraten sind. In der Trainerfrage ist weiterhin offen, wer das Team in der neuen Saison, die – bei Platz sieben – bereits Mitte Juni mit dem ersten Training beginnt, anleiten soll. Vermutlich will auch der neue Coach wissen, wo und in welchen sportlichen Umfeld Eintracht Frankfurt im kommenden Jahr zu Hause ist. Ähnliches gilt für neue Spieler, bislang ist nur Frederik Rönnow, der Nachfolger von Hradecky, als Neuverpflichtung klar. Es ist schon ein Unterschied, ob man einen Kader zusammenstellt, der lediglich das Alltagsgeschäft bewältigen muss oder einen, der auf 32 Pflichtspiele bis Weihnachten ausgerichtet sein soll. So viele Partien müssten die Hessen nämlich bestreiten, wenn sie die Qualifikationsspiele überstehen, die ersten sechs Gruppenspiele in der Europa League absolvieren, im Pokal das Achtelfinale erreichen. Dazu kommen dann 17 Spiele in der Bundesliga hinzu.

Derlei Unklarheiten hätte man ohne das Einknicken in den letzten Wochen leicht früh aus der Welt schaffen können. Restlose Planungssicherheit hat Eintracht Frankfurt ohnehin erst am 19. Mai, kurz vor 22 Uhr, wenn der Sieger des Pokalfinales feststeht. Die Wahrscheinlichkeit, das A-Team des FC Bayern zu besiegen, ist überschaubar. Und wenn es richtig dumm läuft, steht die Eintracht am Ende ganz ohne europäische Meriten da. Bei einer Niederlage auf Schalke und Siegen des VfB Stuttgart und/oder Borussia Mönchengladbach würde die Eintracht gar auf Rang acht oder neun abrutschen. Dann wäre diese Saison, die sich in der Hinrunde ordentlich und in der Rückrunde so vielversprechend anließ, keine gute. Eintracht Frankfurt stünde mit leeren Händen da - und hätte es selbst verdaddelt.

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