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Roulette bei der SGE – Aus sechs mach drei

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Von: Daniel Schmitt

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In der Offensive hat Eintracht-Trainer Glasner die Qual der Wahl, weil die neuen Profis die alten zu Höchstleistungen treiben.

Frankfurt – Es gab ja schon Transfersommer, in denen Fans von Eintracht Frankfurt nicht genug bekommen konnten von dieser Gerüchterei, in denen sie sich sehnten nach dem großen Coup auf den letzten Drücker, auf den Stürmer, der die Truppe nach oben ballern würde. Dann kam manchmal tatsächlich ein André Silva, anderntags dagegen nur ein Sam Lammers. Was diese Jahre jedenfalls gemein haben: Die Hoffnungen waren noch riesig bis tief in den August hinein, manchmal sogar bis in den September, die Mannschaft doch noch irgendwie verstärkt zu sehen. Diesmal, im Transfersommer 2022, ist die Stimmung eine andere. Das Spekulieren hat zwar nicht an Reiz verloren, doch eine bessere Frankfurter Fußballmannschaft als jetzt? Schwer vorstellbar. Im Grunde wäre im Eintracht-Umfeld und beim Klub selbst wohl niemand böse, würde mal eben die Wechselfrist heute enden.

Es sind natürlich die großen Drei des Teams, Filip Kostic, Evan Ndicka und Daichi Kamada, die auch weiterhin in den Köpfen kreiseln. Gehen sie? Bleiben sie? Verlängern sie? Was macht Juventus mit den bajuwarischen De-Ligt-Millionen? Oder schiffen womöglich die Engländer ein paar Geldkoffer über den Ärmelkanal?

Eintracht Frankfurt: Daichi Kamada befindet sich in Frühform

Dem Trainer Oliver Glasner wäre es lieb, bliebe dies aus. Er ist zufrieden mit seiner Mannschaft, die die Hitze am Dienstag mied und stattdessen im klimatisierten Kraftraum schuftete. Glasner findet hinten ein solides Fundament vor, im Mittelfeld eine eingespielte Achse und vorne eine Riesenauswahl. Gleich sechs Startelfkandidaten stehen dem Coach, Stand jetzt, für drei Positionen zur Verfügung. Egal, ob er nun mit zwei Spitzen und einem Spielmacher oder umgekehrt antreten will, er kann es tun. Da wären die drei Neuen, die Druck machen und reindrängen in die erste Elf: Lucas Alario, Randal Kolo Muani, Mario Götze. Verschiedene Typen, die eines vereint. Sie sind im Grunde zu schade, um auf der Ersatzbank zu sitzen.

Eintracht Frankfurt
Daichi Kamada (l., hier neben Makoto Hasebe) in Frühform: Der Spielmacher der Eintracht will seinen Platz in der Startelf von Oliver Glasner behaupten. © Jan Huebner / Imago Images

Andererseits: Irgendwer muss dort ja sitzen, denn gerade die Alten, Rafael Borré, Jesper Lindström und Daichi Kamada, haben sich Vertrauen verdient – und rechtfertigen es in der bisherigen Vorbereitung. Das Europapokal-Sieger-Trio sticht mit exzellenten Trainings- und Testspielleistungen heraus, ist motiviert, die Stammplätze zu verteidigen. Eine Situation, die mancherorts auch schon zu Problemen geführt hat, kann so doch schnell Unfrieden in Mannschaften eindringen, die Eintracht-Trainer Glasner aber sehr schätzt. So wünscht er sich das. Fußballer, die sich gegenseitig antreiben, anstacheln zu besseren Leistungen.

Gerade Daichi Kamada, bei dem zu Beginn der Sommerpause mancher durchaus geunkt hat, er sei von besagtem Trio sportlich am ehesten verzichtbar, widerlegt diese Einschätzung. In Windischgarsten war er bester Frankfurter Fußballer, geschmeidig am Ball wie in allerhöchsten Hochphasen seines Schaffens, torgefährlich, sogar robust in den Zweikämpfen. Oliver Glasner stellte nicht umsonst mit leichtem Erstaunen fest. Er, Kamada, sei „in einer außergewöhnlichen Frühform“. Die grundsätzlichen Vorzüge des Japaners sind sowieso bekannt. Glasner: „Er ist einer, der das Spiel von der Defensive in die Offensive trägt, weil er sich klug anspielbar macht.“ Auch gegen den Ball agiere der Nationalspieler „klug und clever“, laufstark sei er, „und er ist jetzt auch stark im Abschluss. Ich bin froh, dass er da ist.“

Zwei, die ihren Platz behaupten wollen und gut drauf sind: Rafael Borré (links) und Daichi Kamada.
Zwei, die ihren Platz behaupten wollen und gut drauf sind: Rafael Borré (links) und Daichi Kamada. © Imago

Ein Angebot für Kamada liegt der Eintracht nicht vor, die Frankfurter ihrerseits sind mit des Spielers Beratern laut Sportvorstand Markus Krösche „schon länger in Kontakt“. Auch über Zahlen bezüglich einer möglichen Verlängerung des kommenden Sommer auslaufenden Vertrages wurde gesprochen. Was daraus wird, Krösche vermag es nicht zu sagen.

Während sich also ein Sextett um drei Startplätze balgt, reihen sich noch weitere Profis dahinter ein - der aus Hamburg gekommene und bisher überzeugende Faride Alidou, den Glasner auch schon rechts draußen kicken ließ, um ihn womöglich als Backup für Ansgar Knauff aufzubauen. Oder Jens Petter Hauge, den sichtlich mit sich kämpfenden Norweger, der ebenfalls von der Halbstürmerposition nach Außen geschoben wurde, um überhaupt irgendeine Option für das Team zu sein. Derzeit ist er dort hinter Knauff und Alidou jedoch höchstens die Nummer drei. Wenn nicht gar Timothy Chandler noch vor ihm steht. Zu guter Letzt die Angreifer Goncalo Paciencia und Ali Akman, die freilich abgegeben werden sollen.

SGE: Der Luxus der Rotation bei Eintracht Frankfurt

Es deutet sich schon jetzt an, dass Glasner durchwechseln wird (müssen), um seine Spieler bei bester Laune zu halten. Das wird in manchen Phasen der Saison sehr sinnvoll sein, gerade zu Beginn reihen sich die Höhepunkte mit Spielen gegen Bayern München und Real Madrid nur so aneinander. Da wird im Pokal in Magdeburg gewiss nicht diesselbe Mannschaft wie später in Frankfurt gegen den deutschen und in Helsinki gegen den spanischen Rekordmeister auf dem Rasen stehen. Auch in den Champions-League-Wochen bieten sich dem Trainer Möglichkeiten zu rotieren.

Zudem wird ein Rafael Borré eher nicht wie in der vergangenen Saison direkt von einer langen Länderspielreise kommend automatisch in der Startelf stehen. Eine Luxussituation, die Oliver Glasner zu managen hat, was ihm allemal zuzutrauen ist. Zumal der Transfersommer 2022 eben doch nicht heute endet. Schade eigentlich. Zumindest für die Eintracht. (Daniel Schmitt)

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